# taz.de -- Geflügelpest in Brandenburg und Berlin: Im Würgegriff der Vogelgrippe
       
       > So schlimm war es wohl noch nie: In Brandenburg wurden schon 140.000
       > Nutzvögel getötet, jetzt droht die landesweite Stallpflicht.
       
 (IMG) Bild: Erwischt es ihn als nächstes?
       
       taz | [1][Die Vogelgrippe hat die Region weiter fest im Griff.]
       Brandenburgs Landwirtschafts- und Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD)
       schließt nun auch eine landesweite Stallpflicht für Geflügel nicht mehr
       aus, möglicherweise noch in dieser Woche. Wegen der „sehr dynamischen
       Entwicklung“ bei der Ausbreitung der Krankheit werde man das wohl mit den
       Landkreisen entscheiden, sagte sie am Dienstag. Noch am Montag hatte sie
       einer landesweiten Stallpflicht eine Absage erteilt.
       
       Um die Ausbreitung der hochpathogenen Aviären Influenza H5N1 einzudämmen,
       wurden in diesem Herbst laut Mittelstädts Ministerium bis Dienstagmittag
       schon rund 140.000 Tiere in Zuchtbetrieben getötet, darunter 80.000 Enten
       und Gänse, 50.000 Hühner sowie 6.000 Puten. Bei diesen Zahlen dürfte das
       Ausmaß des bislang größten Vogelgrippeausbruchs 2016/ 2017 bald
       überschritten werden. Damals wurden insgesamt 155.000 Tiere in Brandenburg
       getötet. Bei Nutztieren wird die Vogelgrippe auch als „Geflügelpest“
       bezeichnet.
       
       In Berlin wird aktuell noch nicht über die „Aufstallungspflicht“
       nachgedacht, bei der Züchter und Halter ihre Vögel in geschlossene Räumen
       verbringen oder zumindest Käfige und Volieren mit Planen gegen den Kontakt
       zu Wildvögeln abschirmen müssen. Wie eine Sprecherin der zuständigen
       Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz betonte, sind die Bezirke
       für solche Anordnungen zuständig. Ihr seien aber keine solchen Bestrebungen
       bekannt.
       
       Im Zoo und im Tierpark hat man allerdings prophylaktische Maßnahmen
       ergriffen und Vögel wie Pelikane und Störche vorzeitig in die
       Winterquartiere gebracht. Komplett lasse sich der Kontakt zu Wildvögeln
       aber nicht verhindern, sagte Zoo-Tierarzt Andreas Pauly. Gerade im Zoo mit
       seiner Nähe zu den Gewässern des Tiergartens und zum Hardenbergplatz, wo
       viele Tauben und Krähen lebten, sei das kaum zu gewährleisten.
       
       ## Ein Superspreading droht
       
       Derk Ehlert, Wildtierexperte in der Senatsumweltverwaltung, rät den
       BerlinerInnen dringend, vorerst auf das Füttern von Wildvögeln zu
       verzichten: „Das Virus ist hochpathogen, hat aber zum Teil lange
       Inkubationszeiten.“ Konzentrierten sich die Tiere beim Füttern in großer
       Zahl an einem Ort, könne das zum „Superspreader-Event“ werden.
       
       Laut Ehlert sind nicht alle Vogelarten gleich sensibel für das Virus – die
       Kraniche, [2][von denen etwa im Rhinluch schon an die 2.000 tot
       eingesammelt wurden], haben offenbar besonders wenig Glück. Dagegen ist
       Ehlert von Fällen etwa bei Stadttauben zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts
       bekannt. „Das muss aber nichts heißen“, räumt er ein.
       
       In Bezug auf die Verbreitungswege der hochansteckenden Virusvariante gibt
       die Biologin Silke Sorge vom Verein Wildtierschutz Deutschland vor allem
       der industriellen Geflügelzucht Schuld. Die These des
       Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), dass Zugvögel die Viren aus Südostasien
       eintrügen, sieht sie mit Skepsis.
       
       „Es braucht einen gewaltigen Spagat, um einen solchen Zugweg zu
       konstruieren – und dann auch mit der lebensbedrohlichen Variante infizierte
       Vögel, die gesund genug sind, diesen zu überstehen“, so Sorge. Sie macht
       die vielerorts übliche – in Deutschland verbotene – Impfung für das
       Entstehen stark pathogener Varianten verantwortlich: Geimpftes Geflügel
       erkranke nicht, produziere aber noch Viren und scheide sie aus. „Unter
       diesen Bedingungen konnten in geimpften Vögeln mehrere Vogelgrippeviren
       aufeinandertreffen und zum ‚Supervirus‘ mutieren.“
       
       28 Oct 2025
       
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