# taz.de -- Brasiliens Expräsident in Haft: Immerhin eine Luxuszelle für Jair Bolsonaro
       
       > Brasiliens verurteilter Ex-Präsident malträtierte seine Fußfessel. Nun
       > sitzt er in einer Polizeiwache. Seine politischen Gegner feiern.
       
 (IMG) Bild: Der ehemalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro (l.) muss ins Gefängnis, Brasília, 14. 9. 2025
       
       Brasiliens ehemaliger Staatschef Jair Bolsonaro hat am Dienstag seine
       Haftstrafe von 27 Jahren und 3 Monaten angetreten. Zwar nicht im
       Hausarrest, wie von seinen Anhängern und Anwälten gewünscht, aber immerhin
       auf einer Polizeiwache der Bundespolizei, anstatt im Gefängnis „Papuda“, wo
       ihn seine Gegner gern gesehen hätte: Es kursieren [1][Memes in sozialen
       Medien], in denen der 70-jährige Ex-Präsident als Maskottchen der
       [2][fiktiven Sambaschule „Unidos da Papuda“] die Hüften schwingt.
       
       Nachdem Bolsonaros Anwälte keine Rechtsmittel mehr eingelegt hatten,
       erklärte Bundesrichter Alexandre de Moraes den [3][Urteilsspruch vom
       September] für rechtsgültig und ordnete den sofortigen Haftantritt an. Das
       trifft auch für zwei Mitverschwörer zu, den ehemaligen Minister für
       institutionelle Sicherheit, Augusto Heleno, und den ehemaligen
       Verteidigungsminister Paulo Sérgio Nogueira.
       
       Im Januar 2023, nach Bolsonaros Niederlage bei Brasiliens Wahlen 2022 und
       der Amtseinführung seines Nachfolgers Luiz Inácio Lula da Silva, hatten
       Hunderte seiner Anhänger [4][den Regierungspalast in Brasilia gestürmt] und
       dort stundenlang randaliert. Es existierten außerdem [5][Mordpläne gegen
       Lula], dessen Vize Alckmin und den Obersten Bundesrichter Alexandre de
       Moraes.
       
       Bolsonaro wurde [6][im September 2025 für schuldig erklärt], von den
       Mordplänen gewusst zu haben und die kriminelle Vereinigung geleitet zu
       haben, welche die Randale organisiert habe. Der Putsch sei nur deswegen
       misslungen, weil das Militär sich nicht ausreichend daran beteiligte.
       
       ## Paranoia und Halluzinationen
       
       Bolsonaro saß bereits seit Samstag wegen akuter Fluchtgefahr bei der
       Bundespolizei in Präventivhaft. [7][Im Hausarrest] hatte er nämlich in der
       Nacht zum Samstag stundenlang seine elektronische Fußfessel mit einem
       Lötkolben attackiert. „Nur aus Neugier“, behauptete er am Samstag, an
       Flucht habe er nicht gedacht. Dabei befindet sich in unmittelbarer Nähe
       seiner Wohnanlage ein privater Flugplatz, und die Botschaft Argentiniens,
       wo Bolsonaro Asyl beantragen könnte, ist knapp 15 Minuten Autofahrt
       entfernt. Später behauptete Bolsonaro, er habe wegen der Wechselwirkung von
       Medikamenten unter Paranoia und Halluzinationen gelitten und geglaubt, die
       Fußfessel enthalte ein Abhörgerät.
       
       Widerstandslos ließ er sich am Samstag abführen und sitzt seitdem in einer
       renovierten Einzelzelle mit Bad, TV und Klimaanlage, ohne Kontakt zu
       anderen Insassen. Es ist zu erwarten, dass die Verteidigung versucht, ihn
       aus Gesundheitsgründen – er hat Lungenprobleme, Hautkrebs, Schluckauf sowie
       ein Nierenleiden – wieder in den Hausarrest verlegen zu lassen.
       
       Brasiliens Linke feierte in Sao Paulo schon am Samstag ausgelassen auf der
       Avenida Paulista, und in Brasilia trafen sich Bolsonaro-Gegner am Dienstag
       vor der Polizeiwache, tanzten Samba und tranken Champagner. Bolsonaros
       Verbündeter und Vorbild, US-Präsident Donald Trump, kommentierte den
       Haftantritt nur knapp mit: „Ach, das ist also passiert? Eine Schande“.
       
       26 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christine Wollowski
       
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