# taz.de -- Debütalbum von Peki Momés: Sorglose Katze
       
       > Die Leipzigerin Peki Momés überzeugt mit einem hoffnungsfrohen
       > Debütalbum. Ihre türkischen Wurzeln mischen sich mit dem Charme der
       > lokalen Indieszene.
       
 (IMG) Bild: Heimisch geworden: Zugvogel Peki Momés in Leipzig
       
       Sie und ihre Freund:Innen aus Kindheitstagen seien nomadisch, ein
       bisschen wie Zugvögel, sagte Peki Momés im Interview mit einem Netzradio.
       Das war anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Peki Momés“.
       Ausgeschwärmt aus der Türkei leben sie inzwischen verstreut in aller Welt –
       und trotzdem kreuzen sich ihre Wege. Aber in dem Song Göç Mevsimini stecke
       auch Melancholie, erklärte die 31-Jährige.
       
       Schließlich habe sie ihr kleines Nest an der türkischen Mittelmeerküste
       verlassen. Klanglich ist der Song, der genau davon erzählt, eine
       beschwingte Angelegenheit; der Songtitel bedeutet auf Deutsch übrigens
       „Migrationssaison“ oder „Zeit der Wanderung“.
       
       Zugleich war Göç Mevsimini, als er 2024 veröffentlicht wurde, Sneak Preview
       auf Momésʼ Album veröffentlicht wurde. Seine affirmative Musik heizte die
       Neugier auf die Künstlerin an. Schließlich konnte schon diese Debütsingle
       prominente Fans einsammeln.
       
       [1][Iggy Pop etwa, der den psychedelischen Song Rüya, zu finden auf der
       B-Seite und nun ebenfalls auf dem Album enthalten, in seiner Radiosendung
       Iggy Confidental im Programm beim britischen Sender BBC 6 vorstellte.] 
       
       Als „Turkish City Pop“ bezeichnet sie Göç Mevsimini – wobei diese
       Genrezuschreibung auch die übrigen Songs treffend umschreibt:
       Naiv-verspielt, dabei hinreichend schräg, vor allem abwechslungsreich
       klingt das musikalische Material. In den zwölf Songs stecken vielfältige,
       von Genres wie Library Music inspirierte Ideen.
       
       Und doch wirkt die Musik von Pekim Momés atmosphärisch wie aus einem Guss –
       keineswegs wie das nervöse Erstlingswerk, auf dem sich ein Talent
       ausprobiert. [2][Neben dem erwähnten, eher amorphen Genre Citypop,
       Soundtrack des japanischen Wirtschaftswunders der 1980er – Soft Rock
       fusioniert dabei Funk, Jazz] und softer fernöstlicher Ästhetik – steckt in
       Momés’ Amalgam zudem eine gehörige Prise Anadolu Rock.
       
       Die Verschmelzung von türkischem Folk mit Rockmusik hatte sich bereits in
       mittleren 1960er Jahren entwickelt. Und sie verlief anders als im Rest der
       Welt. In der Türkei blickte man auf die Elektrifizierung der traditionellen
       Musikstile seinerzeit dagegen eher entspannt.
       
       Auf die im Song Göç Mevsimini thematisierte Wanderschaft ging Peki Momés
       übrigens, um in Berlin ihren Master zu machen. Mittlerweile lebt sie in
       Leipzig. Im Brotberuf ist sie Fotografin, also auch künstlerisch tätig. Nur
       mit Musik hatte sie lange eher wenig zu tun. Abgesehen davon, dass sie ein
       Herz für abseitige Sounds hat – was sie früher in Istanbul in einer eigenen
       Radiosendung auslebte.
       
       Bis dann eben 2023 ihr damaliger Mitbewohner Dustin Braun, Produzent und
       DJ, bei ihr anklopfte: Ob sie ihnen – an dem Tag war gerade Theatermusiker
       Malik Diao in Brauns Heimstudio – kurz ihre Stimme leihen könnte? Sie
       bräuchten dringend eine dritte Gesangsspur. Eigentlich saß Momés über ihrer
       Masterarbeit. Es war der Beginn einer ergiebigen Zusammenarbeit.
       
       Auch wenn das Debüt nun Momés Namen trägt: Braun und die anderen Musiker
       spielten eine große Rolle bei dessen Ausgestaltung. Momés steuerte ihre
       eigenen türkischen Texte und den luftig-verträumten Gesang bei.
       Schlagzeuger Matthias Hetzer fügte seine Spur als letzter hinzu. Weniger
       ist der Drummer ein Taktgeber, an dem sich alle orientieren, viel eher
       strickt er zusammen, was sich angesammelt hat. Seine Rhythmen füllen Lücken
       und versetzen die Elemente in Schwingung.
       
       Dertsiz Kedi heißt ein Track, bei dem ein forscher Beat die Hörer:Innen
       zu einer mäandernden Flötenmelodie führt. Der Titel lässt sich mit
       „sorglose Katze“ übersetzen. Der Vorstellung von einer charmanten
       Nonchalance, die Menschen gerne in dieses Haustier projizieren, ist
       offenbar auch Momés erlegen.
       
       Dabei geht sie selbst ans Musikmachen nicht so anders heran, als die
       besagte Katze im Videoclip zum Song. Die stolziert auf einem sehr hohen
       Dach umher: Trotz der potenziellen Fallhöhe bleibt sie unbekümmert dort, wo
       es ihr gefällt. Und wirkt dabei einfach sehr lässig.
       
       28 Nov 2025
       
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