# taz.de -- Shortbandcontest in Bremen: „Eine intensive Zeit, die zusammenschweißt“
> Bei diesem besonderen Speedating finden sich für 48 Stunden neue Bands.
> Das soll die Klüngelbildung in der Musikszene aufbrechen, sagt Sabrina
> Bläß.
(IMG) Bild: Nach 48 Stunden schon auf der Bühne: Konzert nach dem Shortbandcontest 2024
taz: Ein „Speedbanding“, muss man sich das so vorstellen wie ein
Speeddating für Musiker:innen, Frau Bläß?
Sabrina Bläß: Ja, das kann man sich wirklich ein bisschen so vorstellen.
Mit dem Unterschied, dass die Teilnehmenden am Einlass bunte Kärtchen
ausgehändigt bekommen, zum Beispiel Blau für Schlagzeug oder Rot für
Gesang, damit man sehen kann, was die Musizierenden so mitbringen.
taz: Und dann kommen sie zusammen und lernen sich kennen?
Bläß: Genau. Es gibt eine kleine Moderation vom Schauspieler und Musiker
Maciej Tyrakowski, der die Idee hatte für den Bandcontest. Er moderiert
eine Fragerunde. Dann beginnt der offene Teil, wo die [1][Menschen sich zu
Bands zusammenfinden] können.
taz: Und die proben dann 48 Stunden zusammen und machen zwei, drei Songs,
die sie am Montagabend präsentieren?
Bläß: Ja, das ist eine intensive Zeit, die diese Bands miteinander
verbringen. Das Set umfasst dann am Ende 15 Minuten. Das heißt, wenn es
[2][Punkbands] sind, gibt es auch mal ein paar Songs mehr.
taz: Wer macht da mit? Sind das Leute, die schon in der Musikszene
unterwegs sind und in anderen Bands spielen? Oder auch Neulinge?
Bläß: Das sind völlig unterschiedliche Menschen. Da sind Menschen, die noch
keine Bühnenerfahrung gesammelt haben, die ihr Instrument schon ein paar
Jahre spielen, aber nicht so richtig wissen: Wie fange ich das an? Wie
starte ich das? Wie suche ich mir eine Band? Aber es sind auch Menschen,
die professionell in der Musik unterwegs sind, die jahrzehntelange
Erfahrung mitbringen, aber einfach Lust haben, ein neues Instrument
ausprobieren oder ein neues Genre.
taz: Deshalb passt der Contest gut zur Arbeit ihres Vereins [3][Musikszene
Bremen]. Weil es da auch darum geht, zu vernetzen und zu helfen, Bandräume
und Auftrittsmöglichkeiten zu organisieren?
Bläß: Genau. Uns ist wichtig, die Interessen der Musikszene, die ja total
divers sind, zu bündeln und sichtbar zu machen und die Menschen miteinander
in Austausch zu bringen. Auch wenn Bremen eine relativ überschaubare Szene
hat, gibt es natürlich auch hier immer diese Klüngelbildung. Es ist ja auch
gut und wichtig ist, dass man sich seinen Raum schafft und sicher fühlt.
Aber wir sehen eine große Chance darin, diesen Horizont auch mal zu
erweitern und mit Musizierenden zu spielen, die eigentlich aus einem
anderen Genre kommen oder älter sind oder jünger.
taz: Die Gewinner des Contests spielen dann auf dem Überseefestival?
Bläß: Ja. Das war ursprünglich einfach unser Sommerfest vom Verein. Wir
haben zwei Kisten Bier auf die Rampe gestellt und einen Grill und es haben
ein, zwei Bands gespielt. Das wurde dann immer größer, mittlerweile ist es
eine Institution. Wir haben dieses Jahr 15-Jähriges gefeiert. Wir haben
zwei große Bühnen und dank einer Kooperation mit dem Architekturbüro
nebenan auch eine kleine Secret Stage. Da spielen übers Wochenende heute
über 25 Bands aus Bremen.
taz: Und die Bands, die sich beim Shortbandcontest zusammengefunden haben:
Bleiben die zusammen oder ist das eher etwas Kurzfristiges?
Bläß: Alle Siegerbands der letzten fünf Jahre gibt es noch heute. Das ist
das eigentlich Witzige: Die Idee war, dass man sich einfach mal für eine
kurze, intensive Zeit trifft und guckt, was daraus entsteht, ohne dass das
dann irgendwie Bestand haben muss. Aber im Endeffekt ist diese intensive
Zeit dann doch etwas, was auch sehr zusammenschweißt.
22 Dec 2025
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