# taz.de -- Auswertung von AfD-Reden im Landtag: Auf 390 Seiten gegen die Verfassung
       
       > Die bayerischen Grünen haben Reden der AfD ausgewertet. Das Ergebnis
       > spricht aus Grünen-Sicht für ein Verbot der Partei, „bevor aus Worten
       > Taten werden“.
       
 (IMG) Bild: Zwei der Beteiligten der 390 Seiten hier im Bild: Landtagsmitglied Christoph Maier und Katrin Ebner-Steiner (3. und 4. v. l.)
       
       Schon beim Anblick des Schriftstücks, das einem die Grünen-Mitarbeiterin am
       Montagmorgen in die Hand drückt, gruselt es einen: In Frakturschrift
       prangen dort auf der Titelseite Vokabeln: „Volksfeindlich“,
       „Scheinasylanten“, „Bevölkerungsaustausch“, „Massenvergewaltiger“,
       „multiethnische Besiedlungszone“. Die Begriffe sind dem entnommen, was die
       Mitglieder der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag zwischen 2018 und 2023
       von sich gegeben haben, also in ihrer ersten Legislaturperiode.
       
       Zu einer Zeit also, als Teile der Fraktion bisweilen noch als „gemäßigt“
       bezeichnet wurden. Damals gab es einen erbitterten Streit, den die Anhänger
       des Thüringer Rechtsextremisten Björn Höcke rund um Fraktionschefin Katrin
       Ebner-Steiner gewannen. Seit Herbst 2023 besteht die Fraktion praktisch nur
       noch aus dieser Gruppe. Zwei der Abgeordneten werden derzeit vom
       Verfassungsschutz beobachtet.
       
       [1][Das 390 Seiten dicke Buch] ist nun im Wesentlichen nichts anderes als
       eine kommentierte Zitatesammlung. 21.880 Seiten Plenarprotokolle hat eine
       kleine Gruppe von Grünen rund um den Landtagsabgeordneten Toni Schuberl
       dafür ausgewertet. Die Herausgeberin, die Grünen-Fraktion im bayerischen
       Landtag, will es als Beitrag zur Debatte um ein Verbot der AfD verstanden
       wissen. „Die AfD sollte verboten werden“, so die Warnung, „bevor aus Worten
       Taten werden“.
       
       ## Verfassungsschutz beobachtet nicht im Plenarsaal
       
       Das Buch trägt denn auch den Titel „Aus Worten werden Taten“. Mit dem Werk,
       so Schuberl am Montag im Pressegespräch, schließe man eine Lücke, denn der
       bayerische Verfassungsschutz habe es bislang unterlassen, Äußerungen
       auszuwerten, die im Parlament fielen – zum „Schutz des freien Mandats“. Das
       Bundesverfassungsgericht habe aber bereits klargestellt, dass gerade
       Aussagen, die in den Parlamenten fallen, zentral für ein
       Parteiverbotsverfahren seien.
       
       Und es ist ja nicht so, dass die AfD-Abgeordneten sich im Parlament
       handzahm geben. Im Gegenteil: Oft, scheint es, richten sich ihre
       Landtagsreden gar nicht an das vor ihnen versammelte Parlament, sondern
       sind nur dafür konzipiert, die eigenen Kanäle in den sogenannten sozialen
       Medien möglichst passgenau zu bespielen.
       
       Alle Beiträge sind auch auf der Website des Landtags als Protokoll
       nachzulesen oder im Video nachzuschauen. Da kann man dann etwa den
       Parlamentarischen Geschäftsführer Christoph Maier über den drohenden
       „Bevölkerungsaustausch“ schwadronieren hören: „Sie haben sich damit
       politisch kastriert und unser Land kampflos den Globalisten und
       Multikulturalisten übergeben. (…) Biodeutsche werden ersetzt durch
       Neudeutsche, was auch immer das sein mag. Ein Volk soll einfach
       ausgetauscht werden.“
       
       Oder der Abgeordnete Oskar Atzinger: „Bis vor nicht allzu langer Zeit
       bekamen auch die deutschen Familien genügend Kinder, um den Fortbestand des
       Volkes zu gewährleisten. Seit einigen Jahrzehnten aber ist dies nicht mehr
       der Fall. Stattdessen importiert man hierzulande inzwischen Menschen und
       überlässt das Kinderkriegen lieber den Migranten.“
       
       ## Verwandtschaft mit dem frühen Nationalsozialismus?
       
       Für Schuberl steht fest: Die AfD-Fraktion vertritt ein geschlossen
       rechtsextremes Weltbild. „Da ist nicht einem mal was rausgerutscht, das
       erstreckt sich über die ganze Fraktion.“ Die Zeit der Ausreden sei daher
       vorbei.
       
       Der Jurist sieht auch eine Wesensverwandtschaft mit dem frühen
       Nationalsozialismus. So tauche der Verschwörungsmythos des
       Bevölkerungsaustauschs bereits in Hitlers „Mein Kampf“ auf. Und wenn
       beispielsweise der AfD-Abgeordnete Maier Deutsche, die mindestens einen
       Elternteil haben, der nicht in Deutschland geboren sei, als Nichtdeutsche
       klassifiziere, erinnere ihn das doch sehr an die Nürnberger Rassengesetze
       der Nazis.
       
       Die Grünen fordern nun die Einsetzung einer Bund-Länder-Kommission mit dem
       Ziel, ein Verbotsverfahren auf den Weg zu bringen.
       
       Die bayerische AfD selbst indes war am vergangenen Wochenende mal wieder
       mit sich selbst beschäftigt. Bei ihrem Parteitag in Greding fand ein
       Antrag, acht Vorstandsmitglieder abzuwählen, nicht die nötige
       Zweidrittelmehrheit. Die Parteispitze steht somit erst im kommenden Jahr
       zur Wahl respektive Abwahl. Die Kluft ist allerdings keine inhaltliche.
       Teilen des Vorstands wurde beispielsweise vorgeworfen, mangelndes
       Engagement für die Kommunalwahlen im März zu zeigen.
       
       28 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.gruene-fraktion-bayern.de/fileadmin/bayern/Dateien/Antr%C3%A4ge_AzP_SAN_Gutachten_etc/2025/251024_Aus_Worten_werden_Taten_digitale_Publikation_Okt._2025.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
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