# taz.de -- Juso-Bundeskongress in Mannheim: Der Nachwuchs ist verbittert
       
       > Die Jusos machen bei ihrem Bundeskongress deutlich, dass sie an der SPD
       > verzweifeln. Dort sollte man den drohenden Burnout der Jungen ernst
       > nehmen.
       
 (IMG) Bild: Zukunft mit uns oder doch eher ohne sie? Der Bundesvorsitzende der Jusos, Philipp Türmer, bei seiner Rede in Mannheim
       
       Selten haben Parteinachwuchs-Organisationen die politische Agenda so sehr
       bestimmt wie an diesem Wochenende. Neben der Neugründung der AfD-Jugend in
       Gießen unter großem Protest und der Dauerkritik der Jungen Union an der
       Rentenpolitik der Koalition konnte man [1][den Bundeskongress der Jusos
       leicht aus dem Blick verlieren]. Dieser Umstand steht schon fast symbolisch
       für die Kritik der jungen SPDler*innen bei ihrem Treffen in Mannheim.
       Denn eigentlich war das keine bloße Kritik mehr, die dort zum Ausdruck kam
       – sondern Verzweiflung.
       
       Zahlreiche Delegierte brachten in ihren Redebeiträgen eine zunehmende
       Entfremdung mit der SPD zum Ausdruck. Stadtbild-Debatte, Bürgergeldpläne,
       Migrationspolitik: Die Jungen in der Partei warfen die Frage auf, was die
       Sozialdemokrat*innen in der Koalition dem gesellschaftlichen
       Rechtsruck denn überhaupt entgegenzusetzen hätten. Dabei zeigte sich ein
       tief sitzender Frust. Darüber, dass die Forderungen der Jugend in den
       realpolitischen Zwängen einer Regierung mit der Union verhallen würden.
       
       Man sei „müde“, der Parteispitze die immer gleichen Vorhaltungen zu machen;
       darüber, dass die SPD keine Verwalterin des Status Quo werden dürfe und
       sich von links erneuern müsse. Darüber, dass die SPD angesichts des
       Rechtsrucks Allianzen links der Mitte suchen müsse. Und dass mit der
       aggressiven Rhetorik gegen Bürgergeldempfänger*innen auch zunehmend
       die Demokratie in Gefahr gerate.
       
       Nun ist es nichts Neues, dass die Jusos einen schwierigen Stand in den
       linken Jugendbewegungen haben. Doch es scheint, als dringe es überhaupt
       nicht zur Parteispitze durch, dass der Parteinachwuchs zunehmend
       ausgebrannt ist. Wiederholt lobte SPD-Chefin Bärbel Bas die Jusos für ihre
       „Energie“ und dafür, dass sie die Sozialdemokratie voranbringen würden. Ihr
       Kollege an der Parteispitze, Lars Klingbeil, hatte es zum wiederholten Mal
       erst gar nicht nötig, sich der Diskussion mit den Jungen auf ihrem Kongress
       zu stellen.
       
       Dabei sollte der drohende Burnout der Jusos der SPD eine Mahnung sein. Auf
       die [2][realpolitischen Zwänge und die unbeliebte Koalition] zu verweisen,
       ist nur eine faule Ausrede dafür, sich dieser Kritik zu entziehen. Denn wer
       auch künftig Kraft von den Impulsen der jungen Generation ziehen will, darf
       sie nicht am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Und es ist mehr als das:
       Angesichts der Stärke der rechten Jugendorganisationen wäre es bitter, wenn
       ausgerechnet die linken SPDler*innen verbittert hinschmeißen würden.
       
       30 Nov 2025
       
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