# taz.de -- Queerfeindliche Gewalt: Pfefferspray und Schläge
       
       > Der Überfall auf Quaang Paasch in Neukölln war brutal. Doch die
       > selbsternannten Alphas kriegen uns nicht klein.
       
 (IMG) Bild: Auch das ist Neukölln: Regenbogenfahne in Neukölln
       
       Bin ich an diesem Ort sicher? Das frage ich mich immer öfter. In Cafés und
       Bars oder wenn ich mit dem Zug in eine andere Stadt fahre. Meistens habe
       ich Wechselkleidung dabei, große, lange Hoodies, die meinen Körper
       verschwinden lassen. Wenn es darauf ankommt, möchte ich nicht auf den
       ersten Blick als queere Person erkennbar sein.
       
       In Berlin ist der queere Influencer Quang Paasch mit Pfefferspray
       angegriffen und zusammengeschlagen worden. Das Ergebnis: ein
       Schädel-Hirn-Trauma und schwere Prellungen. Er hatte sich auf ein Date
       verabredet und wurde am Treffpunkt von einer Gruppe Männer überfallen, die
       den Angriff auf ihn wohl geplant hatten. Als ich [1][das Video] sah, in dem
       Paasch von dem Angriff erzählt, war ich schockiert. Ich bin selbst oft in
       Neukölln unterwegs. Hätte das auch mir passieren können?
       
       Wie oft wurdest du schon zusammengeschlagen? Das fragen
       Journalist*innen mich regelmäßig. Die Videos zu meinen Songs drehe ich
       schließlich oft an öffentlichen Orten. Die Antwort ist: noch kein Mal. Aber
       es war manchmal mehr als knapp. Bei einem Fotoshooting am Alexanderplatz
       verfolgte mich ein Mann bis in den Aufzug und wollte mich schlagen. In der
       U-Bahn in Frankfurt zeigten mir zwei Jugendliche symbolisch eine
       durchgeschnittene Kehle mit der Hand. Als ich mit einer Freundin im Bauhaus
       in Mainz war, spuckte mir ein Mitarbeiter ins Gesicht.
       
       Der [2][Hass auf queere Menschen], gerade die, die in sozialen Medien
       präsent sind, hat zugenommen. Fast jede Woche werde ich in
       Direktnachrichten bedroht. Im Oktober schrieb mir ein Nutzer sehr
       detailreich, wie er mich erst vergewaltigen und anschließend mein Gesicht
       entstellen werde. Wahrscheinlich wollte er mich einschüchtern.
       
       Wenn wir [3][queere Menschen] uns aus Angst kleinmachen, haben diese Typen
       gewonnen. Und ja, es sind wirklich immer Männer. Hass und Gewalt gegenüber
       queeren Menschen ist Ausdruck einer toxischen Männlichkeit, die trotz allen
       feministischen Diskursen den Mainstream erobert. Selbsternannte „Alphas“
       erklären, dass Feministinnen und Queers schuld seien an Einsamkeit und
       anderen Problemen, die viele junge Männer haben. In diesem Umfeld wächst
       der Hass, der Quang Paasch nun in Form von physischer Gewalt getroffen hat.
       
       Derzeit versagen wir dabei, marginalisierte Menschen zu schützen. Sowohl
       auf der Straße als auch im Internet. Ich will keinen übergriffigen Staat,
       der die kleinsten Onlineäußerungen verfolgt. Aber gerade ist [4][Social
       Media] ein Raum, in dem a) Hass durch Algorithmen belohnt wird und b) die
       Verfolgung von Drohungen und grenzüberschreitenden Inhalten kaum möglich
       ist. Das muss sich ändern. Es kann nicht sein, dass Opfer von digitaler
       Gewalt sich fadenscheinige Begründungen von Polizei und Staatsanwaltschaft
       anhören müssen, wieso Straftaten nicht verfolgt werden können.
       
       Gleichzeitig werden Plattformen kaum in Haftung genommen, wenn sie
       rechtswidrige Inhalte weiterverbreiten und damit auch kommerziell von ihnen
       profitieren. Damit signalisieren sie Männern, dass sie queere Menschen
       straflos bedrohen können. Aber den Plattformen allein die Schuld zu geben,
       greift zu kurz. Denn heute wie vor hundert Jahren verbreitet sich Gewalt
       weiter, weil Menschen es geschehen lassen. Fast immer profitieren die Täter
       davon, dass genug Menschen wegsehen.
       
       Ich hoffe, dass Quang sich von dem Angriff, der nicht nur ihm, sondern
       allen queeren Menschen galt, nicht einschüchtern lässt. Dass wir als Queers
       trotz Rechtsruck sichtbar bleiben. Die Kraft dafür müssen wir uns
       gegenseitig geben.
       
       22 Jan 2026
       
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