# taz.de -- Nach den Wahlen in Guinea: „Alle wussten, dass Doumbouya gewinnt“
       
       > Guineas Militärputschist Doumbouya ist jetzt Guineas gewählter Präsident.
       > Die Menschen in der Hauptstadt hatten mit nichts anderem gerechnet.
       
 (IMG) Bild: Am Wahltag geht Guineas Militärherrscher Doumbouya kein Risiko ein: Präsidialgarde sichert seinen Wagen auf dem Weg zum Wahllokal
       
       afp | Bis Mittwochvormittag wusste Fatou Barry nicht, dass Guineas
       Juntachef Mamadi Doumbouya die Wahlen gewonnen hat. „Ich habe geschlafen,
       ich habe nichts mitbekommen“, sagt die 32-jährige Hauptstadtbewohnerin,
       während sie unter ihrem blühenden Mangobaum in Coronthie, einem Kiez m
       zentralen Viertel Kaloum von Guineas Hauptstadt Conakry, ihr Telefon
       konsultiert. Am Dienstagabend hatte Guineas Wahlbehörde DGE (Direction
       générale des élections) Doumbouya zum Sieger der Präsidentschaftswahl vom
       28. Dezember mit 86,72 Prozent der Stimmen erklärt.
       
       Doumbouya hatte am 5. September 2021 Guineas gewählten Präsidenten Alpha
       Condé gestürzt. Damals war er noch Oberst, später beförderte er sich selbst
       zum General und versprach, bei Neuwahlen werde er nicht antreten. Nun hat
       er gegen acht wenig bekannte Gegner gewonnen – keiner der wichtigen
       Oppositionellen in Guinea war zur Wahl zugelassen.
       
       Die Behörden geben die Wahlbeteiligung mit 80,95 Prozent an, aber auf die
       Siegesverkündung folgte keine Siegesfeier. Ein Video in sozialen Medien
       zeigt lediglich ein Dutzend Jugendliche, die in der Nähe der Innenstadt
       feiern. „Doumbouyas Anhänger sind nicht auf die Straße gegangen, weil sie
       selber wissen, dass sie nicht gewonnen haben“, behauptet ein 65-jähriger,
       der seinen Namen nicht nennt, aus Sicherheitsgründen, wie er sagt.
       
       „Alle wussten, dass Doumbouya gewinnt“, sagt hingegen Markthändlerin
       Mabinta Sylla. Auch sie erfährt aber erst vom Journalisten, dass der Sieg
       feststeht. Etwas weiter weg sagen fünf von sieben befragten Jugendlichen,
       sie hätten die Siegeserklärung nicht mitbekommen. Einer erklärt, dass die
       Wahl ihn „nicht interessiert“, denn „wir gewinnen ja nicht“.
       
       Egal wo man fragt – kein Mensch scheint das Wahlergebnis zu kennen, wenn
       man die Leute darauf anspricht. Niemand will sich mit dem richtigen Namen
       zitieren lassen. Auch nicht die Straßenhändlerin, die sich Foulématou
       Camara nennt und im Viertel Coléah Imprimerie ihre Mini-Plastiktüten mit
       Mayonnaise zum Verkauf vorbereitet. „Ich wusste davon nichts, ich war in
       den letzten Tagen nicht online, weil das Netz schlecht ist“, sagt sie. „Ich
       benutze meistens Facebook“. Da soll es Sperren gegeben haben, sagen Nutzer,
       obwohl dies offiziell nicht bestätigt wird.
       
       Neben Foulématou grunzt ein rund 30 Jahre alter Mann: „Ich kann dazu nichts
       sagen, ich bin Militär“. Aber er hat immerhin am Abend die
       Ergebnisverkündung verfolgt, sagt er.
       
       Erst im Vorort Belleville, vor einer hübschen Villa mit einem Blumengarten,
       freut sich endlich jemand über Doumbouyas Sieg. „Glückwünsch!“, sagt die
       Gemüseverkäuferin vor der Villa, eine 64-jährige Witwe, und reiht Tomaten
       und Kohlköpfe auf ihrem Stand auf. Sie sagt, sie heißt Aminata Doumbouya,
       und sie unterstützt Präsident Doumbouya. „Ein Verwandter“, behauptet sie.
       
       1 Jan 2026
       
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