# taz.de -- Neue Bearbeitungsgebühr: EU geht gegen billige Onlineware vor
> Unzählige Pakete kommen von Online-Händlern in die EU. Eine
> Bearbeitungsgebühr soll helfen, die steigenden Kosten zu decken.
(IMG) Bild: Sehr viel Billigware aus China: Zolllager am Flughafen Charles de Gaulle in Paris im November 2025
dpa | Im Kampf gegen die Flut kleiner [1][Pakete] aus Onlinekäufen aus
Drittstaaten führt die EU eine neue Bearbeitungsgebühr ein. Ab 1. November
soll die neue Abgabe für jedes im Internet bestellte und in die EU
eingeführte Produkt gelten und von den nationalen Behörden erhoben werden.
Darauf einigten sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder in
Brüssel, wie beide mitteilten.
Die Höhe der Gebühr muss noch von der EU-Kommission festgelegt werden. Mit
der Abgabe sollen die steigenden Kosten durch die wachsende Zahl kleiner
Sendungen aus dem Onlinehandel gedeckt werden – etwa die Sichtung und
Kontrolle bei der Einfuhr.
## Neue Zollgebühren kommen
Die Bearbeitungsgebühr kommt [2][zusätzlich zu geplanten neuen
Zollgebühren]. Zwar können Pakete mit einem Wert von bis zu 150 Euro
bislang zollfrei in die Staatengemeinschaft eingeführt werden. Um
unerwünschten Billigimporten etwas entgegenzusetzen, gilt jedoch ab Juli
für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von 3
Euro. Diese Maßnahme soll vorübergehend gelten, bis eine neue digitale
Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den Start geht und dann alle in
die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig sind. Derzeit
ist das für 2028 geplant.
Mit dem Abschaffen der Freigrenze soll etwa sichergestellt werden, dass
alle Händler – unabhängig von ihrem Standort – die gleichen
Wettbewerbsbedingungen haben. Ob günstige Produkte durch die neuen Abgaben
teurer werden, ist noch unklar. Theoretisch könnten auch die Produzenten
oder Importeure die Mehrkosten übernehmen.
Die neuen Regeln dürften etwa Onlinehändler wie Shein, Temu, AliExpress
oder auch Amazon betreffen. Der Onlinehandel hat in den vergangenen Jahren
zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen kleiner Warenpakete mit
geringem Wert in die EU geführt. Laut EU-Kommission kamen 2024 täglich rund
12 Millionen Pakete in der EU an, deutlich mehr als in den beiden
Vorjahren.
## Shoppingportale bei Verbrauchern beliebt
Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden täglich etwa
400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kunden verschickt. Der Umsatz
der beiden Portale in Deutschland lag 2024 demnach zwischen 2,7 und 3,3
Milliarden Euro. Laut HDE kauften im vergangenen Jahr mehr als 14 Millionen
Menschen hierzulande bei Temu und Shein ein.
Temu ist ein Onlinemarktplatz, auf dem zahlreiche Unternehmen verschiedene
Waren verkaufen. Das chinesische Unternehmen ist seit Frühjahr 2023 in
Deutschland aktiv und sorgt immer wieder mit Minipreisen und hohen Rabatten
für Aufsehen. Produkte werden häufig direkt vom Hersteller zum Kunden
geliefert. Der in China gegründete und heute in Singapur ansässige
Modekonzern Shein ist sowohl Hersteller und Händler als auch Marktplatz.
Beide Anbieter sind umstritten. Politiker, Handelsvertreter und
Verbraucherschützer monieren unter anderem Produktqualität, mangelnde
Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen.
Neben der neuen Bearbeitungsgebühr sollen weitere Maßnahmen im Rahmen der
Reform des EU-Zollrahmens dafür sorgen, den globalen Handel zu erleichtern,
Zölle effizienter zu erheben und die Kontrollen von nicht konformen,
gefährlichen oder unsicheren Waren zu verschärfen, wie die EU-Länder
mitteilten.
27 Mar 2026
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