# taz.de -- Podcast mit MAGA-Eltern: Streiten und streamen
> Der Podcast „The necessary conversation“ zeigt, wie Trump Menschen
> spaltet. Und wie seine Anhänger nicht mehr zwischen Wahrheit und
> Propaganda unterscheiden.
(IMG) Bild: Sie mag ihn: Trump-Fan während der Inauguration des US-Präsidenten am 19. Januar 2025
Mit Menschen, die einem nahestehen, über unterschiedliche politische
Ansichten zu sprechen, ist schwer. Laut einer Umfrage des National Public
Radio hat in den USA jede vierte Person schon einmal eine Freundschaft oder
Beziehung beendet, weil politische Ansichten nicht zusammenpassten. Aber
wie ist es in der Familie? Bricht man den Kontakt ab oder versucht man, im
Gespräch zu bleiben?
Der YouTube-Podcast von Chad Kultgen zeigt, wie schmerzhaft Letzteres sein
kann. Seit 2022 treffen sich Kultgen und seine Schwester Haley Popp einmal
pro Woche mit ihren Eltern in einen Videochat. Die Eltern sind überzeugte
Trump-Anhänger, tragen Trump-Merch und verbreiten Fake News.
Im Podcast sprechen sie über politische Ereignisse. Die aktuelle Folge etwa
beschäftigt sich mit der [1][Entführung des venezolanischen Präsidenten
Maduro]. Schnell wird klar: Diese Gespräche kosten Kraft. Es wird geflucht,
unterbrochen, beschuldigt. Ein Austausch ist so gut wie nie möglich, weil
die Eltern der beiden so tief im MAGA-Sumpf stecken. Der Vater, Bob, nennt
seine Kinder „fucking liberals“ und sagt, sie würden leider in die Hölle
kommen. Man sitzt davor und fragt sich, wie viel die Geschwister noch
aushalten können.
Auch viele Zuschauer:innen reagieren wütend und verzweifelt. Warum
solchen Ansichten Raum geben? Warum das alles öffentlich machen? Chat
Kultgen selbst schreibt [2][in einem Kommentar bei TribLive], er sehe seine
Eltern als Opfer eines Kultes, denen es nicht mehr möglich sei zwischen der
Wahrheit und technologiegetriebener Propaganda zu unterscheiden. Die
wöchentliche Stunde sei der Versuch, sie, aber eben auch einen großen Teil
der Boomer-Generation in den USA nicht ganz zu verlieren.
Wer ältere Folgen sieht, merkt schnell: Überzeugungen ändern sich kaum. Der
Podcast zeigt keine Erlösung, kein Happy End. Er zeigt, wie sehr sich
politische Weltbilder in Familien festsetzen können. Ob man solche
Gespräche streamen muss, bleibt fraglich. Dass sie aber geführt werden,
scheint notwendig. Und vielleicht liegt die größte Stärke des Formats darin
zu zeigen: Diese Konflikte sind keine Ausnahme und man ist mit ihnen nicht
allein.
10 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Trumps-Angriff-in-Venezuela/!6143137
(DIR) [2] https://triblive.com/opinion/chad-kultgen-what-ive-learned-from-doing-a-podcast-with-my-maga-parents/
## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
## TAGS
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