# taz.de -- Woman Walk jetzt auch in Schleswig: „Oft heißt es, Frauen müssen sich ändern, das ist falsch“
> Im ländlich geprägten Schleswig gibt es nun einen Women Walk. Es gehe
> darum, Frauen sichtbar zu machen, sagt Gleichstellungsbeauftragte Andrea
> Cunow.
(IMG) Bild: Wie hier in Wacken gab es 2025 auch in Schleswig die erste Demo zum Christopher Street Day (CSD): Rund 400 Personen waren da
taz: Frau Cunow, Sie veranstalten einen Women Walk, einen Spaziergang für
Frauen. In Großstädten heißt das [1][Flinta*] Walk, um alle
marginalisierten Geschlechter und Identitäten einzuschließen.
Andrea Cunow: Ja, da haben Sie das richtige Stichwort genannt, Schleswig
ist eine Mittel- und keine Großstadt, wir sind hier sehr ländlich geprägt
und passen uns den regionalen Gegebenheiten an. Deshalb heißt es auch
„Bündnis Frau“, mit dem wir den Women Walk veranstalten. Wir fangen erst
mal langsam an, das muss sich erst noch etablieren.
taz: Das heißt, Sie haben darüber nachgedacht, den Spaziergang anders zu
nennen?
Cunow: Ja, klar, wir bekommen die Diskussion hier ja auch mit und
entwickeln uns weiter.
taz: Und wie kamen Sie auf die Idee?
Cunow: Das gibt es ja schon in vielen anderen Orten. Hier hat eine Frau das
in Husum erlebt und vorgeschlagen, das in Schleswig zu veranstalten.
taz: Und wie viele Frauen kamen?
Cunow: Wir haben im Oktober angefangen. In dem Monat und im November waren
es überraschend viele, 15 bis 20 Frauen, da haben wir uns doch gewundert,
dass es so gut angenommen wird. Im Dezember kamen weniger, da haben viele
wohl schon so viel um die Ohren.
taz: Haben die gesagt, warum sie gekommen sind?
Cunow: Viele haben gesagt, dass sie um die Uhrzeit im Winter, wenn es um 17
Uhr schon dunkel ist, nicht gerne alleine nach draußen gehen. Andere sind
neu in Schleswig und haben das genutzt, um Kontakte zu knüpfen, das hat
auch gut funktioniert, soweit ich das mitbekomme.
taz: Welches Alter hatten die?
Cunow: Die meisten sind 50 plus, aber es waren auch immer ein paar deutlich
jüngere Frauen dabei.
taz: Auch Menschen mit jüngerer Zuwanderungsgeschichte?
Cunow: Nein, leider nicht. Da machen wir uns auch Gedanken, wie wir es
erreichen, dass das ein Abbild der ganzen Gesellschaft ergibt.
taz: 15 bis 20 Frauen … und alle reden?
Cunow: Ja, die meisten haben Lust zu plaudern und sich auszutauschen.
taz: Schweigen kann ja auch schön und verbindend sein …
Cunow: Das wollen wir niemand vorschreiben. Und wer nicht reden möchte,
muss das auch nicht. Wir geben nur die Route vor, ansonsten sind alle für
sich selbst verantwortlich.
taz: Welche Themen brennen Ihnen denn als Gleichstellungsbeauftragte der
Stadt Schleswig sonst so unter den Nägeln?
Cunow: Ich glaube, dieselben wie allen. Es gibt zu wenig Frauen in der
Politik, in der Ratsversammlung und in den Ausschüssen. Und dann sitzen
mehr Frauen im Sozialausschuss und im Bauausschuss nur als
Stellvertreterin.
taz: Was muss passieren?
Cunow: Oft heißt es dann, na, dann müssen die Frauen sich halt ändern, aber
das ist falsch. Das System muss sich so ändern, dass sich Frauen beteiligen
können und wollen.
taz: Und was noch?
Cunow: Wir müssen auch in Schleswig die [2][Istanbul-Konvention] umsetzen …
taz: … die Frauen und Mädchen vor Gewalt schützen soll …
Cunow: Genau, dafür müssen wir auch erst einmal Daten erheben, das ist
nicht ganz einfach. Grundsätzlich muss im Bereich Gewaltschutz viel mehr
passieren, aber das gilt nicht nur für Schleswig. [3][Femizide] müssen als
solche bezeichnet werden. Wir hatten erst vor einem Monat einen in
Süderbrarup, wo ein Mann in Untersuchungshaft sitzt, weil er seine getrennt
lebende Frau getötet haben soll.
taz: Oh, das habe ich nicht mitbekommen.
Cunow: Das war ein Schock, ja. Es gibt aber auch Positives zu vermelden.
Wir hatten in diesem Jahr den ersten CSD in Schleswig, der ist supertoll
gelaufen, es waren 400 Personen da, die gezeigt haben, wie vielfältig
Schleswig ist.
6 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
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