# taz.de -- Eberswalder Wurstfabrik schließt: Totengräber Tönnies
> Keine drei Jahre nach der Übernahme wird die Eberswalder Wurstfabrik
> dichtgemacht. Mehr als 500 Beschäftigte verlieren ihren Job.
(IMG) Bild: Knüppelsalami im Eberswalder Wurstwerk
Eberswalder Würstchen werden künftig nicht mehr aus der Nähe von Eberswalde
kommen. Die [1][Produktion am Standort Britz] soll laut der
Geschäftsleitung der zu [2][Tönnies] gehörenden Eberswalder Wurstwerke
Schritt für Schritt bis Ende Februar eingestellt werden.
Einer Mitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zufolge
verlieren mehr als 500 Beschäftigte ihren Job. Das 1977 eröffnete Schlacht-
und Verarbeitungskombinat war in den 1980er Jahren mit mehr als 3.000
Arbeiter:innen der größte Fleischverarbeitungsbetrieb Europas. In
Eberswalde waren für die Angestellten zwei Neubaugebiete geschaffen worden.
Erst 2023 hatte die Zur-Mühlen-Gruppe, Teil des Fleischkonzerns Tönnies,
den ostdeutschen Traditionsbetrieb übernommen, der nach einer Insolvenz im
Jahr 2000 saniert worden war. Der Jahresumsatz wurde mit 120 Millionen Euro
angegeben, 300 Millionen Würstchen jährlich seien produziert worden. Doch
laut Gewerkschaft wurde es seitdem versäumt, für den Erhalt des Werkes zu
sorgen: „Von den versprochenen Investitionen war weit und breit nichts zu
sehen. Es wurde zweieinhalb Jahre auf Verschleiß gefahren, und nun werden
die Leute auf die Straße gesetzt“, so Uwe Ledwig, Vorsitzender des
NGG-Landesbezirks Ost.
Die NGG kritisiert den Fleischkonzern scharf: „Diese rücksichtslose Politik
des Aufkaufens und Dichtmachens passt in das Bild, das die Tönnies-Gruppe
abgibt: Den Menschen wurde beim Kauf vollmundig eine Zukunft des Werkes
versprochen. Das Gegenteil ist der Fall, Tönnies entpuppt sich als
Totengräber der Tradition.“ Letztendlich gehe es Tönnies dabei um
„Marktbereinigung“ und die Sicherung der „dominanten Stellung in der
deutschen Fleischbranche“.
Aus der Geschäftsführung des Werkes hieß es, „unter den gegebenen
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ gebe es „keine realistische
Perspektive“. Die im Werk hauptsächlich produzierten Würste sollten
weiterhin produziert werden. „Die Produkte sollen, wie teilweise heute
schon an anderen Standorten, vorrangig in ostdeutschen Betrieben und mit
den bewährten Rezepturen und Qualitäten produziert werden“, so ein
Unternehmenssprecher.
Der Konzern nutzt mit der Werksschließung eine Lücke im
Betriebsverfassungsgesetz, nach der Betriebe in den ersten vier Jahren nach
Gründung oder Übernahme von der Anwendung eines Sozialplans befreit sind.
Dem Betriebsrat war es in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber dennoch
gelungen, eine „gewisse Abfederung für die Beschäftigten“ herauszuhandeln,
diese ist aber laut Ledwig „unzureichend“. Die Gewerkschaft appelliert an
die Politik: „Wenn das, was hier passiert ist, erlaubt ist, gehört es
verboten.“ (mit dpa)
6 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ehrliches-Fleisch-aus-Britz/!1463941/
(DIR) [2] /Reaktionen-auf-Fleischgipfel-und-Toennies/!5697382
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
## TAGS
(DIR) Clemens Tönnies
(DIR) Wurst
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Fleischindustrie
(DIR) Clemens Tönnies
(DIR) Sozialdemokratie
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ausbeutung in der Fleischindustrie: Dann lieber zu Amazon
Drei Jahre nachdem ein Gesetz die Verhältnisse in der Fleischindustrie
ändern sollte, gibt es viele der Probleme heute noch. Wie kann das sein?
(DIR) Arbeit in der Fleischindustrie: Für eine Handvoll Cent
Wenn Tönnies und Co. ihre Arbeiter nicht mehr über Subunternehmer
ausbeuteten, würde das Kilogramm Schweinefleisch um nur knapp 10 Cent
teurer.
(DIR) Gabriels Job bei Fleischfabrik Tönnies: Wo es stinkt
Der ehemalige SPD-Chef war bei Tönnies als hochbezahlter Berater tätig.
Verboten ist das nicht. Aber die SPD wird dringend darüber sprechen müssen.