# taz.de -- Linken-Politikerinnen in Zehlendorf: Ein Kaffeekranz zur Krise
       
       > Während Bürgermeister Kai Wegner sich in Turnhallen fotografieren lässt,
       > packt die Linke an und verteilt Tee in Zehlendorf. Nur Bedarf gibt es
       > kaum.
       
 (IMG) Bild: Ines Schwerdtner sucht den Dialog mit Betroffenen
       
       „Guten Tag, haben Sie Strom zuhause?“, fragt ein älterer Herr in roter
       Weste mit der Aufschrift „Hier ist die Linke“ und händigt Stirnlampen aus.
       „Irgendwas muss man ja machen!“ Er ist Teil des Teams, das die beiden
       Linken-Politikerinnen Ines Schwerdtner und [1][Elif Eralp] nach Zehlendorf
       begleitete.
       
       Rund ein halbes Dutzend Parteimitglieder steht direkt vor dem S-Bahnhof
       Zehlendorf, mitten auf dem Gehweg. Hier sind viele Leute unterwegs, aber
       nur wenige interessieren sich für die Heissgetränke und das Angebot zum
       Dialog. Kein Rauch steigt aus den umliegenden Schornsteinen, kein Licht
       brennt in den Fenstern.
       
       Die Parteivorsitzende und die Bürgermeisterkandidatin wollen sich gemeinsam
       ein Bild von der Lage vor Ort machen. Warum sie? „Weil wir das Gefühl
       haben, dass die Stadt beim [2][Stromausfall] nicht genug unterstützt“, sagt
       Eralp. „Wir sind hier, weil hier die Krise ist. Weil hier die Menschen vom
       Stromausfall betroffen sind, auch viele alte, arme und kranke Menschen“,
       sagt Eralp.
       
       Auf den [3][flächendeckenden Ausfall des Stromnetzes] im Südwesten Berlins
       reagierte die Politik bisher zögerlich. Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sei
       zu lange nicht in Erscheinung getreten, kritisiert Schwerdtner. Da brächte
       auch der Besuch in einer zur Notunterkunft umfunktionierten Turnhalle am
       Sonntag nichts: „Zu versuchen, schöne Fotos zu machen, hilft ja hier
       niemandem, der frieren muss.“
       
       ## Unzufriedene Anwohnerin
       
       Eine empörte Bürgerin nutzt die Gelegenheit für den Austausch, um sich der
       Parteivorsitzenden gegenüber über radikale Politik zu beklagen. Darüber,
       dass die ernste Situation wieder nur für populistische Politik von rechts
       und links instrumentalisiert würde. „Euer Wahlkampf macht mir Angst“, sagt
       sie. Schwerdtner, in rotem Schal und rotem Lippenstift, hört aufmerksam zu.
       „Die Notsituation auszunutzen, um einzelne Gruppen gegeneinander
       aufzuhetzen, ist der falsche Weg“, räumt sie ein.
       
       Die Kälte ist erbarmungslos. Anwesende pusten und reiben sich die Hände
       warm. Ein mit Thermoskannen bestücktes Lastenrad findet auf dem vereisten
       Boden kaum Halt.
       
       Eralp verurteilt den Anschlag aufs Schärfste und distanziert sich von dem
       einer ökoanarchistischen Kleingruppe zugeordneten Bekennerschreiben
       deutlich: „Nichts ist links an dem, was hier getan wurde“, sagt sie und
       verweist darauf, dass auch ein Flüchtlingsheim vom Stromausfall betroffen
       sei. Ihrer Meinung nach müsse der Senat einen Krisenfonds einrichten, damit
       nicht nur die Wohlhabenden diese Krise sicher überstehen. „Stattdessen geht
       die Polizei rum und sagt, man soll sich um die Nachbarn kümmern. Das kann
       ja nicht das Hilfsangebot der Stadt sein.“
       
       Der Einschätzung Eralps zufolge ist Berlin aktuell nicht krisenfest. Die
       öffentliche Infrastruktur wurde über die letzten Jahre kaputtgespart, das
       System ist so besonders fehleranfällig. Mit Blick auf ihren Vorschlag vom
       vergangenen Dezember, Kommunalzentren zu organisieren, sagt sie: „Aus
       meiner Sicht wären ja die Kiezkantinen, die wir einrichten wollen, jetzt
       der perfekte Ort, damit Leute zusammenkommen, damit sie’s warm haben,
       Informationen bekommen, Strom haben.“
       
       5 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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