# taz.de -- Nabu-Referent zur Stunde der Wintervögel: „Seidenschwänze wären toll“
> Jedes Jahr ruft der Nabu dazu auf, eine Stunde lang Vögel zu zählen. In
> Bremen wartet der Vogelschutzreferent auf interessante Wintergäste.
(IMG) Bild: Schafft eine Verbindung zur Natur: Vogelzählung
taz: Herr Scheiba, gibt es eine Art, auf die Sie selbst [1][besonders
gespannt] sind?
Florian Scheiba: Seidenschwänze habe ich noch nicht gesehen. Die ziehen in
manchen Jahren invasionsartig aus ihren Brutgebieten im Norden
Skandinaviens und Russlands im Winter zu uns, abhängig von Nahrungsangebot
und Witterung.
taz: Auch nach Bremen?
Scheiba: Ja, sie fliegen von Osten ein und kommen dann durchaus nach
Norddeutschland. In Berlin ist schon einiges los, es kann gut sein, dass
die Seidenschwänze weiterziehen.
taz: Woher wissen Sie das?
Scheiba: Es gibt [2][ein Onlineportal], bei dem man diese Daten abrufen
kann.
taz: Erwarten Sie Überraschungen?
Scheiba: Man kann das nie voraussagen, weil man ja vorher nie weiß,
[3][wann und wo gezählt wird.] Letztes Jahr war zum Beispiel die Graugans
unter den ersten fünf – die Bedingungen waren gut für Vogelzug, nehme ich
an. Man kann ja auch das zählen, was einem über den Kopf fliegt.
taz: Wo zählen Sie?
Scheiba: Zu Hause an der Futterstelle im Garten, das ist aber im Landkreis
Ganderkesee. Da kann es den einen oder anderen Erlenzeisig geben.
taz: Gibt es Unterschiede zwischen den Stadtteilen?
Scheiba: Das lässt sich leider nicht auswerten, dafür wären auch die
Datenmengen zu klein. In Parks oder am Waldrand wird es andere Arten geben
als mitten in der Stadt, zum Beispiel Kleiber, Waldbaumläufer, Eichelhäher.
taz: Ich habe zweimal an der Weser einen Eisvogel gesehen, danach leider
nie wieder …
Scheiba: Ja, die kann man in Bremen ab und zu beobachten, im Winter gut an
Gewässern, die nicht zufrieren, zum Beispiel am Torfkanal.
taz: Lassen sich die Daten aus der Wintervogelzählung auch wissenschaftlich
nutzen oder geht es in erster Linie darum, die Leute für Vögel zu
begeistern?
Scheiba: Es gibt bessere Daten. Es geht vor allem darum, Menschen in
Kontakt mit der Natur zu bringen. Dazu eignet sich die Vogelbeobachtung
besonders, finde ich, weil das relativ leicht ist, die sind überall zu
finden. Ich persönlich komme dabei auch gut runter, gerade nach den
Feiertagen.
taz: Wie viele Menschen beteiligen sich in Bremen?
Scheiba: Es sind zwischen 500 und 800 Personen. Während der Pandemie waren
es 1.000 bis 1.400.
taz: Und wissen Sie, wer das vor allem macht?
Scheiba: Nein, ich nehme an, dass es auch eher diejenigen sind, die zu
unseren Führungen kommen, also Menschen im Alter 50plus.
taz: Die ab diesem Jahr alle erstmals online melden müssen und nicht mehr
per Telefon oder Post.
Scheiba: Ja, aber das wird dauern, bis sich das herumgesprochen hat, und
wir werden die vereinzelten Einsendungen per Post dann nachtragen.
taz: Gab es mal Meldungen, die Ihnen unglaubwürdig vorkamen?
Scheiba: Nee, da kann ich mich nicht dran erinnern, es ist in der Vogelwelt
auch wenig ausgeschlossen.
taz: Ich habe mal einen Uhu am Bahnhof Altona in Hamburg gesehen.
Scheiba: Solche Überraschungen gibt es immer wieder mal. Es können auch
immer Exemplare aus Gefangenschaft irgendwo auftauchen.
taz: Und was war Ihr persönliches Highlight? Über welche Art haben Sie sich
am meisten gefreut, unabhängig von der Zählung?
Scheiba: Wahrscheinlich über die [4][Wanderfalken]. Das ist etwa zehn Jahre
her. Das ist der schnellste Vogel der Welt und war 1971 der erste Vogel des
Jahres, den der Nabu ausgerufen hat, weil er damals stark gefährdet war.
Mittlerweile haben sich viele Populationen erholt.
taz: Und es gibt ihn in Bremen?
Scheiba: Ja, es gibt in der Stadt fünf bis sechs Brutplätze, die wir
betreuen, viel mehr Platz wäre hier auch gar nicht.
taz: Wo sind die Plätze?
Scheiba: Es hängen Kästen [5][unter anderem am Fallturm an der Universität]
oder am Funkturm in Walle.
8 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
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