# taz.de -- Plädoyer für billige Schokolade: Schluss mit Adventskalendern voller unnützer Dinge!
> Adventskalender für Erwachsene, vollgestopft mit Lippenstiften, Gewürzen
> oder Sextoys, boomen. Profitieren tut davon vor allem die Industrie.
(IMG) Bild: Das waren noch Zeiten, als der Adventskalender nur aus Bildern bestand
Adventskalender sind ein wahres Fest – für diejenigen, die sie vertreiben.
Wer sich derzeit in Geschäften und Onlineshops umschaut, stellt fest: Fast
jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, [1][bietet einen
Adventskalender] an. Von Red Bull über Kosmetikmarken bis zu Erotikshops:
Alle preisen sie „ihre“ Adventskalender an. Amazon spuckt mehr als 20.000
Suchergebnisse aus, wenn man nach einem sucht.
Wer tiefer in das [2][Rabbithole der Adventskalender] eintaucht, erkennt
schnell, dass es wirklich alles gibt: Kerzen, Gewürze, Wein, Parfüm, Bier,
Getränke, die nicht Bier sind, Sexspielzeug, Nagellack, Sudoku,
Proteinriegel. Für die lieben Vierbeiner Leckerlies oder Spielzeug. Ein
Erotikversandhandel bietet sogar gleich drei Optionen an: einen Kalender
für erfahrene Paare, einen für unerfahrene und einen für alle – Preisspanne
zwischen 70 und 210 Euro.
Waren Adventskalender nicht mal was für Kinder? Seit wann öffnen Erwachsene
eigentlich Türchen, um sich das Warten auf Weihnachten zu vertreiben? War
die Frage damals nicht, ob man sich für die Billigvariante des Discounters
entscheidet, mit kleinen Schokofiguren, für die Mittelklassevariante von
Milka oder doch für die Luxusvariante von Lindt, kennt die Auswahl von
Adventskalendern im Jahr 2025 schier keine Grenzen mehr.
Spielehersteller haben die Lücke schon länger erkannt und Lego- oder
Playmobil-Adventskalender auf Kinderkanälen beworben. Doch vor ein, zwei
Jahrzehnten schien sich die Zielgruppe von Adventskalendern noch auf die
lieben Kleinen beschränkt zu haben, heute hingegen gibt es auch einen von
Porsche, bei dem man sich eine Miniatur des Modell Turbo 911 während der
Weihnachtszeit zusammenbauen kann.
## 15 Euro für 24 Teebeutel
Es gibt Kosmetikadventskalender, bei denen man hoffen kann, dass die
Produkte, die nicht zum individuellen Hauttyp passen, wenigstens bei der
nächsten Weihnachtsfeier im Betrieb oder Freundeskreis verwichtelt und
nicht unbenutzt weggeschmissen werden. Von der Vogue gibt es 24 Türchen mit
Cremes und Masken, für 425 Euro – Warenwert laut Angaben des Herausgebers:
1.850 Euro! Hat mal einer nachgerechnet, ob das stimmt? Was nicht stimmen
kann: 15 Euro für 24 Teebeutel.
Nehmen wir mal an, dass die Angaben zu den „Ersparnissen“ stimmen und man
der Logik folgt, dass man echt spart, wenn man sich das Zeug nicht einzeln
gekauft hat – dann sollte man sich immer noch fragen, ob man die 24
Türcheninhalte wirklich alle gekauft und gebraucht hätte.
Und wenn dann der Kalender einer bestimmten Marke knapp einen Monat im
Wohnzimmer oder auf dem Küchentresen steht, profitieren die Unternehmen
doppelt: durch Umsatz und von der kostenlosen Werbung in den vier Wänden
des Käufers.
## Weihnachten als Stressfest
Wer noch vom Kalender-Hype profitiert, sind Influencer; mit ihrem Unboxing
von Adventskalendern auf Social Media (apropos Social Media: Einen Kalender
mit Dubai-Schokolade gibt es mittlerweile auch). Und die schier unendliche
Auswahl an Adventskalendern macht Weihnachten noch stärker zum Stressfest
für alle, die in der Weihnachtszeit nicht sowieso schon jeden Euro umdrehen
müssen, um über die Runden zu kommen.
Wer der metaphorischen Konsumtanne die Spitze aufsetzen möchte, kauft
während dem seit einiger Zeit zur Black Week ausgerufenen Black Friday den
Adventskalender der Wahl im Sonderangebot. Neben all dem anderen Zeug, das
kein Mensch je wirklich braucht.
1 Dec 2025
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## AUTOREN
(DIR) Klaudia Lagozinski
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