# taz.de -- Umstrittene Silvesterknallerei: Millionen Unterschriften für Böllerverbot
       
       > Der Druck auf die Politik in Sachen Böllerei wächst: Mehrere Millionen
       > Menschen unterzeichnen zwei große Petitionen für ein bundesweites Verbot.
       
 (IMG) Bild: Böller ciao: Hinterlassenschaften einer Silvesternacht
       
       KNA/dpa/taz | Mehr als drei Millionen Menschen haben eine [1][Petition der
       Gewerkschaft der Polizei (GdP)] Berlin für ein bundesweites Böllerverbot an
       Silvester unterschrieben. Das teilten die Initiatoren am Freitag mit.
       Allein in den vergangenen Tagen seien über 700.000 Unterstützer
       hinzugekommen. „Die Politik sollte zeigen, dass sie die Stimmen ernst
       nimmt“, sagte GdP-Landeschef Stephan Weh.
       
       Am Montag will die Deutsche Umwelthilfe zusammen mit anderen
       Organisationen, darunter das Deutsche Kinderhilfswerk, die
       Bundesärztekammer, mehrere Tierschutzorganisationen und auch die GdP,
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin [2][eine ähnlich
       gelagerte Petition] überreichen. Diese haben bislang rund 975.000 Menschen
       unterschrieben. Angesichts von Todesfällen und Tausenden teils schweren
       Verletzungen am Jahreswechsel fordern die Initiatoren, den privaten Kauf
       und Gebrauch von Pyrotechnik zu Silvester dauerhaft zu verbieten.
       
       In Deutschland hatte es auch dieses Mal erneut [3][eine unruhige
       Silvesternacht gegeben]. Es gab bundesweit unzählige zum Teil schwer
       verletzte Menschen. In Bielefeld starben zwei 18-Jährige. Sie hatten
       unabhängig voneinander selbstgebaute Pyrotechnik gezündet, wodurch sie
       tödliche Gesichtsverletzungen erlitten.
       
       In Berlin sprach die Polizei am Donnerstag zudem von „teils erheblichen
       Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte, insbesondere durch das
       Beschießen oder Bewerfen mit pyrotechnischen Gegenständen“. Auch andernorts
       gab es solche Vorfälle. Zudem musste die Feuerwehr wegen zahlreicher Brände
       ausrücken, die meist durch Pyrotechnik verursacht wurden.
       
       ## Öffnungsklausel für kommunale Böllerverbote?
       
       Brandenburgs Innenminister René Wilke bringt erlaubte Böllerzonen als
       Alternative zu einem Böllerverbot ins Gespräch. So „könnte besser
       kontrolliert werden, was eingesetzt wird“, schrieb der SPD-Politiker auf
       Instagram. Konkret schlug Wilke eine Kontrolle der verwendeten Pyrotechnik
       an weniger belebten Stellen für eine begrenzte Zeit vor. „So würden nicht
       derart viele Menschen (und Tiere) in Mitleidenschaft gezogen werden für den
       Willen einiger.“
       
       Die Innenminister von Bund und Ländern waren sich bei einem Treffen im
       Dezember in Bremen nicht einig [4][über ein Böllerverbot]. Wilke warb für
       seinen Vorschlag, da ein Komplettausstieg von einem Jahr auf das nächste
       „wohl weder umsetzbar noch kontrollierbar wäre“. In Brandenburg wurden laut
       seinen Angaben in der jüngsten Silvesternacht 21 Menschen durch Pyrotechnik
       verletzt.
       
       Bundesinnenminister Dobrindt begegnet Forderungen auch von Städten und
       Gemeinden nach mehr Spielräumen für Böllerverbote bislang zurückhaltend.
       Kritik daran kommt von den Grünen und der Linkspartei. Grünen-Fraktionsvize
       Konstantin von Notz bezeichnete die Untätigkeit von CSU-Mann Dobrindt als
       „vollkommen unverständlich“ und warf dem Minister vor, sich „weggeduckt“ zu
       haben. „Böller sind eine Gefahr gerade für Jugendliche, aber auch für
       Umwelt und Tiere“, drang auch die Linken-Fraktionsvize Clara Bünger auf ein
       Verbot.
       
       „Dobrindt muss handeln“, verlangte auch Christoph Bautz, Geschäftsführer
       des Netzwerks Campact. Schließlich protestierten seit Jahren
       Hunderttausende für ein Böllerverbot, laut Umfragen wünsche sich die
       Mehrheit der Menschen in der Bundesrepublik ein Ende der gefährlichen
       Knallerei.
       
       „Städte und Gemeinden müssen per Öffnungsklausel im Sprengstoffrecht die
       Freiheit erhalten, Böller zu untersagen“, forderte er. Einen entsprechenden
       [5][Appell, den Campact] an diesem Freitag veröffentlicht hat, haben
       inzwischen ebenfalls bereits mehrere Zehntausend Menschen unterschrieben.
       Bautz geht davon aus, dass eine solche rechtliche Öffnungsklausel eine
       Welle auslösen würde: Führten erste Städte böllerfreie Silvester ein,
       würden andere folgen.
       
       2 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://innn.it/boellerverbot
 (DIR) [2] https://mitmachen.duh.de/boellerfreies-silvester/
 (DIR) [3] /Bilanz-nach-Silvester/!6142060
 (DIR) [4] /Schaeden-durch-Silvesterboeller/!6141558
 (DIR) [5] https://aktion.campact.de/boellerverbot-petition/jetzt/teilnehmen-2
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Böllerverbot
 (DIR) Pyrotechnik
 (DIR) Silvester
 (DIR) Konstantin von Notz
 (DIR) Alexander Dobrindt
 (DIR) Deutsche Umwelthilfe
 (DIR) Campact
 (DIR) GNS
 (DIR) Böllerverbot
 (DIR) Böller
 (DIR) Silvesterknallerei
 (DIR) Silvester
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Große Spendenbereitschaft in Potsdam: Kind verliert Hand, vermutlich durch Kugelbombe
       
       Ein Kind findet an Neujahr einen Gegenstand und zündet ihn an. Nach einer
       Explosion wird es schwerst verletzt. Sein Sportverein ruft zu Spenden auf.
       
 (DIR) Bilanz nach Silvester: Tote und amputierte Hände zum Jahreswechsel
       
       Zwei 18-Jährige starben in Bielefeld durch selbstgebaute Pyrotechnik. An
       anderen Orten in Deutschland verloren Menschen ihr Leben in Bränden.
       
 (DIR) Schäden durch Silvesterböller: Schluss mit der privaten Knallerei
       
       In den Niederlanden wird unkontrolliertes individuelles Böllern 2026
       verboten. Diesen Weg sollte Deutschland auch gehen.
       
 (DIR) Illegales Feuerwerk an Silvester: Was Kugelbomben so gefährlich macht
       
       Wer mit Kugelbomben hantiert, kann für diesen vermeintlichen Spaß sogar
       sterben. Warum nur Profis diese Art von Pyrotechnik zünden sollten.