# taz.de -- „Avatar: Fire and Ash“: Da schlackern einem die Elfenohren
       
       > Bitte tief eintauchen: James Cameron setzt seine Science-Fiction-Reihe
       > mit „Avatar: Fire and Ash“ fort. Diesmal geht's durch erleuchtete
       > Gewässer.
       
 (IMG) Bild: Die Effekte zumindest stimmen auch in „Avatar: Fire and Ash“
       
       Tröstlich, sich vorzustellen, dass irgendwo auf einem fernen Mond im
       Alpha-Centauri-System gerade eine Gruppe Na'vi mit cyanblauer oder
       blassgrüner Haut auf „Ikranen“ (pferdeähnliche Wesen) oder „Ilus“
       (delphinähnliche Wesen) durch Luft und Meere turnt. Oder mit den
       vieläugigen Wasserriesen „Tulkuns“ kommuniziert. Oder ihre „Kurus“, die wie
       Schweife aussehen, aber viel mehr können als wedeln, zum glücklichen
       Meditieren zusammenkordelt.
       
       Andererseits: Als man sie letztes Mal verlassen hatte, das war vor drei
       Jahren und mit [1][„Avatar: The Way of Water“], da hing der Haussegen auf
       Pandora schiefer denn je. Zwar hatten sich die diversen Völker mittlerweile
       im Kampf gegen die von der Erde stammenden skrupellosen „Himmelsmenschen“
       einigermaßen zusammengerauft.
       
       Doch dass man nicht lockerlässt, wenn es um die Ausbeutung eines Planeten
       oder einer Spezies geht, das ist das Gesetz einer solchen Geschichte – und
       erst recht das Gesetz für finanzielle Großerfolge wie James Camerons 2009
       gestartete „Avatar“-Reihe (zusammen haben beide Filme inzwischen 5,23
       Milliarden Dollar eingespielt; der letzte Teil stand auf Platz 1 der
       deutschen Filmcharts).
       
       Und obwohl es das blaue Na'vi-Kostüm inklusive Elfenohren zumindest auf der
       Erde auf viele Cosplay-Veranstaltungen und Karnevalszüge geschafft hat, ist
       der aktuelle dritte Besuch auf dem friedlichen Ökoplaneten wieder von
       Stress geprägt.
       
       ## Der menschliche Adoptivjunge Spider
       
       Die Familie um den ehemaligen Menschen Jake (Sam Worthington) und die
       Pandora-Kriegerin Neytiri (Zoe Saldana) trauert noch immer um einen
       verlorenen Sohn; der menschliche Adoptivjunge Spider (Jack Champion) und
       Kiri (Sigourney Weaver), die geklonte Avatar-Tochter einer
       Wissenschaftlerin, versuchen zwar, sich – auf Pandora ebenso üblich wie auf
       der Erde – mit klassischen Teenagerspielen und Wald- und Wasser-Wettkämpfen
       abzulenken.
       
       Doch die Menschen, allen voran Spiders Erzeuger, der bereits bekannte,
       ehemalige Marines-Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), dessen
       Homo-sapiens-Identität verstorben ist, der jedoch als Avatar noch immer Wut
       auf die Na'vi schiebt, wollen das Paradies weiterhin
       plattmachen/kapitalistisch plündern.
       
       Weil Spider dank der Hilfe der spirituell talentierten Kiri (und des
       mächtigen Planetengeists) zu einer neuen Mischform aus Na'vi und Mensch
       morpht, die maskenfrei atmen kann und der gar endlich ein buschiger,
       eigener Kuru (!) wächst, steigt die Gefahr: Die bösen Erdlinge wollen den
       jungen Na'vi-Mensch-Mix lieber früher als später einfangen, untersuchen,
       den Trick abgucken und sich hernach selbst auf Pandora breitmachen.
       
       ## KI oder Anti-KI?
       
       Den wie üblich eleganten, rasenden Wald- und Fluggängen, dem mit vage
       indigen klingender Musik (Simon Franglen) unterlegten Geflitze durch von
       spirituellem Plankton erleuchtete Gewässer gelingt auch dieses Mal die
       totale Absorption. James Camerons extraterrestrisches „world-building“ ist
       makellos und animationstechnisch auf einem so hohen Stand, dass Sigourney
       Weaver, die das Vorbild für die 14-jährige Kiri ist (und ihr eine etwas
       irritierende, aber interessante Erwachsenenstimme verleiht), sich beeilte,
       Camerons „performance capture“-Technik noch mal ausdrücklich zu loben: Er
       habe das alles erfunden, um Schauspieler das sein zu lassen, was sie sein
       könnten.
       
       Es handele sich nicht um KI, sondern eigentlich um eine „Anti-KI“,
       behauptete sie jüngst in einem Interview. (Wie viel Spaß es macht, gar
       nicht mehr am Set, sondern komplett vor Green- und Bluescreen zu spielen,
       darüber schweigt die Branche schon lange vornehm.) Aber bei einer 400
       Millionen Dollar teuren Geschichte, die im 22. Jahrhundert im
       Alpha-Centauri-System spielt, in dem weise Wal-Wesen mit esoterischen
       Quallen kommunizieren, ist Immersion erwartbar.
       
       Dazu kommt im aktuellen Teil (es folgen noch mindestens zwei) endlich auch
       mal etwas Böses von innen: eine fauchende Frauenfigur namens Varang (Oona
       Chaplin), die visuell dem Hatechild aus einer Tim-Burton-Hexe und der
       keltischen Todesfee Banshee ähnelt, führt ihre vulkanfeuerliebende
       Krieger-Spezies in den Kampf gegen die Na'vi-Hippies. Und so wird im
       überlangen Film unterm Strich wieder vor allem gekämpft, geschossen,
       gefaucht, geflüchtet und verfolgt.
       
       ## Schon ein paarmal Urlaub auf Pandora gemacht
       
       Vielleicht weil man schon ein paarmal Urlaub auf Pandora gemacht hat, ist
       das Ganze zuweilen dennoch ein wenig langweilig. Aus den eingeführten
       Bewohner:innen ist die Luft raus; die neue Superhexe darf nur
       gleichbleibend böse sein; das unglaubwürdige Feststecken des toleranten
       Alienvolks in heteronormativen und kernfamiliären Figurenkonstellationen
       und -konflikten ist lahm.
       
       Einem alten Marines-Macho wie Colonel Quaritch glaubt man das
       Auf-dicke-Hose-Machen sofort. Aber die vielen „Bro!“-Sprüche, die die
       Na'vi-Brüder bringen, wenn sie sich jungstypisch ungelenk auf die blauen
       Schultern klopfen, passten noch nie richtig ins grüne Elysium. Auch auf
       Pandora ist es vielleicht Zeit für einen gattungsübergreifenden Pride.
       
       17 Dec 2025
       
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