# taz.de -- Desaster der Krankenkassen: Versprechen gebrochen
       
       > Vor kurzem hieß es: Krankenkassenbeiträge bleiben stabil – jetzt steigen
       > sie. Eine solche Fehlkommunikation fördert Misstrauen gegenüber Politik.
       
 (IMG) Bild: Ich weiß es doch auch nicht – Nina Warken versagt als Gesundheitsministerin
       
       Wer das Gesundheitsministerium führt, muss nicht nur übermäßig klug und mit
       dem Gesundheitssystem bestens vertraut sein, sie oder er muss auch
       drahtseilstarke Nerven haben. Denn kaum ein Ressort ist so kompliziert wie
       jenes, das sich um die sensibelsten Belange der Bevölkerung kümmert. Die
       Leitung des Hauses steht immer in der Kritik – egal, was sie sagt,
       verändert, reformiert. Jetzt ist Nina Warken dran. Noch vor kurzem sagte
       sie zu, dass die Krankenkassenbeiträge nicht steigen werden. Kaum
       ausgesprochen, ist das Versprechen gebrochen: [1][Viele Krankenkassen
       erhöhen ihre Beiträge zum Jahresanfang].
       
       Wer Vertrauen in politisches Handeln verspielen will, macht es genau so.
       Und schiebt nebenbei den schwarzen Peter auch noch „den anderen“ zu, in
       diesem Fall den Krankenkassen. Man kann Krankenkassen alles Mögliche
       vorwerfen – beispielsweise medizinische Qualitätsminderung durch Sparen an
       der falschen Stelle, Verweigerung nötiger Leistungen und gleichzeitig
       Zusagen für unnötige Leistungen –, aber dadurch werden die Finanzprobleme
       der Krankenkassen auch nicht gelöst. Es braucht tatsächlich eine Reform,
       die umfassender ist. Die Eine-Million-Dollar-Frage ist nur: Wie kann die
       aussehen?
       
       Ministerin Warken hat darauf bislang keine Antwort gegeben. Nun könnte man
       dafür schon mal [2][in die nordischen Länder] schauen, so gilt die
       Gesundheitsfürsorge in Norwegen als vorbildhaft: Der Staat organisiert die
       Versorgung, geringe Selbstbeteiligung bei Medikamenten, Überweisung vom
       Hausarzt zum Spezialisten, [3][geringe Wartezeiten] in der Notaufnahme.
       
       Das klingt zu gut – und die Wahrheit dahinter ist eben auch: Das Land ist
       klein und die Menschen gehen dort seltener zum Arzt. Vielleicht liegt das
       Geheimnis für die geringere Anzahl der Arztbesuche – eine Möglichkeit,
       Gesundheitskosten zu reduzieren – schlicht im Verständnis der Menschen
       dort, dass nicht jeder Schnupfen medizinisch abgeklärt werden muss – und
       vor allem daran, wie das kommuniziert wird. Aber dazu muss man
       Kommunikationsprofi sein, erst recht als Ministerin im kompliziertesten
       Ressort.
       
       28 Dec 2025
       
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 (DIR) Simone Schmollack
       
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