# taz.de -- Wer regiert Venezuela?: Der Chavismus ist weiter an der Macht
       
       > Nach der Festnahme von Präsident Maduro scheinen die USA mit der
       > verbliebenen Führungsriege arbeiten zu wollen. Das mächtige Militär hält
       > still.
       
 (IMG) Bild: Sie beließen die USA im Amt: Innenminister Diosdado Cabello (l.) und Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez
       
       Nach der Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro in der Nacht
       zu Samstag durch US-Spezialtruppen ist es weiter ruhig im Land. Auch
       nachdem am Sonntag bereits Interimspräsidentin Delcy Rodríguez die
       Regierungsgeschäfte übernommen hatte, wiederholte sich, was Menschen im
       Land der taz am Samstag berichteten: Ruhe und Leere auf den Straßen, dazu
       Schlangen vor Supermärkten und Tankstellen, um sich für die trotz der Ruhe
       als ungewiss empfundene Zukunft zu wappnen.
       
       Viele Fragen sind offen. Darunter: Werden die kriminellen Gruppen, die
       teils auf Seiten der Regierung stehen, die Situation ausnutzen? Wird sich
       die Sicherheitslage verschlechtern?
       
       Es gibt zwar durchaus Bilder von großen Protesten gegen die Festnahme
       Maduros, doch die sind nach taz-Informationen mit Vorsicht zu genießen.
       Kleine Gruppen von Regimeanhängern protestierten demnach vereinzelt gegen
       den US-Angriff, die breite Masse blieb aber zu Hause. Für die meisten geht
       es weiter ums blanke Überleben mitten in der Wirtschaftskrise. Zudem dürfte
       auch die Angst vor weiteren US-Schlägen, die Präsident Donald Trump am
       Samstag explizit nicht ausschloss, eine Rolle spielen.
       
       Fest steht allerdings auch: So detailliert vorbereitet der Militäreinsatz
       war, um Samstagnacht Präsident Maduro und seine Frau Cilia Flores außer
       Landes zu schaffen, so vage ist die US-Strategie für das Danach.
       
       ## Die Männer hinter Trump
       
       Bei seiner Pressekonferenz am Samstag hatte Trump angekündigt, dass die USA
       das Land auf unbestimmte Zeit regieren würden. Konkret meinte er damit die
       Männer, die hinter ihm standen: Er deutete bei dem Presse-Briefing in
       seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida dabei auf Verteidigungsminister Pete
       Hegseth und Außenminister Marco Rubio.
       
       Die USA haben Venezuela weder offiziell den Krieg erklärt, noch holte Trump
       die Zustimmung des Kongresses für die Operation ein. Er informierte ihn
       nicht einmal vorab, aus Angst vor „undichten Stellen“, wie er sagte. Was
       das innenpolitisch für ein Nachspiel hat, ist unklar – und ebenfalls die
       Folgen für die Venezuela-Politik der USA. Einen künftigen Einsatz von
       Bodentruppen schloss Trump am Samstag wieder einmal nicht aus.
       
       Dass Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina
       Machado, deren Aufenthaltsort derzeit nicht klar ist, eine Rolle beim
       Übergang spielen wird, verneinte Trump am Samstag explizit: „Sie hat nicht
       die Unterstützung oder den Respekt im Land.“
       
       Machado hatte vor Trumps Pressekonferenz in einer Erklärung den Angriff
       begrüßt als „die Ankunft der Stunde der Freiheit“ und Trump zuvor einen
       Alliierten genannt. Der im [1][Juli 2024 gewählte Präsident Edmundo
       Gonzalez müsse jetzt die Macht übernehmen], forderte sie. Machado hat
       Trumps deutliche Absage bisher nicht kommentiert.
       
