# taz.de -- Feuer im indischen Goa: Ein Club wird zur Todesfalle
       
       > Bei einem Feuer am Sonntagmorgen in einem Nachtclub im westindischen
       > Bundesstaat Goa sind 25 Menschen ums Leben gekommen. Die Aufarbeitung
       > läuft.
       
 (IMG) Bild: Die verkohlten Innenräume des Nachtclubs in Arpora, Goa, der am frühen Sonntag in Brand geraten war
       
       Der Sonntag war ein schwarzer Tag für Goa. Laut Augenzeugenberichten brach
       in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein Feuer im ersten Stock eines
       Nachtclubs in dem westindischen Bundesstaat aus. Zu diesem Zeitpunkt
       befanden sich etwa 100 Gäste bei einem Show-Programm auf der Tanzfläche des
       Clubs „Birch by Romeo Lane“. Sie eilten aus den Räumlichkeiten, als sie die
       Flammen bemerkten. Mindestens 25 Menschen starben.
       
       Behörden zufolge sind die meisten der Todesopfer Mitarbeitende, außerdem
       sollen sich vier Tourist:innen unter ihnen befinden. Viele der Menschen
       erstickten, die vollständige Identifizierung der Toten dauerte am Sonntag
       noch an. Sechs weitere Personen sollen schwer verletzt worden sein.
       
       Das Unglück ereignete sich im Küstenort Arpora im Norden Goas, der wegen
       seiner Strände und seines lebendigen Nachtlebens bei Tourist:innen aus
       dem In- und Ausland beliebt ist. Zurzeit ist dort Hauptsaison. Zunächst
       deutete die Untersuchung darauf hin, dass das Feuer durch die Explosion
       eines Gaszylinders verursacht worden sein könnte. Später am Tag erklärte
       Goas Ministerpräsident Pramod Sawant, Indoor-Feuerwerk sei Ursache des
       Brandes gewesen. Er kündigte Entschädigungszahlungen an.
       
       Allerdings kamen wohl weitere Faktoren hinzu, die den Brand begünstigten:
       Die Räumlichkeiten waren aus leicht brennbarem Material gebaut, und der
       Club verfügte nur über einen schmalen Ein- und Ausgang und hatte
       eingeschränkte Fluchtwege. Zudem lag keine Baugenehmigung der Stadt- und
       Landesplanungsbehörde vor.
       
       Der Reporter [1][Rajdeep Sardesai] berichtet, dass der Club auf einem
       Grundstück gebaut wurde, das als Salztonebene (Fläche zur Salzgewinnung)
       beziehungsweise Obstplantage ausgewiesen war und stellt unbequeme Fragen:
       Wie konnte die örtliche Gemeindeverwaltung dann die Genehmigung erteilen?
       Wie wurden Strom- und Wasseranschlüsse bereitgestellt? Wer hat die
       Schanklizenz erteilt? Gab es eine Brandschutzprüfung?
       
       Dabei soll ein lokaler Abgeordneter bereits Monate vor dem Brand auf
       mehrere Verstöße im Gebiet Arpora hingewiesen haben. „Der Tourismus in Goa
       muss grundlegend überholt werden, um wirklich Weltklasse zu werden“, sagt
       der bekannte Moderator, der ursprünglich aus Goa kommt.
       
       Reaktionen aus der Politik 
       
       Der Vorfall dieses Ausmaßes löste eine Schockwelle aus. Zahlreiche
       Beileidsbekundungen folgten. Der indische Premierminister Narendra Modi von
       der hindunationalistischen Regierungspartei BJP sagte: „Das Brandunglück in
       Arpora, Goa, ist zutiefst erschütternd.“ Er versprach „jede erdenkliche
       Hilfe“ für die Betroffenen. Ministerpräsident Sawant (ebenfalls BJP)
       kündigte eine Untersuchung an, die die Ursache aufklären und die
       Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen solle. Clubs und Restaurants im
       Bundesstaat sollen nun überprüft werden.
       
       Denn der Brand wirft Fragen zur Einhaltung der Brandschutzmaßnahmen auf.
       Der indische Oppositionsführer [2][Rahul Gandhi] von der Kongresspartei
       bezeichnete den Vorfall als „kriminelles Versagen in Bezug auf Sicherheit
       und Regierungsführung“ und drückte sein Mitgefühl aus. „Mein aufrichtiges
       Beileid gilt den Hinterbliebenen, und ich wünsche den Verletzten eine
       schnelle Genesung.“ Er forderte ebenfalls eine gründliche und transparente
       Untersuchung, um sicherzustellen, dass sich solche Tragödien nicht
       wiederholen.
       
       Die ehemalige Regierungschefin der Hauptstadt Delhi, [3][Atishi Marlena],
       von der Partei AAP, griff die Lokalregierung scharf an: „Die BJP-Regierung
       in Goa ist für den Tod dieser 25 Menschen verantwortlich.“
       
       Unterdessen wurden ein lokaler Entscheidungsträger aus Arpora-Nagoa sowie
       der Manager des Nachtclubs festgenommen. Gegen zwei Eigentümer wurde ein
       Haftbefehl erlassen. Ein weiterer Club des Veranstalters Brich in Goa wurde
       am Sonntag geschlossen. Im Nachbarbundesstaat Maharashtra führten in der
       [4][Vergangenheit] Feuer in Gastrobetrieben in Mumbai zu verschärften
       Brandschutzmaßnahmen und dem Abriss nicht genehmigter Anbauten, um künftige
       Tragödien zu vermeiden.
       
       7 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/sardesairajdeep/status/1997550116664926519
 (DIR) [2] https://x.com/RahulGandhi/status/1997527310405390488
 (DIR) [3] https://www.devdiscourse.com/article/politics/3722501-goa-inferno-sparks-political-firestorm-aap-criticizes-cm-sawants-government
 (DIR) [4] https://www.ndtv.com/mumbai-news/mumbai-fire-civic-body-cracks-down-on-illegal-structures-at-restaurants-1793833
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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