# taz.de -- Tischtennisstars auf Reisen: Wenn es um Millimeter und Tausende von Kilometern geht
       
       > Der Tischtenniszirkus bürdet seinen Profispielern mittlerweile ein
       > gewaltiges Reisepensum auf. Die einen reizt, die anderen nervt das.
       
 (IMG) Bild: Sportleralltag: Mit den Koffern zum nächsten Wettkampf unterwegs
       
       Erst London, dann Montpellier. Buenos Aires, dann Hongkong oder Macao,
       leider gibt es keinen Direktflug. Manchmal auch Kolbermoor, dann Macao,
       dann, sagen wir, Kopenhagen und im Anschluss Mühlhausen, und zwar nicht das
       in Frankreich. Sportler kommen rum, Sportlerinnen nicht minder, sie ziehen
       ihre Rollsporttaschen durch die Flughäfen und Hotelfoyers und ich sitze zu
       Hause und schaue mir den an die Reisen anschließenden Sport dann im Netz an
       und die Fotos von den Reiseorten bei Instagram.
       
       [1][Ich habe den Satz schon einmal zitiert], leider weiß ich nicht mehr,
       wo, und auch nicht, [2][von wem er ursprünglich stammt]: Je erfolgreicher
       man ist, desto seltener ist man zu Hause. Hana Matelovà, tschechische
       Nationalspielerin im Tischtennis und nicht zu verwechseln mit Hana
       Mandlikova, der ehemaligen tschechischen Tennisspielerin, hat vom Leben aus
       dem Koffer nach gut 15 Jahren genug. Weiterer Erfolg egal, Zuhause
       wichtiger, so könnte man das auf den Punkt bringen. „Wir verbringen das
       halbe Jahr am Flughafen, im Flugzeug, in Hotels“, [3][wird sie auf
       mytischtennis.de zitiert.] „Und das ist etwas, was ich nicht mehr möchte.
       Ich will mehr Zeit zu Hause mit der Familie verbringen und etwas Neues
       beginnen.“ Dann folgt der Satz: Schon bald wird sie im Unternehmen ihrer
       Familie in der Papierindustrie anfangen. Ob sie da auf das richtige Pferd
       setzt?
       
       Benedikt Duda, derzeit bester deutscher Tischtennisspieler, setzt jetzt
       ähnlich wie Matelovà auf Veränderung. Allerdings anders, gegenteilig: Er
       wird noch eine Saison oder sogar nur eine halbe Bundesliga spielen und sich
       dann auf die Fernreisen konzentrieren. Und das trotz Frau und Kind! Nie
       wieder Grenzau! Man muss halt Prios setzen.
       
       ## Einige Zumutungen
       
       In Montpellier, wo jetzt die Woche die WTT Champions stattfinden, zum
       vorletzten Mal in diesem Jahr, trifft er in der ersten Runde auf
       Nationalteamkollege Dang Qiu. Qiu kommt frisch aus London, am Sonntag hat
       er überraschend mit einer taktischen Meisterleistung den Japaner Tomokazu
       Harimoto geschlagen und damit das Turnier gewonnen, jetzt droht ihm
       schlappe 1.191 Kilometer entfernt zwei, drei Tage später eine
       Erstrundenniederlage gegen Duda, der von diesen Erstrundenniederlagen auch
       schon ein paar erlitten hat – seinem Bekunden nach der Vielfliegerei wegen.
       
       War es nicht sogar er, der verzweifelt versucht hat, von Buenos Aires nach
       China oder Japan zu kommen und dann wurde erstmal sein Flug wegen Wetter
       gestrichen? Solche Geschichten haben sie alle auf Lager.
       
       Es ist tatsächlich viel, was der weiter wuchernde Tischtenniszirkus seinen
       Profis inzwischen so zumutet. Andererseits sehen wir auf den besagten
       sozialen Kanälen ein ausgelassenes deutsches Damenteam im kroatischen Zadar
       in Schlapfen und weißen Hotelbademänteln ins Adriatische Meer ziehen,
       während wir zu Hause bereits die Heizung anmachen. Ja, sie hatten was zu
       feiern! Und schön, dass sie – als frische Europameisterinnen – uns daran
       teilhaben lassen und nicht nur wie Schulkinder bei der Mittelprüfung Pokal,
       Selfie und ab hinter die Kulissen. Da fragt man sich schon manchmal, was
       die Motivation sein soll, wenn das alles ist an Feierei. So Fußballer, die
       lassen es wenigstens richtig krachen, wenn sie mal die Hand am Gral haben.
       
       Und ja, natürlich ist das alles auch einfach der Neid. In Umkehrung
       bedeutet der Satz von oben natürlich auch: Je erfolgloser, desto öfter zu
       Hause, oder: Oft zu Hause heißt ziemlich erfolglos.
       
       Immerhin darf ich demnächst nach Frankfurt mit dem Zug. Dann fahre ich
       nämlich auch zum nächsten und letzten WTT Champions Turnier des Jahres.
       Hotelzimmer wird mir sogar gestellt, ich muss im Gegenzug nur eine
       Stadtführung mitmachen und was Gutes über das Stadtbild schreiben. Krieg
       ich hin. Ich freue mich schon.
       
       28 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Unerfolgreiche-Tage/!5353518/
 (DIR) [2] https://www.welt.de/iconist/article154884242/Die-besten-Restaurants-Hotels-und-Clubs-in-Berlin.html
 (DIR) [3] https://www.mytischtennis.de/news/top-sport/es-ist-genug-matelova-beendet-karriere-in-zadar
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) René Hamann
       
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