# taz.de -- Ukraine-Verhandlungen in Berlin: Schicksalstage für Europa
> Die USA und die Ukraine haben konträre Haltungen zu Russland. Europa wird
> sich endgültig entscheiden müssen, auf welcher Seite es steht.
(IMG) Bild: Bundeskanzler Merz begrüßt Ukraines Präsidenten Selenskyj in Berlin
In den Bemühungen um Frieden in der Ukraine nahen die Tage der
Entscheidung. Gibt es eine gemeinsame Position der Ukraine, Deutschlands,
Frankreichs, Großbritanniens und der USA zu möglichen Friedensverhandlungen
mit Russland? Oder zerbricht der Westen? [1][Darüber wird jetzt in Berlin
gesprochen auf höchster Ebene.] Vom Ausgang dieser Beratungen, in denen
Deutschland als Gastgeber die Schlüsselrolle spielt, hängt Europas Zukunft
ab.
Düster wie selten klingen die Vorkriegswarnungen dieser Tage. „Wenn die
Ukraine fällt, hört Putin nicht auf“, warnt Friedrich Merz. „[2][Russland
hat den Krieg nach Europa zurückgebracht und wir müssen auf das
Kriegsausmaß vorbereitet sein, das unsere Großeltern und Urgroßeltern
erlitten, sagt Mark Rutte].
Es geht in Berlin nicht um einen Friedensvertrag mit Russland. Es geht um
die Einheit des Westens. Russland will keinen Deal mit der Ukraine. Es will
einen Deal mit den USA, dem sich die Ukraine fügen soll. Trump seinerseits
ist bereit, die Ukraine Putin zum Fraß vorzuwerfen, im Tausch für
einträgliche Rohstoff- und Immobiliengeschäfte und die gemeinsame
Erschließung der Arktis und des Weltraums.
Die Europäer und die Ukraine haben dem nichts entgegenzusetzen außer
Menschenwürde, Völkerrecht und Freiheit – lauter Konzepte, mit denen Putin
und Trump nichts anzufangen wissen und für die Europa selbst im Rest der
Welt nur wenig Glaubwürdigkeit in Anspruch nehmen kann.
## Europa muss aus eigener Kraft bestehen
Bisher steht Europa eindeutig auf Seiten der Ukraine. Moskau beharrt auf
seinen Maximalforderungen. Trump hat seinen Plan nacharbeiten lassen, aber
bleibt letztlich ebenfalls auf seiner bisherigen Linie. In Berlin wird nun
der kremlfreundliche US-Chefunterhändler Steve Witkoff erstmals direkt mit
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj sprechen. Vielleicht finden die
beiden ja einen unverhofften, gemeinsamen Weg. Aber werden sie sich nicht
einig, muss sich Europa entscheiden, auf wessen Seite es steht: Washington
oder Kyjiw.
Sollten sich Berlin, London, Paris und Brüssel Trump unterordnen und den
schmutzigen Deal mit Putin mitmachen, würden sie die Ukraine und ihre
Menschen verraten und ganz Osteuropa gleich mit. Europa wäre zerrissen,
seine Werte tot.
Aber um sich nicht unterzuordnen, muss Europa gegen die Achse der
Autokraten in Washington und Moskau [3][aus eigener Kraft bestehen] können.
Das heißt, alle militärischen Lasten mittragen, auch in der Ukraine, und
sich auf den Krieg einstellen, von dem man überzeugt ist, dass Russland ihn
ohnehin vorbereitet. Andere Optionen gibt es nicht mehr.
14 Dec 2025
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(DIR) Dominic Johnson
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