# taz.de -- Friedensplan im Nahost-Konflikt: Nie war der Frieden näher
       
       > Israel und die Hamas haben sich auf eine erste Phase eines Friedensplans
       > geeinigt. Noch sind Fragen offen – aber auf beiden Seiten herrscht
       > erstmal Freude.
       
 (IMG) Bild: Jubel nach der Ankündigung, dass Israel und die Hamas sich auf die erste Phase eines Friedensplans geeinigt haben. Tel Aviv, 9. Oktober
       
       Tel Aviv-Jaffa taz | Die Nachricht über einen bevorstehenden
       Waffenstillstand hat im Gazastreifen und in Israel Tränen der Freude
       ausgelöst: „Sie kommen zurück“, rief eine sichtlich erleichterte Einav
       Zangaucker, die Mutter [1][der noch immer im Gazastreifen gefangenen
       Geisel] Matan Zangauker, in der Nacht auf Donnerstag auf dem Platz der
       Geiseln in Tel Aviv. „Danke an US-Präsident Trump, danke an alle, die
       geholfen haben, meinen Sohn und die Geiseln zurückzubringen.“
       
       Auf Videos war zu sehen, wie Angehörige und Unterstützer sich in die Arme
       fielen. Sie hatten seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober vor zwei Jahren
       unermüdlich für die Rückkehr ihrer Liebsten und eine Verhandlungslösung
       gekämpft.
       
       In Chan Junis im Süden des Gazastreifens versammelten sich in der Nacht
       jubelnde Menschen, unter anderem vor dem Al-Nasser-Krankenhaus. „Ich weiß
       überhaupt nicht, was ich fühlen soll“, sagte eine junge Bewohnerin aus
       Gaza-Stadt, die vor zwei Wochen vor der vorrückenden israelischen Armee
       nach Deir al-Balah im Zentrum des Küstenstreifens geflohen war, am Telefon.
       „Aber das Töten wird bald aufhören und das ist alles, was zählt.“ Doch am
       Donnerstag meldete der Zivilschutz in Gaza zunächst weitere Luftangriffe.
       
       Es ist ein diplomatischer Erfolg fast auf den Tag genau zwei Jahre [2][nach
       den Massakern der Hamas in Südisrael, bei denen rund 1.200 Israelis getötet
       und 251 verschleppt wurden]. Seitdem starben bei israelischen Angriffen in
       Gaza laut dem örtlichen Gesundheitsministerium mehr als 67.000
       Palästinenser, die große Mehrheit von ihnen Zivilisten. Weite Teile des
       Gebietes sind vollständig zerstört. Zahlreiche Beobachter werfen Israel
       vor, [3][einen Völkermord zu begehen.]
       
       Nun haben sich Israel und die radikalislamische Hamas nach Verhandlungen im
       ägyptischen Scharm al-Scheich auf eine „erste Phase“ eines Friedensplans
       geeinigt. Laut dem von Trump vorgeschlagenen 20-Punkte-Plan sollen zunächst
       die Kämpfe eingestellt und binnen 72 Stunden die rund 20 noch lebenden
       israelischen Geiseln gegen rund 2.000 in israelischen Gefängnissen
       festgehaltene Palästinener ausgetauscht werden. Die Leichen von knapp 30
       weiteren Entführten könnten laut der Nachrichtenagentur AP erst zu einem
       späteren Zeitpunkt übergeben werden.
       
       ## Hamas bestätigt die Einigung
       
       Trump selbst hatte die Einigung in der Nacht auf seiner Plattform Truth
       Social bekanntgegeben. Die Freilassung der Geiseln und der Rückzug der
       israelischen Truppen auf eine bisher nicht bekannte vereinbarte Linie seien
       „erste Schritte zu einem starken, dauerhaften und ewigen Frieden“.
       [4][Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas begrüßte Trumps Ankündigung des
       Deals.]
       
       Die Hamas bestätigte die Einigung. Damit solle der „Krieg gegen Gaza
       beendet, die Besatzungstruppen abgezogen, Hilfslieferungen zugelassen und
       Gefangene ausgetauscht werden“, verkündete ein Sprecher im
       Golf-Nachrichtensender Al-Arabiya. Er forderte Trump und die Garantiemächte
       auf, die Einhaltung des Deals durch Israel sicherzustellen.
       
       Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von „einem großen Tag
       für Israel“. Noch am Donnerstag wolle er die Regierung zusammenrufen, um
       die Einigung abzusegnen. Das Abkommen für die erste Phase soll noch am
       Donnerstag in Ägypten unterzeichnet werden. Ein Sprecher des
       [5][katarischen Außenministeriums] erklärte, die Einigung werde zu einem
       Ende des Krieges führen, Einzelheiten würden „später bekannt gegeben“.
       
       ## Viele Fragen bleiben offen
       
       Tatsächlich bleiben viele Fragen offen: Bis wohin sollen sich die
       israelischen Truppen zurückziehen? Wie steht die Hamas zu der Bedingung,
       ihre Waffen abzugeben, was sie stets abgelehnt hatte? Von wem wird der
       Gazastreifen in Zukunft regiert und wer wird dort für Sicherheit sorgen?
       Trump schrieb dazu lediglich: „Alle Parteien werden fair behandelt“, ohne
       zu sagen, was das heißen soll.
       
       Entscheidend dürfte auch sein, ob Donald Trump sich auch in Zukunft für
       eine Umsetzung und weitere Verhandlungsrunden auf dem Weg zu einem
       dauerhaften Frieden engagieren wird. Der US-Präsident fordert für sich
       schon länger [6][den Friedensnobelpreis] und behauptet mit mangelnder
       faktischer Grundlage, er habe bereits „sieben Kriege beendet“. Ein
       Friedensabkommen oder auch nur eine dauerhafte Waffenruhe zwischen Israel
       und der Hamas könnte aber tatsächlich zu einem der wichtigsten
       außenpolitischen Erfolge seiner Präsidentschaft werden.
       
       Seine Geduld und Aufmerksamkeitsspanne gilt jedoch als eher begrenzt. Ohne
       den immensen Druck der USA als Israels wichtigstem Verbündeten sowohl auf
       Israel und die Hamas wäre eine Einigung kaum möglich gewesen. Ohne diesen
       Druck dürften auch weitere Gespräche wenig Aussicht auf Erfolg haben. In
       einem Interview mit Fox News sagte Trump wenige Stunden nach der
       Verkündung, die USA würden eine Rolle beim Wiederaufbau Gazas spielen. Noch
       am Mittwoch hatte er einen Besuch in der Region am Wochenende in Aussicht
       gestellt.
       
       9 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://www.wafa.ps/Pages/Details/133545
 (DIR) [5] /Angriff-auf-die-Hamas-in-Katar/!6113153
 (DIR) [6] /Pakistans-Nominierung-von-Trump/!6092788
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Wellisch
       
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