       Stattdessen deutete Trump in Mar-a-Lago an, dass die USA beim Übergang mit
       der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zusammenarbeiten
       würden. „Sie ist prinzipiell bereit zu tun, was wir für notwendig halten,
       um Venezuela wieder großartig zu machen.“
       
       Doch Delcy Rodríguez machte Trump schon wenige Stunden nach der
       Pressekonferenz einen Strich durch die Rechnung. „Es gibt nur einen
       Präsidenten in diesem Land, und er heißt Nicolás Maduro Moros“, sagte
       Rodríguez umgeben von Ministern und Militärs bei einer Sitzung des
       Nationalen Verteidigungsrates, die im Fernsehen übertragen wurde. Sie
       forderte die „sofortige Freilassung“ Maduros und seiner Frau Cilia Flores.
       Sie betonte, die Regierung sei bereit, Venezuela und die natürlichen
       Ressourcen des Landes zu verteidigen. Rodríguez spielte damit
       unmissverständlich auf die Erdölressourcen Venezuelas an, die Trump
       ankündigt, nutzen zu wollen.
       
       ## „Geordneter Übergang“
       
       Verfassungsgemäß hat das Oberste Gericht Rodríguez am Samstagabend zur
       kommissarischen Präsidentin erklärt. Damit solle die Kontinuität der
       Verwaltung und Verteidigung des Landes gewährleistet werden.
       „Kommissarisch“ ist ein wichtiges Wort: Wäre Maduro für dauerhaft abwesend
       erklärt worden, müssten binnen 30 Tagen Neuwahlen erfolgen. Das ist wohl
       das, was am ehesten als ein „geordneter Übergang“ gelten könnte. Auch Trump
       hatte von einem solchen „geordneten Übergang“ gesprochen, bis dahin wolle
       man das Land „regieren“ – von Neuwahlen sprach er allerdings explizit
       nicht.
       
       Zudem gibt es zwei Dinge zu bedenken: Erstens hat das venezolanische Regime
       in der Vergangenheit Gesetze und Verfassung nach Gusto ausgelegt und
       gestaltet. Zweitens hat Maduro vor seiner Gefangennahme noch den nationalen
       Notstand ausgerufen. Das könnte Rodriguez eine unbegrenzte Amtszeit
       sichern.
       
       Faktisch sieht es aktuell danach aus, dass das System unter anderer Führung
       weitermachen wird. Die alte chavistische Führungsriege – darunter
       Generalstaatsanwalt Tarek William Saab, Innenminister Diosdado Cabello und
       Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez – ist weiter im Amt. Der
       Chavismus hat nach über 25 Jahren Herrschaft den Staat komplett
       durchdrungen. Die Gewaltentrennung ist aufgehoben, auch die Wirtschaft
       großteils in Hand der Regierung und ihrer Getreuen. Die staatliche
       Ölindustrie ist die größte Einnahmequelle des Landes.
       
       ## Machtfaktor Militär
       
       Ein entscheidender Faktor für den Machterhalt der Maduro-Regierung ist das
       Militär. Parallel dazu existieren Milizen, die stark in den Gemeinden
       verwurzelt sind. Maduro hat es stets geschafft, Militär und sozialistische
       Regierungspartei zusammenzuhalten und zufriedenzustellen. Militärs haben
       wichtige Unternehmensposten inne, zum Beispiel bei Häfen und in
       Bergbaufirmen – also auf Posten, die für kriminelle Geschäfte maßgeblich
       sind.
       
       Nach Expertenansicht konnte die US-Attacke allerdings nur mit Unterstützung
       aus Venezuela erfolgen. Fragt sich, ob diese aus Regierungskreisen kam, aus
       Militärzirkeln oder von beiden Seiten – und sei es nur durch unterlassenen
       Widerstand. Auffällig auch: [2][Verteidigungsminister Vladimir Padrino
       steht weiter treu an der Seite Maduros].
       
       Bislang halten die obersten Militärs jedenfalls still. Der Mittelbau soll
       zwar unzufrieden sein. Die Frage ist aber, ob sich dessen Zustimmung zum
       Sturz Maduros erkaufen lässt. Der Militärapparat ist im Vergleich zur
       Bevölkerungsgröße gigantisch – es ist also ein Machtfaktor, der sich nicht
       ignorieren lässt.
       
       4 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/voceriavzla/status/2007480373626736837?s=20
 (DIR) [2] https://cnnespanol.cnn.com/2026/01/03/venezuela/quien-es-vladimir-padrino-lopez-orix).
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Wojczenko
       
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