# taz.de -- WM-Qualifikation im Männerfußball: Die unwiderstehliche Strahlkraft des Fußballs
       
       > Die finalen Gruppenspiele um WM-Tickets sorgen einmal mehr für emotionale
       > Rauschzustände. An die finstere Fifa will dabei wirklich keiner denken.
       
 (IMG) Bild: Nackte Freude: Ein Fan jubelt über die WM-Teilnahme von Schottland
       
       Erst mal runterkommen! Emotional ein wenig ausnüchtern. Sacken lassen, was
       der Fußball mal wieder ausgelöst hat. Was waren das aber auch für
       Geschichten, die in den vergangenen Tagen geschrieben wurden! Wie heißt es
       doch so schön? Geschichten, wie sie nur der Fußball schreiben kann.
       Fußballzwerge, die es zur WM schaffen. Aus schottischen Füßen gezauberte
       Traumtore, die den Weg ebnen zum Turnier in Mexiko, den USA und Kanada.
       Stadien, die in Tränen versinken, Tränen der Trauer und der Freude.
       
       Ein junger Mann namens Troy Parrott, von dem zuvor niemand so recht wusste,
       ob er wirklich gut Fußball spielen kann, [1][der in zwei Spielen fünf Mal
       für Irland getroffen hat] und tief in der Nachspielzeit der Partie gegen
       Ungarn die Hoffnung Irlands auf die Qualifikation für die WM am Leben
       gehalten hat. Ein österreichischer Stürmer, den sie Gregerl nennen, der
       stolz seine Speckrolle zeigt, nachdem er Österreich zur WM-Quali geschossen
       hat. Irgendeine Inselrepublik, in der kaum jemand lebt, die im nächsten
       Sommer mit den großen Fußballnationen mitkicken darf. Und sogar die
       Deutschen sichern sich ihr WM-Ticket [2][so, dass es einem einfach gefallen
       muss]. Es war eine Woche des schieren Fußballwahnsinns.
       
       Wer sie der Fußballwelt beschert hat, darüber möchte man am liebsten gar
       nicht nachdenken. Es ist die Fifa, der Internationale Fußballverband,
       dessen Weltmeisterschaft eine Strahlkraft hat, mit der in unserem
       Planetensystem eigentlich nur die Sonne selbst mithalten kann – wenn
       überhaupt.
       
       ## Finstere Fifa
       
       Mit jedem Whisky, der in Irland auf das 2:0 gegen Portugal getrunken wurde,
       mit jedem Bier, das schottische Fans nach dem in der Nachspielzeit
       errungenen 4:2 gegen Dänemark gesoffen haben, und mit jeder Meldung in
       seriösen Medien, dass sich nun eine Inselgruppe, deren Name man bisher nur
       mit einem zuckersüßen Gesöff assoziiert hat, erstmals für eine WM
       qualifiziert hat, strahlt das Turnier noch mehr.
       
       Wer mag bei all diesen Geschichten schon an die finstere Historie der Fifa
       denken? An die WM in Katar, für die so viele Menschen auf Baustellen
       gestorben sind. An das Propagandaspektakel, das die Fifa Wladimir Putin
       2018 beschert hat. An die Ausflüge von [3][Gianni Infantino in die Gedärme
       von US-Präsident Donald Trump]. Auch an die unselige Vergabe der WM 2034 in
       das Königreich Saudi-Arabien, das mit seinen Petromilliarden das
       Fußballbusiness immer weiter antreibt, mag niemand denken, wenn er die
       Bilder einer Traube jubelnder Spieler nach dem Schlusspfiff sieht.
       
       Und die Freude darüber, dass im kommenden Jahr bei der WM auch die Hymne
       der Inselrepublik Kap Verde zu hören sein wird, mag man sich doch nicht mit
       dem Wissen darüber trüben lassen, dass die Fifa das Turnier auf 48
       Teilnehmer aufgeblasen hat. Mit der Erweiterung des Teilnehmerfeldes hat
       die Fifa derartige Wundergeschichten ja erst ermöglicht.
       
       Gerade prüft die Fifa eine Erhöhung der Teilnehmerzahl auf 64. Es gibt gute
       Gründe, das als Irrsinn zu bezeichnen. Und doch wird man die
       Wundergeschichten, derer es ja dann noch mehr geben wird, wieder dankbar
       aufsaugen, sollte die Erweiterung kommen. Und jetzt? Noch mal ein Video vom
       Fallrückzieher des Schotten Scott McTominay anschauen. Über die Fifa ärgern
       wir uns dann morgen wieder.
       
       19 Nov 2025
       
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