# taz.de -- Wahlen in Zentralafrikanischer Republik: Ein afrikanischer Wahlsieg nach russischer Art
       
       > Präsident Touadéra wird zu einer dritten Amtszeit wiedergewählt, mit
       > seinem bisher besten Ergebnis. Russische Wagner-Kämpfer haben ihn stark
       > gemacht.
       
 (IMG) Bild: Zentralafrikas Präsident Touadéra vor der Landesflagge bei einer Wahlkundgebung in Bangui, 14. Dezember
       
       Zum ersten Mal seit rund fünfzehn Jahren hat die kriegsgeschüttelte
       Zentralafrikanische Republik wieder einen Präsidenten, der fest im Sattel
       sitzt. [1][Faustin Archange Touadéra], der wohl dienstälteste und engste
       Verbündete Russlands auf dem afrikanischen Kontinent, hat die
       Präsidentschaftswahlen vom 28. Dezember nach amtlichen Angaben souverän
       gewonnen und tritt nun eine dritte fünfjährige Amtszeit an.
       
       Nach den am Montagabend veröffentlichten [2][Angaben der Wahlkommission] in
       der Hauptstadt Bangui erhielt Touadéra 894.556 der 1.174.759 abgegebenen
       gültigen Stimmen, also 76,15 Prozent. Die Wahlbeteiligung wird mit gut 52
       Prozent angegeben – knapp 2,4 Millionen Wähler waren registriert.
       Allerdings bezieht sich dieses vorläufige amtliche Endergebnis nur auf
       5.689 der 6.741 geöffneten Wahllokale, so die Wahlkommission.
       
       Touadéra war Anfang 2016 erstmals gewählt worden, in einem [3][Klima von
       verbreiteter Gewalt]. Wenige Jahre zuvor war die muslimische
       Bevölkerungsminderheit des Landes Opfer [4][völkermordähnlicher Massaker]
       geworden: Die muslimische Rebellenkoalition Seleka hatte im Jahr 2013 den
       vorherigen Präsidenten François Bozizé gestürzt, richtete aber vor allem
       Chaos an und konnte die Macht nicht halten; Bozizé-treue Milizen gingen
       Anfang 2014 unter dem Schutz einer französischen Militärintervention
       [5][auf Rachefeldzug], es gab Zehntausende Tote.
       
       Ende 2015 gab es freie Wahlen, die Touadéra im zweiten Wahlgang im März
       2016 gewann. Der ehemalige Premierminister unter Bozizé, der gegen dessen
       Lager kandidierte, setzte sich mit 63 Prozent gegen Bozizés ehemaligen
       Zentralbankchef Anicet-Georges Dologuélé durch.
       
       ## Ruanda und Russland gegen Frankreich
       
       Kaum jemand gab Touadéra anfangs eine Chance. Sowohl die ehemaligen
       Seleka-Rebellen als auch Bozizé-treue Milizen wollten ihn stürzen.
       Eingreiftruppen aus Ruanda sowie russische Kämpfer der privaten
       Söldnertruppe Wagner hielten ihn im Amt, sehr zum Ärger der einstigen
       Kolonialmacht Frankreich, die jahrzehntelang in Bangui die Politik bestimmt
       hatte und nun gehen musste: Die letzten französischen Soldaten verließen
       2022 das Land.
       
       Bei Touadéras erster Wiederwahl Ende 2020 standen 80 Prozent des
       Staatsgebiets nicht unter Regierungskontrolle, Rebellen standen wieder kurz
       vor Bangui. [6][Der Präsident gewann nur ganz knapp] mit 53 Prozent, die
       Zweifel daran waren groß.
       
       Fünf Jahre später kontrolliert die Regierung 90 Prozent des Landes und
       Touadéras Wahlsieg stand von Anfang an fest. Viele Ex-Rebellen, so der im
       Exil in Benin lebende einstige Seleka-Staatschef Michel Djotodia,
       unterstützten diesmal den Präsidenten. Ex-Präsident Bozizé, im Exil in
       Guinea-Bissau, stand weiter hinter Dologuélé, der nun schon zum dritten Mal
       gegen Touadéra verliert. Dologuélé erkennt seine Niederlage nicht an:
       Zahlen aus seinem Umfeld geben ihm 49,3 Prozent und setzen Amtsinhaber mit
       nur 17,4 Prozent auf den dritten Platz.
       
       ## Wagner-Kämpfer sichern die Wahl ab
       
       [7][Unabhängige lokale Wahlbeobachter] stellen jedoch der Wahl ein gutes
       Zeugnis aus – außer dass vielerorts Sicherheitskräfte in den Wahllokalen
       präsent waren. In lokalen Berichten wird betont, wie sich das Personal der
       Wahlkommission in einzelnen Orten bemühte, des Lesens nicht mächtigen
       Wählern bei der Stimmabgabe zu helfen: Sie begleiteten sie in die
       Wahlkabine und zeigten ihnen, wo sie das Kreuz malen sollten, mancherorts
       unter dem wachsamen Auge vermummter russischer Bewaffneter. Da konnte
       nichts schiefgehen.
       
       Man stehe bereit, „jede Provokation zurückzuschlagen“, hatte Alexander
       Iwanow, Chef der [8][russischen Kämpfer in der Zentralafrikanischen
       Republik], kurz vor den Wahlen gesagt. Die rund 2.000 bewaffneten Russen
       standen in den vergangenen Jahren an vorderster Front bei der Rückeroberung
       des Staatsgebiets, laut Kritikern um den Preis verbreiteter Gräueltaten.
       Belohnt wurden sie durch Lizenzen zur Ausbeutung von Gold, Diamanten und
       Tropenholz für russische Firmen. Nur einige wenige Grenzgebiete entzögen
       sich noch der Staatskontrolle, so Iwanow.
       
       Eines dieser Grenzgebiete ist der Südosten des Landes an der Grenze zu
       Südsudan. Dort eroberte am Wahltag eine Miliz des lokalen Azande-Volkes die
       Grenzstadt Bambouti und tötete sechs russische Kämpfer, bevor sie am
       Neujahrstag vor Angriffen russischer Kampfhubschrauber zurück in die
       Savanne floh. Die Kämpfe dauern an, rund 1.000 Kilometer östlich der
       Hauptstadt Bangui.
       
       6 Jan 2026
       
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