# taz.de -- Prozess gegen AfD-Abgeordnete: Rechtes Rollenspiel im Gerichtssaal
       
       > In Würzburg hat der Prozess gegen den AfD-Abgeordneten Halemba und einen
       > Parteifreund begonnen. Als Verteidiger tritt auch ein mutmaßlich
       > Geschädigter auf.
       
 (IMG) Bild: Volksverhetzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Geldwäsche: Das wird dem bayrischen Landtags-abgeordneten Daniel Halemba vorgeworfen
       
       Daniel Halemba spricht lieber in Fernsehkameras als mit dem Gericht. Seit
       Mittwoch muss sich [1][der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete] vor dem
       Würzburger Amtsgericht verantworten. Dem extrem rechten Burschenschafter
       werden Volksverhetzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Geldwäsche zur Last
       gelegt. Im vollbesetzten Gerichtssaal will der 24-Jährige dazu nichts
       sagen. Draußen auf dem Flur, als die Kameras auch seiner Gefolgsleute auf
       ihn gerichtet waren, war Halemba noch redseliger. „Das Verfahren“,
       behauptet er da zum wiederholten Mal, „ist politisch motiviert.“
       
       Vier Taten wirft die Anklagebehörde dem AfD-Rechtsaußen vor, drei davon
       stehen in direktem Zusammenhang mit seiner Zugehörigkeit zur extrem rechten
       Würzburger Burschenschaft Teutonia Prag und zur AfD.
       
       Zur Feier seines 21. Geburtstags im Jahr 2022 sollen Halemba – oder einer
       seiner wenigen Gäste – [2][im Haus der Studentenverbindung Musik der
       Neonaziband Landser abgespielt] haben, einer Band, die als kriminelle
       Vereinigung eingestuft ist. Kostprobe: „Alle Deutschen auf zum Krieg, gegen
       die Kanackenrepublik. […] An den Bosporus zurück, sonst brechen wir Euch
       das Genick.“ Die Musik soll so laut gewesen sein, dass es auch in der
       Nachbarschaft zu hören war.
       
       Einen Burschenschafter, der bei der Feier dabei war und bei der
       Staatsanwaltschaft eine Aussage machen sollte, soll Halemba ein Jahr später
       massiv unter Druck gesetzt haben, damit dieser ihn nicht belaste. Der
       Zeuge, sagt Oberstaatsanwalt Tobias Kostuch, habe daraufhin seine Anwältin
       entpflichtet und Halembas Wünschen gemäß ausgesagt – unter „Zittern,
       Stottern und Kaltschweißigkeit“. Zugleich beteuerte er, nicht von Halemba
       genötigt worden zu sein.
       
       ## Komplizierte Doppelrolle
       
       Einen weiteren Nötigungsversuch soll der AfD-Abgeordnete im Jahr 2023
       zusammen mit seinem Parteifreund Harald D., ebenfalls Mitglied der
       Burschenschaft Teutonia Prag, unternommen haben. Der 29-jährige D. sitzt
       deshalb jetzt neben Halemba auf der Anklagebank. Gemeinsam mit unbekannten
       Mittätern seien sie spätabends an der Kanzlei des Würzburger Rechtsanwalts
       Thomas Bayer aufgetaucht, hätten herumgegrölt, gegen die Tür gehämmert und
       Einlass begehrt.
       
       Ihr Ziel laut Anklage: Der Anwalt sollte als Präsident des
       AfD-Landesschiedsgerichts dafür sorgen, dass ein Parteiausschlussverfahren
       gegen eine Konkurrentin Halembas noch lange genug läuft, damit diese ihm
       beim Kampf um eine Landtagskandidatur nicht in die Quere kommen könne.
       
       Bayer behauptet nun, er habe sich durch den Krach der beiden nicht genötigt
       gefühlt. Und mehr noch: Er tritt vor Gericht sogar als einer der
       Anwält*innen von Harald D. auf – neben Matthias Bauerfeind, einem
       Ex-NPD-Aktivisten und langjährigen Funktionär der militant neonazistischen
       Kleinstpartei Der Dritte Weg, der wegen seiner extrem rechten Vita in
       Bayern nicht zum Rechtsreferendariat zugelassen und schließlich in Sachsen
       ausgebildet wurde.
       
       Die Doppelrolle als mutmaßlich Geschädigter und Verteidiger ist rechtlich
       zulässig, aber kompliziert. Das zeigt sich schon in den wenigen und etwas
       wirren Worten, mit denen Bayer beim Prozessauftakt die Unschuld seines
       Mandanten unterstreichen will und dabei immer wieder seine Rollen
       verwechselt.
       
       ## Hetzrede statt sachdienlicher Angaben
       
       Halemba wird als viertes Delikt Geldwäsche vorgeworfen, weil Gelder, die
       ein anderer Täter sich 2022 über Internetbetrügereien verschafft hatte,
       über sein Konto gelaufen sein sollen. Verteidigen lässt sich der AfD-Mann,
       der mehrfach an Vernetzungstreffen mit der extrem rechten Identitären
       Bewegung teilnahm, unter anderem von Dubravko Mandic.
       
       Der ehemalige AfD-Funktionär aus Freiburg ist wegen Nötigung einer
       Journalistin und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Und er hält mit
       seiner Gesinnung nicht hinter dem Berg. Seine Verteidigererklärung zum
       Prozessauftakt nutzt er, um den Prozess gegen seinen Mandanten zu einem aus
       der Bayerischen Staatskanzlei gesteuerten „polit-medialen Feldzug“ gegen
       die AfD zu erklären. Von einem „politischen Feindstrafrecht“ und
       „Repression gegen die Opposition“ spricht er.
       
       Richterin Gudrun Helm lässt sich von der Hetzrede nicht beeindrucken.
       „Danke für Ihre politischen Ausführungen“, kommentiert sie kühl. „Sollen
       auch noch Angaben zur Sache gemacht werden?“ „Heute nicht“, antwortet
       Mandic, jetzt plötzlich wortkarg.
       
       Für den Prozess sind weitere sieben Verhandlungstage bis Ende Januar
       angesetzt.
       
       7 Jan 2026
       
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