# taz.de -- Böse Tischtennisgeschichten: Von der unsauberen Seite
       
       > Der Deutsche Tischtennisbund hat offenbar einen zweifelhaften Sponsor.
       > Genaues weiß man bislang noch nicht. Wetten dass?
       
 (IMG) Bild: Immer wieder mal unversehens im Blickpunkt: Dima Ovtcharov hier bei der WM in Doha
       
       Ehrlich? Ich hätte nicht mehr auf mich gewettet. Die ersten beiden Sätze
       habe ich deutlich verloren, mein älterer Gegner hatte es geschafft, mich
       auf sein Niveau herunterzuziehen, die einfachsten Bälle kamen nicht, die
       Fehlerquote war überdurchschnittlich hoch. Und doch schaffte ich es, mir
       eine kleine Taktik zuzulegen, um die Folgesätze mindestens offenzuhalten.
       Dass ich dabei diverse Matchbälle abwehren musste, um schließlich 3:11,
       3:11, 12:10, 12:10, 12:10 zu gewinnen, das war einfach unfassbar, nahezu
       surreal, wie man heute gerne in Sportzusammenhängen sagt, vor allem, wenn
       man meine unterirdische Form und die Höllenhinrunde bedenkt, die ich gerade
       spiele.
       
       Keine Angst, um mich soll es hier nur am Rande gehen. Das Stichwort
       vielmehr ist Wette. Am Sonntag nämlich gab es endlich wieder einen Beitrag
       über Tischtennis [1][in der guten, alten „Sportschau]“. Allerdings wurde
       nicht über die Bundesliga berichtet, die am Wochenende einen Spieltag hatte
       ([2][Tabellenführer] ist die Borussia aus Düsseldorf trotz Krise), und auch
       nicht darüber, dass die Brüder Lebrun in Maskat, Oman, erstmals ein Finale
       eines WTT-Turniers unter sich ausmachten (Félix gewann im Entscheidungssatz
       gegen Alexis), sondern, dass der Deutsche Tischtennisbund DTTB und mit ihm
       die Nationalmannschaft von einem Tischtennis-Wettanbieter gesponsert wird.
       
       Nun ist Wetten auf Tischtennisergebnisse eine Wissenschaft für sich. Die
       Niveauunterschiede zwischen den jeweiligen Spielern sind meist klein und
       doch so bedeutend, dass man fast immer davon ausgehen kann, dass der
       Bessere, hüstel, hüstel, gewinnt. Ganz oben an der Spitze gewinnt immer der
       Chinese oder die Chinesin, danach die aus Japan. Auf den niederen Ebenen
       kann man genauso gut einen Würfel werfen – oder gucken, wer mit „Material“,
       also Noppe oder Anti, spielt oder immerhin halbwegs den Topspin beherrscht.
       
       In Tschechien, so erzählt der Beitrag der „Sportschau“, gibt es nun eine
       Halle, in der Tag und Nacht Tischtennis gespielt wird – man stellt es sich
       als Mischung aus Himmel und Hölle vor: Hässliche Funktionshalle am
       hässlichen Stadtrand, an der Tennis mit einem N geschrieben steht,
       hoffentlich gibt es da wenigstens einen Getränkeautomaten. Draußen an den
       elektronischen Geräten sitzen Spielsüchtige und setzen auf irgendwelche
       Namen, die auf -ek enden und meist beleibten Körpern über 45 gehören: So
       ungefähr wird es sein.
       
       ## Zweifelhafter Partner
       
       Irgendwo in Deutschland fanden wohl auch mal Wettbewerbe dieses
       Wettanbieters statt, aber das hat sich nicht so wirklich gelohnt, und alle
       Beteiligten halten sich an eine Omertà, die entweder der Peinlichkeit des
       Ganzen entspringt oder ganz in echt mit Geld erkauft ist.
       
       Rein moralisch ist die „Sportschau“, die sich gerne investigativ gibt, was
       ja auch gut so ist, auf der sauberen Seite: Spielen gegen Geld im
       Amateurbereich ist mehr als bäh, nämlich verboten; Spielsucht ein
       gesellschaftliches Problem; und wo Wetten sind, ist Manipulation meist
       nicht weit. Problem: Nachweisen können sie erst mal wenig bis nichts. In
       den USA wurde der Sponsor des DTTB gecancelt, viel mehr bietet der Beitrag
       leider nicht, außer das heutzutage gern ausgeübte moralische Geraune.
       
       Natürlich ist auffällig, dass das Sponsoring seitens des DTTB – wie in der
       Funktionärsschule gelernt – nonchalant wegmoderiert wird, weil das Geld
       schließlich irgendwo herkommen muss, und [3][der Name Dima Ovtcharov wieder
       mal da auftaucht], wo irgendetwas im deutschen Tischtennis nicht ganz
       koscher ist. Ob es deswegen zur Skandalisierung taugt? Immerhin, die
       „Sportschau“ hat ein Auge drauf, die Community kommentiert mit, mal sehen,
       was da noch so alles kommt.
       
       In Niederösterreich gibt es [4][derweil Missbrauchsvorwürfe] gegen einen
       Trainer, einen ihn deckenden Verein und den oberen Verbänden. Schade.
       Sauber ist anders.
       
       25 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sportschau.de/tischtennis/zweifelhafter-sponsor-der-tischtennis-nationalmannschaft,sportwetten-amateure-tischtennis-ttcup-100.html
 (DIR) [2] https://www.ttbl.de/bundesliga/table/2025-2026/9
 (DIR) [3] /DAILY-DOPE-456/!381193/
 (DIR) [4] https://www.noen.at/sport/noe-sportmix/tischtennis-tischtennis-skandal-wirft-schatten-auf-niederoesterreich-497856859
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) René Hamann
       
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