# taz.de -- Spin-off „Ballerina“ der John-Wick-Filme: Zu sagen, dass Leichen ihren Weg pflastern, ist untertrieben
> Unerwartet wurden die Actionfilme um John Wick zu einem großen Erfolg.
> Der erste Spin-off, „Ballerina“, handelt vom Rachefeldzug einer jungen
> Frau.
(IMG) Bild: Die Ballerina Eve (Ana de Armas) nutzt Waffen aller Art, denn sie hat gut damit zu tun, sich ihrer Haut zu erwehren
Teller und Tassen, Flammenwerfer, Messer, Plastikpatronen, große und kleine
Kaliber, alles, was sticht, schlitzt, schießt, explodiert, brennt,
Hauptsache, irgendwie tötet: Eve (Ana de Armas) kann Waffen aller Art
brauchen, denn sie hat gut zu tun, sich ihrer Haut zu erwehren. Sie ist als
Kind in die Sache geraten, und diese Sache ist die Welt von John Wick. Man
hat ihren Vater ermordet, sie ausgebildet zur Ballerina und zur
Tötungsmaschine, und so begibt sie sich, nun erwachsen, auf einen
Rachefeldzug. Zu sagen, dass Leichen ihren Weg pflastern, wäre stark
untertrieben.
Vor elf Jahren kam das John-Wick-Franchise auf die Welt. Niemand hatte viel
auf den Film gewettet, der ein Ab-18-Actioner unter Dutzenden schien. Keanu
Reeves, der den Titelhelden spielt, schien eher auf dem absteigenden Ast
und für einen alle Martial Arts beherrschenden Killer auch schon zu alt.
Der Drehbuchautor hatte Regalmeter unverkaufter Drehbücher zu Hause stehen,
die Regisseure waren Action-Spezialisten, denen man kaum mehr als niedere
Streamingware zugetraut hätte. Aber dann wurde die Sache ein Riesenerfolg,
nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der Kritik, und zwar völlig zu
Recht. Es folgten Teil zwei, drei und vier, keiner von ihnen war schlecht –
mit dem angekündigten fünften Film ist dann wohl Schluss.
Und so wurde es Zeit für ein Spin-off. Statt John Wick, der nur zwei
Auftritte hat, rückt nun die Killer-Ballerina ins Zentrum. Anderer Autor,
anderer Regisseur, nämlich der einst mit den
Vampir-Action-Horror-„Underworld“-Filmen zu Ruhm gelangte [1][Len Wiseman],
aber die Trademark ist auf Anhieb wiedererkennbar. Die Reihe spielt in
einer Welt, die einerseits die Gegenwart ist, andererseits aber stark auf
Mythisches setzt. Es herrschen mit Grandezza auftretende
Gangsterorganisationen, zentraler Schauplatz sind Luxushotels, die als
Refugien dienen, mit einem Portier namens Charon, nicht der einzige Wink in
Richtung Antike. Die Autos und Waffen, das vertraute New York und in
„Ballerina“ zwischendurch Prag sind eindeutig heutig, aber Telefongespräche
werden hier mit alter Stöpseltechnik vermittelt und Nachrichten per
Rohrpost verschickt. Das Ganze ist mit einem Wort lustvoll synkretistisch.
## Die Kämpfe sind hart, blutig, nicht smooth
Eve wird Mitglied eines russischen Clans mit Andrei-Tarkowski- und
„Schwanensee“-Kolorit. Name: Ruska Roma, der Boss bzw. The Director, ist
eine Zigarren rauchende Lady, von Anjelica Huston mit Gusto gespielt. Nach
einigem Auftragsaufwärmgemetzel beginnt Eve dann einen Rachefeldzug auf
eigene Faust, mit einem langen und glorreichen Finale am Hauptsitz des
Bösen (final boss: Gabriel Byrne), und dieser Hauptsitz liegt aparterweise
im österreichischen Alpenidyll Hallstatt (der Originalversion, nicht der in
China nachgebauten Kopie).
Die Kämpfe sind hart, blutig, nicht smooth, sondern handfest, und in ihrer
Krassheit gerne grotesk. Was dem John-Wick-Universum bei aller
ausgekosteten Absurdität aber fern liegt, ist Selbstironie. Es ist eine
Reihe, die wirklich viel Liebe ins world building steckt, in Archaismen,
die als der Quatsch, der sie sind, nur funktionieren, wenn die Fiktion sie
für die Dauer ihrer rasch verfliegenden Laufzeit auch ernst nimmt.
So bekommen die Kämpfe schöne mythische Wucht. Und nur so kommt „Ballerina“
durch mit einem Duell in den Gassen von Hallstatt, in dem das Böse den
Flammenwerfer und das Gute den Wasserschlauch in der Hand hat: ein
veritables Elementarkraft-Finale. Im Schnee. Im Alpenidyll. Anjelica Huston
als Boss ist nicht amüsiert. Aber es wird sie nicht hindern, sich in
Erwartung hoffentlich kommender Sequels die nächste Zigarre anzustecken.
23 Oct 2025
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## AUTOREN
(DIR) Ekkehard Knörer
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