# taz.de -- Motivationslehren beim Tischtennis: Bekämpfe das Feuer doch mal mit Feuer!
       
       > Das Wort Flow gehört zum Einmaleins der aufmunternden Sportpsychologie.
       > Doch bisweilen fehlt etwas im ewigen Positivismusterror der
       > Mentalcoachologie.
       
 (IMG) Bild: Introvertiert ist anders: Truls Möregårdh beim Europe Smash im August
       
       In der Sommerpause kam er dann. Der Verein hatte einen Motivationstrainer
       bestellt, einen jungen Mann Ende 20, der vor Corona einmal österreichischer
       Bundesligaspieler gewesen war, bevor er sich der Umstände wegen fürs
       Coaching, besonders fürs mentale Coaching entschied. So wirkte er
       freundlich, patent, strahlte aber eigentlich kein übergeordnetes
       Selbstbewusstsein aus. Bis er dann anfing zu reden.
       
       Im Prinzip sagte er ungefähr das, was in allen Aufsätzen im Internet, in
       Ratgeberbüchern oder in Tutorials auch erfahrbar ist, das Einmaleins der
       Sportpsychologie: Er sprach vom Flow, in den man im Spiel immer wieder
       reinmuss, und von den Blockaden, die einen davon abbringen, und wie man
       durch Bewusstmachen die eine oder andere davon überwindet. Er tischte den
       Mythos auf, nach dem so eine Spielerlegende auch nur 54 Prozent der Punkte
       macht – es kommt nur drauf an, welche. Ich habe dieses 54-Prozent-Ding
       schon verbunden mit dem Namen Timo Boll gelesen, er brachte den Namen
       [1][Roger Federer] ins Spiel, sei’s drum.
       
       Vieles, was er sagte, war hilfreich, und klar, die eine Stunde wäre für uns
       jetzt nicht der Gamechanger, aber das ein oder andere konnte man mitnehmen
       und ausprobieren. Selbst dem Punkt, mit dem ich am meisten hadere, konnte
       ich etwas abgewinnen: das Atmen.
       
       These des Motivationstrainers und vieler anderer aus seinem Metier nämlich:
       Beeinflusse das, was du beeinflussen kannst. Das Ergebnis kannst du nicht
       beeinflussen. Was du beeinflussen kannst, ist [2][die Atmung].
       
       Atmen! Atmen! 
       
       Wobei, der Teil mit der Atmung stimmt natürlich: Es gibt da so Tricks, wie
       man sich wieder runterholt, den Puls senkt, die Nervosität dämpft. Atmen,
       als stehe man kurz vor einer Geburt. Tief einatmen, am besten durch die
       Nase. Rituale schaffen – Ball auftitschen, Hand am Tisch in Netznähe
       abtrocknen, deswegen sieht man das dauernd bei den Profis. Sich Zeit
       lassen. Danach geht das mit den Punkten weiter.
       
       Und jetzt kommt’s: Ich persönlich glaube, dass man durchaus das Ergebnis
       beeinflussen kann, und nicht nur negativ. Man kommt nicht nur durch diese
       Mind Games zurück in den Flow. Es stimmt alles, aber es gibt noch einen
       Trick, ein Mind Game der eher bösen Art, der fehlt in diesem
       Positivismusterror der Mentalcoachologie.
       
       Ein anderer, mit der Atmung verwandter Topos, der auch immer auftaucht in
       diesem Kontext, ist der der asiatisch mentalen Kühle. Aber da sind wir bei
       den Klischees – die natürlich sehr zutreffend sein können: So heiraten
       europäische Tischtennisspieler öfter Chinesinnen oder Chinesischstämmige,
       als es Tennisspieler tun, und Ramen schlürfen sie auch alle gerne.
       
       Das mit der mentalen Kühle, mit dem Coolbleiben, wenn es heiß wird,
       hergeleitet aus den fernöstlichen Kampfkünsten, ist sicher nicht falsch,
       besonders wenn damit besagte Nervosität bezwungen werden kann. Aber
       manchmal müssen Emotionen raus, und manchmal ist es das Feuer, das einen
       befeuert.
       
       Beste Beispiele von der Spitze sind Truls Möregårdh, der nie groß hinter
       dem Berg hält, was seine Gefühle sind am Tisch, oder Tomokazu Harimoto, der
       jeden Punktgewinn schreiend feiert, als ob er gerade das ganze Match
       gewonnen hätte.
       
       Beim WTT Finals in Hongkong zeigte auch Félix Lebrun, was ich meine: [3][Im
       Spiel gegen Hugo Calderano] spielte er nicht schlecht, lag aber früh recht
       weit hinten. Bis es aus ihm herausbrach: „C’est pas possible! C’est pas
       possible!!!“, schrie er sein Ungenügen heraus – wofür es nicht mal die
       gelbe Karte gab.
       
       Ab genau dem Punkt lief es dann besser für Félix. Am Ende gewann er ein
       großartiges Spiel mit 4:2.
       
       22 Dec 2025
       
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 (DIR) [2] /Tischtennisspieler-Dimitrij-Ovtcharov/!6124335
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=QY9nBXUpRnE
       
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