# taz.de -- US-Medien: Zensiert – blamiert
       
       > Das Nachrichtenmagazin CBS kippt die Ausstrahlung eines TV-Beitrags. Der
       > legt Misshandlungen von abgeschobenen Geflüchteten nach El Salvador
       > offen.
       
 (IMG) Bild: TV-Chefin ohne TV-Erfahrung: Bari Weiss
       
       Selten hat sich Zensur so auf offener Bühne beobachten lassen wie im Fall
       des TV-Beitrags über das salvadorianische [1][Foltergefängnis CECOT], der
       von der CBS-Nachrichtenchefin Bari Weiss drei Stunden vor der Ausstrahlung
       des etablierten investigativen Magazins gekippt wurde. Ihre Begründung, der
       Beitrag sei journalistisch mangelhaft, erweist sich als vorgeschoben.
       
       [2][Der knapp 14-minütige Film] enthält schockierende Szenen und
       Zeugenaussagen von venezolanischen Migranten, die im März durch die
       Trump-Regierung verhaftet und nach El Salvador ausgeflogen worden waren.
       Man hatte sie entkleidet, kahl geschoren, brutal misshandelt und kaum
       bekleidet in Sammelzellen eingesperrt, wo sie wie Pakete auf Stahlregalen
       kauern mussten.
       
       Der Beitrag war nicht mangelhaft, sondern hatte bei CBS bereits alle
       redaktionellen und juristischen Überprüfungen bestanden. Er ist ein
       drastisches Dokument, wie weit die derzeitige US-Regierung in ihrem Kampf
       gegen Migranten Menschenrechte verletzt. Er widerlegt auch die Behauptung
       von Trumps Sprecherin, nur übelste Kriminelle seien nach El Salvador
       gebracht worden. Vielmehr waren die Hälfte der Verhafteten bislang nicht
       mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.
       
       CBS, das aus ökonomischen Gründen auf das Wohlwollen der Trump-Regierung
       angewiesen ist, hat sich mit seiner Zensur gründlich blamiert. Denn Bari
       Weiss verfügte die Sperrung des Beitrags erst, nachdem er schon an den
       kanadischen Partnersender Global TV überspielt und auf dessen Webseite
       veröffentlicht worden war. Von dort fand er rasch seinen Weg in die
       sozialen Medien und war für CBS nicht mehr einzufangen.
       
       Bari Weiss hatte keine Erfahrungen im TV-Journalismus, als sie vor drei
       Monaten [3][an die Spitze von CBS-News katapultiert] worden war. Sie hatte
       sich aber einen Namen als streitbare Autorin und Kritikerin vermeintlicher
       Zensur an Universitäten oder in sozialen Netzwerken wie Twitter gemacht.
       Jetzt hat sie gezeigt, dass sie selbst nicht vor Zensur zurückschreckt,
       wenn diese politisch opportun ist.
       
       29 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.hrw.org/report/2025/11/12/you-have-arrived-in-hell/torture-and-other-abuses-against-venezuelans-in-el
 (DIR) [2] https://x.com/imatweet25/status/2003314621055160717
 (DIR) [3] /Bari-Weiss-ist-Chefredakteurin-bei-CBS/!6115416
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Schaaf
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Migration
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Venezuela
 (DIR) Film
 (DIR) US-Politik
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) El Salvador
 (DIR) El Salvador
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Medien in den USA: Kritischer CBS-Bericht aus politischen Gründen gestoppt
       
       Der US-Sender CBS steht wegen des Rückzugs eines Berichts in der Kritik.
       Der Beitrag wurde wegen einer „politischen Entscheidung“ aus dem Programm
       genommen.
       
 (DIR) Menschenrechtler aus El Savador: „Viele fallen auf die Propaganda herein“
       
       Mit dem Instrument des Ausnahmezustandes höhlt El Salvadors Präsident
       Bukele die Demokratie immer weiter aus, warnt Menschenrechtler Samuel
       Rámirez.
       
 (DIR) Sprachpolitik bei der „New York Times“: Seismograf der Welt-Öffentlichkeit
       
       Die „New York Times“ streitet über Rassismus und Sprachpolitik,
       Mitarbeiter*innen kündigen. Warum interessiert das die Welt?