# taz.de -- Humanitäre Lage im Gazastreifen: Kinder sterben an Unterkühlung
       
       > Stürme und Regen belasten die vertriebenen Menschen in den Zeltlagern.
       > Die Hamas stellt Waffenruhe in Frage und lehnt ihre Entwaffnung
       > kategorisch ab.
       
 (IMG) Bild: Eine palästinensische Familie fährt im zerstörten Gaza-Stadt durch den Regen
       
       kna | Anhaltende starke Regenfälle und winterliche Temperaturen
       verschlechtern im Gazastreifen die Situation für [1][Hunderttausende
       Vertriebene, die dort in Zeltlagern leben]. Die Lage im dritten Winter seit
       Kriegsbeginn habe sich verschärft, sagte Yotam Polizer, Direktor der
       Hilfsorganisation IsrAID, der Zeitung Haaretz.
       
       Ziel der Organisation sei es deshalb, umgerechnet 1,7 Millionen Euro für
       Winterhilfe für den Gazastreifen zu sammeln. Es werde „noch viel mehr
       Hilfe“ benötigt, als derzeit die Menschen erreiche. Polizer verwies unter
       anderem auf den Wintersturm Byron. Dieser habe, so Polizer, für erhebliche
       Schäden gesorgt.
       
       Die meisten Gebäude im Gazastreifen sind zerstört oder beschädigt. Tausende
       Menschen leben daher in Zelten oder in anderen Behelfsunterkünften. Laut
       einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa wurden am
       Montag wieder mehrere Vertriebene verletzt, als eine Mauer auf ein
       Zeltlager südwestlich von Gaza-Stadt stürzte. Ferner habe der Regen ein
       weiteres kriegsbeschädigtes Haus zum Einsturz gebracht. Der anhaltende
       starke Niederschlag und heftige Winde überschwemmten demnach zahlreiche
       Zelte in verschiedenen Gebieten des Gazastreifens.
       
       ## Viele Gefahren für die Gesundheit
       
       Menschenrechtsgruppen und medizinisches Personal in Gaza warnten außerdem
       vor einer erhöhten Gefahr für Infektionskrankheiten durch Müll und
       Abwasser, die durch die Regenmassen in die Zeltlager gespült werden. Ferner
       sei bereits ein Anstieg von Unterkühlungsfällen insbesondere bei Kindern zu
       verzeichnen.
       
       Am Freitag hatte die von der Hamas geführte Zivilschutzbehörde mitgeteilt,
       in den vergangenen 24 Stunden seien mindestens 16 Menschen in dem
       Palästinensergebiet gestorben. Darunter seien zwei Kinder in der Stadt Gaza
       und ein weiteres in Chan Yunis, die an Unterkühlung gestorben seien. Wegen
       starker Regenfälle im Gefolge von Sturm „Byron“ waren im Gazastreifen seit
       Mittwoch vergangener Woche Zelte und andere Notunterkünfte überschwemmt
       worden.
       
       Das Al-Schifa-Krankenhaus in Gaza teilte mit, von den dort durch die Kälte
       gestorbenen Kindern sei eines neun Jahre und das andere erst ein paar
       Monate alt gewesen. Bei dem verstorbenen Kind in Chan Yunis handelte es
       sich laut dem dortigen Nasser-Krankenhaus um ein acht Monate altes Kind aus
       einer Zeltsiedlung in Al-Mawasi. Die übrigen Todesopfer waren nach
       Behördenangaben auf Einstürze von Gebäuden infolge der Überschwemmungen
       zurückzuführen.
       
       ## Hilfsgüter werden weiterhin blockiert
       
       „Die Matratze ist seit heute Morgen mit Wasser vollgesogen und die Kinder
       haben vergangene Nacht in nassen Betten geschlafen“, sagte Umm Muhammad
       Dschudah, eine Bewohnerin von Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens, der
       Nachrichtenagentur AFP. „Wir haben keine trockene Wechselkleidung.“ Nach
       Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef fielen die Nachttemperaturen im
       Gazastreifen auf etwa acht oder neun Grad. Die hygienischen Zustände im
       Gazastreifen seien „absolut entsetzlich“, sagte Unicef-Sprecher Jonathan
       Crickx.
       
       Derzeit gilt eine [2][Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel]. Nach
       UN-Angaben treffen Hilfsgüter aber weiterhin nicht in ausreichendem Maß
       ein. Die erste Phase der Waffenruhe war auf der [3][Grundlage des
       US-Friedensplans] am 10. Oktober in Kraft getreten – mehr als zwei Jahre
       nach dem Überfall der islamistischen Palästinenserorganisation und
       verbündeter Milizen auf Israel. Im anschließenden Krieg wurden im
       Gazastreifen nach offiziellen Angaben mehr als 70.000 Menschen getötet –
       die meisten von ihnen Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Die
       Zahlen könnten deutlich höher sein, da der schmale Küstenstreifen
       weitgehend zerstört ist und unter den Trümmern der Gebäude vermutlich viele
       Tote verschüttet sind.
       
       Die [4][zweite Phase des von der UNO unterstützten Friedensplans] für den
       Gazastreifen umfasst die Entwaffnung der Hamas. Die islamistische Miliz
       erteilte dieser Forderung jedoch eine deutliche Absage. Stattdessen pocht
       sie laut Hamas-Chef al-Hajja auf ihr „legitimes Recht“, Waffen zu besitzen.
       Durch die gezielte Tötung ihres ranghohen Kommandeurs Raed Saed durch
       Israel sieht sie zudem die ohnehin brüchige Waffenruhe in Gefahr.
       
       ## Ranghoher Hamas-Kommandeur von Israel getötet
       
       „Die fortgesetzten Verstöße Israels gegen das Waffenruheabkommen und die
       jüngsten Attentate, die Saed und andere zum Ziel hatten, gefährden die
       Gültigkeit des Abkommens“, erklärte al-Hajja am Sonntag. Die Hamas
       bestätigte, Saed sei bei einem israelischen Angriff am Samstag ums Leben
       gekommen. Er ist das ranghöchste Hamas-Mitglied, das seit Beginn der
       Waffenruhe gezielt getötet wurde.
       
       Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel
       Katz hätten die „Eliminierung des Terroristen Raad Saad angeordnet“, hieß
       es am Samstag in einer Erklärung Israels. Dies sei eine Reaktion auf die
       Aktivierung eines gegen die israelischen Streitkräfte gerichteten
       Hamas-Sprengsatzes in der von der Armee kontrollierten sogenannten gelben
       Zone geschehen.
       
       Insgesamt wurden seit Beginn der Waffenruhe nach Angaben der
       palästinensischen Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mindestens 386
       Menschen bei Angriffen des israelischen Militärs getötet. Israel gibt an,
       dass seither drei seiner Soldaten getötet wurden.
       
       16 Dec 2025
       
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