# taz.de -- Kapitalismus und Abonnements: Willkommen in der Subscription Economy
> Was als kostenloses KI-Tool angepriesen wird, endet schnell in der
> Abo-Falle. Dabei sollten diese Tools öffentlich zugänglich sein.
(IMG) Bild: Alles wird zum Abo. Egal, ob Software, Musik, Filme, ja sogar Essen
Die Aufgabe ist eigentlich perfekt für künstliche Intelligenz. Ich möchte
das Cover meines letzten Albums „outpainten“, sprich: ein hochformatiges
Bild so ausweiten, dass es breiter wird. Ich suche also nach einem KI-Tool,
das das für mich erledigt. Im Internet finde ich nicht nur eines, sondern
Dutzende.
Wunderbar, denke ich. „Free“ sind sie auch noch. Ich muss im
Schlaraffenland sein. Kaum habe ich das Foto hochgeladen, ändert sich der
Ton der Anwendung. Plötzlich soll ich ein Abo abschließen. Für 49,99 Euro
im Monat.
Alles wird zum Abo. Egal, ob Software, Musik, Filme, ja sogar Essen. In den
sozialen Medien werben immer mehr Start-ups mit Tiefkühlgerichten, die sie
nach Hause liefern. Vier von fünf dieser Angebote gibt es gar nicht als
Einzelbestellung, sondern nur als Abo.
Das Geschäftsmodell dahinter basiert darauf, dass Menschen aus
Unachtsamkeit ein Abo abschließen und dann vergessen, es rechtzeitig zu
kündigen. Moderne Drucker von HP hören nach sechs Monaten teilweise auf zu
drucken, wenn man kein Abo hat. Und auch um in manchen neueren Autos das
gesamte Infotainment und die Sitzheizung zu nutzen, soll man ein Abo
abschließen. Es ist Wahnsinn.
Der Gipfel der Abo-Kultur, auch „Subscription Economy“ genannt, sind Abos
für minimale Dienstleistungen wie meine Fotobearbeitung. Im Fall von
künstlicher Intelligenz sind die Anbieter nicht einmal innovativ. Sie
verwenden alle dieselben Open-Source-Modelle und speichern ihre Daten in
der Cloud der [1][Amazon Web Services]. Das heißt: Die von mir verlangten
49,99 Euro landen zum Teil auf der Jacht von Jeff Bezos.
## Ein Abo, um einmalig ein Foto zu bearbeiten?
Versteht mich nicht falsch. Grundsätzlich bin ich natürlich bereit, für
Dienstleistungen Geld auszugeben. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein
Konsum eine gewisse Regelmäßigkeit annimmt, dann schließe ich auch gern ein
Abo ab. So wie zum Beispiel für den [2][öffentlichen Nahverkehr]. Aber ein
Abo, um einmalig ein Foto zu bearbeiten? Nein, danke.
Man muss kein Kapitalismus-Pessimist sein, um zu konstatieren: Das ist
alles großer Bullshit. Wo könnte unsere Gesellschaft stehen, wenn wir die
Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in sinnvolle Geschäftsmodelle
überführen würden? Doch der gegenwärtige Kapitalismus scheint dazu nicht in
der Lage zu sein. Denn das, was er auf dem Softwaremarkt anbietet, bietet
keinen realen Mehrwert für irgendjemanden.
Doch nur zu schimpfen bringt auch niemanden weiter. Ich bin dafür,
wesentliche und grundlegende KI-Fähigkeiten durch [3][den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk] bereitzustellen. Dazu zählen
beispielsweise die Sprachverarbeitung, das Lernen aus Daten oder die
Mustererkennung.
Es hilft vielen Menschen weiter, wenn sie nicht Unmengen an Text lesen
müssen, nur um eine einzelne Stelle in einem aufgeblähten Dokument zu
finden. Wenn dafür der Rundfunkbeitrag erhöht werden muss, zahle ich diesen
auch gern.
Was wäre da allein mit 5 Euro mehr pro Monat möglich? Der Witz ist ja, dass
die 49,99 Euro, die ich zahlen sollte, überhaupt nicht dem Wert der
Dienstleistung entsprechen. Ich wünsche mir, dass all diese Tools, deren
Geschäftsmodell auf versehentlich abgeschlossenen Abonnements beruht, aus
dem Internet verschwinden.
Man soll ja mit Crashprognosen aufpassen. Aber für den Fall, dass die
KI-Bubble implodiert, habe ich mir einen Sekt kaltgestellt.
16 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Der-Clash-der-Internet-Riesen/!5143263
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(DIR) [3] /Oeffentlich-Rechtlicher-Rundfunk/!6121927
## AUTOREN
(DIR) Elya Maurice Conrad
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