# taz.de -- Vorgetäuschter Tod von Denis Kapustin: Keine geniale Spezialoperation
       
       > Der ukrainische Geheimdienst soll den Tod des russischen Neonazis Denis
       > Kapustin fingiert haben, um Kopfgeld zu kassieren. Eine misslungene
       > PR-Aktion.
       
 (IMG) Bild: Denis Kasputin (Mitte) mit dem „Russischen Freiwilligenkorps“, das überwiegend aus rechtsextremen Exilrussen besteht
       
       Was zunächst wie ein spektakulärer Agententhriller klingt und die Ukraine
       als geniale Spezialoperation verkaufen will, wirft viele Fragen auf:
       [1][Der angebliche Tod] von Denis Kapustin, der Ende Dezember vermeldet
       wurde, soll vom ukrainischen Militärgeheimdienst HUR nur [2][vorgetäuscht
       worden sein], um das von Russland auf ihn ausgesetzte Kopfgeld zu
       kassieren. Die HUR erstellte [3][ein Fake-Video der vermeintlichen
       Drohnenattacke], die ihn getötet haben soll.
       
       „Die für seine Eliminierung erhaltene halbe Million Dollar wird die
       Spezialeinheiten der HUR stärken“, schrieb der Militärgeheimdienst der
       Ukraine am 1. Januar [4][auf dem Messengerdienst Telegram]. Putin betrachte
       Kapustin als „seinen persönlichen Feind“ und habe den Kommandanten töten
       wollen, heißt es. Die „komplexe Spezialoperation“ soll über einen Monat
       gedauert haben. Damit sei auch das Leben Kapustins gerettet worden.
       
       Dazu postete der ukrainische Militärgeheimdienst ein Video, in dem ein
       lebender und offenbar unversehrter Kapustin zu sehen ist. „Herr Denis, ich
       gratuliere Ihnen zu Ihrer Rückkehr ins Leben“, sagt ihm im Videochat
       Generalleutnant Kyrylo Budanow, Chef des HUR. „Ich wünsche uns allen und
       Ihnen persönlich viel Erfolg“, so Budanow weiter. Einen Tag später wurde er
       zum neuen Leiter von Selenskyjs Präsidialkanzlei ernannt.
       
       Kapustin, auch unter dem Pseudonym Nikitin bekannt, wurde in Moskau geboren
       und lebte zeitweise in Deutschland. Er gilt als Schlüsselfigur der extremen
       Rechten in Europa. Seit 2017 lebt er in der Ukraine. Als Russland das Land
       im Februar 2022 überfiel, rekrutierte er ausländische Rechtsextreme über
       Telegram, um sich dem Kampf gegen Putin anzuschließen. Im selben Jahr
       gründete er das „Russische Freiwilligenkorps“ (RDK), das überwiegend aus
       rechtsextremen Exilrussen besteht und aufseiten der Ukraine gegen Moskau
       kämpft.
       
       Kapustins fingierter Tod dürfte der Ukraine mehr schaden als nutzen.
       Abgesehen von den 500.000 Dollar Kopfgeld, das im Kontext des Militäretats
       der Ukraine Peanuts ist: Die Aktion ist das bislang offenste Zugeständnis,
       dass der russische Neonazi und das rechtsextreme RDK offiziell unter der
       Aufsicht des ukrainischen Verteidigungsministeriums agieren, auch wenn
       deren Einsätze ohne die Zustimmung der Ukraine kaum möglich gewesen wären.
       
       ## Selfies und Spendenaufrufe
       
       In der Vergangenheit gab es zur genauen Rolle des RDK widersprüchliche
       Aussagen: Das HUR sagte zum Beispiel, dass es Teil der internationalen
       Legion sei, in der Freiwillige aus verschiedenen Ländern kämpfen. Dieser
       widersprach allerdings [5][auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters]. Nun
       heißt es vom ukrainischen Verteidigungsministerium: Das RDK sei Teil der
       „Spezialeinheit Timur“ des HUR.
       
       Angesichts russischer Propaganda, die behauptet, die Ukraine sei von
       Faschisten regiert und müsse „entnazifiziert“ werden, ist eine offene und
       enge Zusammenarbeit mit Figuren wie Kapustin, die eine winzige Minderheit
       innerhalb der ukrainischen Streitkräfte darstellen, ein Fehler. Sie zeugt
       aber auch von der Verzweiflung der Ukraine nach einem knapp vierjährigen,
       brutalen Angriffskrieg Russlands. Das Putin-Regime hat horrende
       Kriegsverbrechen begangen. Die Ukraine bangt um ihre schiere Existenz. In
       den Augen vieler Ukrainer sind Menschen wie Kapustin deshalb lediglich
       [6][ein Problem für die Zukunft].
       
       Doch die „Spezialoperation“ stärkt vor allem den Mythos Kapustin, der immer
       wieder das Rampenlicht sucht. 2023 überfielen er und seine rechtsextremen
       Mitkämpfer ein russisches Grenzdorf in Brjansk – die [7][Ukraine
       dementierte offiziell], etwas davon gewusst zu haben, [8][doch Kapustin
       bestritt das]. Es folgten weitere gewagte Aktionen des RDK in den
       russischen Oblasten Kursk und Belgorod, einige dauerten nur wenige Stunden.
       
       Solche Einsätze waren eher durch Selfies und Spendenaufrufe für das RDK
       geprägt als durch reale militärische Erfolge für die Ukraine. Geholfen
       haben sie am Ende vor allem den Followerzahlen von Kapustins
       Telegram-Accounts. Einige kritisieren deshalb, dass das RDK in erster Linie
       [9][als PR-Operation diene].
       
       ## Das falsche Signal
       
       Spektakuläre Aktionen [10][wie die Drohnenoperation „Spinnennetz“], die die
       Ukraine immer wieder durchgeführt hat, sind in diesem Krieg äußerst
       wichtig: Sie zerstören nicht nur russische Kriegsinfrastruktur, sie stärken
       auch die Moral zu Hause und signalisieren den ausländischen Verbündeten,
       dass Kyjiw immer noch militärische Erfolge erzielen kann und dass sich
       weitere Unterstützung deshalb lohne.
       
       Kapustin sterben und wiederauferstehen zu lassen, gehört jedoch sicherlich
       nicht zu den Erfolgen. Und dass Selenskyjs neue rechte Hand Kyrylo Budanow
       offenbar involviert war, sendet ein heikles Signal.
       
       4 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Russischer-Neonazi-Denis-Kapustin-tot/!6141561
 (DIR) [2] /Denis-Kapustins-Tod-nur-vorgetaeuscht/!6142519
 (DIR) [3] https://kyivindependent.com/how-ukraines-military-intelligence-faked-the-death-of-denis-kapustin-a-russian-commander-fighting-for-kyiv/
 (DIR) [4] https://t.me/DIUkraine/7647)
 (DIR) [5] https://www.reuters.com/world/europe/how-russians-end-up-far-right-militia-fighting-ukraine-2023-05-11/
 (DIR) [6] /Antifaschismus-in-der-Ukraine/!6009983
 (DIR) [7] https://www.belltower.news/denis-kapustin-der-pr-coup-des-russischen-neonazis-147519/
 (DIR) [8] https://www.ft.com/content/c4ffe9b8-a3f5-4f33-a420-effe32754bbf
 (DIR) [9] https://www.belltower.news/vorfall-in-brjansk-warum-ist-der-neonazi-denis-kapustin-in-russland-einmarschiert-146943/
 (DIR) [10] /Ukrainische-Drohnenangriffe-auf-Russland/!6091200
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicholas Potter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
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