# taz.de -- Stimme aus Brasilien: Ihr werdet euch in Belém verlieben!
> Die Bedingungen für eine Klimakonferenz sind schlecht in Belém. Aber das
> macht die Stadt schon wett, schreibt der Journalist Felipe Corona.
(IMG) Bild: Überteuerte Hotelzimmer sind ein großes Problem der COP30 in Belem
Die UN-Klimakonferenz findet dieses Jahr in Belém statt, einer
brasilianischen Millionenstadt im Amazonas-Regenwald. Die taz Panter
Stiftung hat zu diesem Anlass zehn Journalist*innen aus allen acht
Staaten in Amazonien nach Berlin eingeladen, um sich zu vernetzen, an
Seminaren teilzunehmen und voneinander zu lernen. In der Kolumne „Stimmen
aus Amazonien“ berichten sie davon, wie sie und ihre Landsleute auf den
Gipfel in Belém blicken.
Unterkünfte für Delegierte, Journalisten und Zivilgesellschaft in Belém
sind sehr teuer – die Stadt ist für eine solch große Menge von Menschen
nicht ausgelegt. Eine Frau wurde im Internet zum Meme, nachdem eine
Journalistin der TV-Sendung „Profissão Repórter“ von TV Globo ihr Haus am
Rande der Landeshauptstadt besucht hatte.
Ohne mit der Wimper zu zucken, wurde sie von der Reporterin gefragt, wie
viel das Zimmer an normalen Tagen kostet: 300 Reais (fast 50 Euro). Die
Reporterin fügte hinzu: „Und wie viel kostet es während der Konferenz?“.
Sie antwortete schnell: 6.000 Reais (fast 1.000 Euro).
Daraufhin gab es eine Flut von Beschwerden von Einwohnern aus Pará und
Menschen, die auf der Suche nach Unterkünften während der Klimakonferenz
der Vereinten Nationen waren. Ein weiteres symbolträchtiges Beispiel für
die Realitätsferne einiger war das Hotel Nota 10, das gekauft, renoviert
und in Hotel COP30 umbenannt wurde. Auch der Preis wurde angepasst: Die
Tagespreise von etwa 200 Reais (30 Euro) stiegen auf 6.000 Reais (fast
1.000 Euro).
## Kirchen haben sich für Wohnraum zusammengetan
Das Ergebnis: Etwas mehr als einen Monat vor der Veranstaltung war kein
einziges Zimmer vermietet. Der Eigentümer senkte den Preis auf 1.900 Reais
(275 Euro), was jedoch nicht viel half. Damit sich die Renovierung
irgendwie lohnt, hat der Eigentümer das gesamte Gebäude an eine große
ausländische Delegation vermietet, die das Gebäude wollte.
Nach Protesten von Brasilianern im ganzen Land haben sich die katholische
Kirche und einige evangelikale Konfessionen zusammengetan, um 3.000 Betten
zu symbolischen Preisen anzubieten, ähnlich wie beim Círio de Nazaré, dem
wichtigsten katholischen Fest, das den Tourismus in Pará ankurbelt. Dadurch
sind die Preise erheblich gesunken.
Ein weiterer Punkt, der ebenfalls etwas zu wünschen übrig lässt, ist die
Frage des Umweltschutzes. Es wurden einige Bauarbeiten rund um die Igarapés
(kleine Flüsse) in Belém eingeleitet. Allerdings sind die Gewässer stark
verschmutzt und riechen unangenehm. Seit der Ankündigung, dass die
Klimakonferenz in der Stadt stattfinden würde, hätten die Landesregierung
und die Stadtverwaltung ein Programm zur Reinigung der Gewässer starten
können, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Das wird – wenn überhaupt –
wohl erst nach der Konferenz geschehen.
Nichtsdestotrotz: Ich war bereits zweimal in Belém. Und ich kenne die
Gastronomie: Dank Tacacá (eine Art Suppe aus Jambu-Blättern und Garnelen),
Açaí (das beste der Welt), Maniçoba (Eintopf aus Pará mit Maniva-Blättern
und Schweinefleisch), Vatapá (Creme mit Garnelen) und Pato no Tucupi
(ähnlich wie Tacacá, nur mit Ente) und so vielen anderen Köstlichkeiten
werden die Besucher sich sofort in die Stadt verlieben.
Hinzu kommen noch Carimbó-Musik und -Tanz, die Naturschönheiten,
historische Gebäude und Orte, die Freundlichkeit und Herzlichkeit der
Einwohner von Pará. All das wird die Schwierigkeiten, denen wir dort
begegnen werden, wieder wettmachen. Und ich bin mir sicher: Wenn Sie einmal
in Belém waren, werden Sie immer wieder zurückkommen – und vielleicht sogar
dort leben wollen.
11 Nov 2025
## AUTOREN
(DIR) Felipe Corona
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