# taz.de -- Weitere Straßen für Helmut Kohl: Muss das sein?
       
       > Berlin und Ludwigshafen wollen Straßen nach dem Ex-Kanzler benennen. In
       > Berlin trifft es die Hofjägerallee. Dabei gäbe es eine geeignetere
       > Strecke.
       
 (IMG) Bild: Für die Jüngeren sei hier erklärt: In uralter Zeit herrschte über die BRD ein Bundeskanzler mit dem schönen Namen Helmut Kohl
       
       In Berlin und Ludwigshafen will man Straßen nach Helmut Kohl benennen,
       andernorts gibt es das bereits. „Wermut Wer?“, fragen nun viele, „den kennt
       doch nicht einmal Markus [1][Söders Tochter].“
       
       Doch für die Jüngeren sei hier erklärt: In uralter Zeit, als die Menschen
       noch glücklich waren, herrschte über die BRD viele Jahre ein Bundeskanzler
       mit dem schönen Namen [2][Helmut Kohl] (CDU). Der Mann ist tot. Nun soll
       der bei sämtlichen Weltenbürgern äußerst beliebte Pfälzer geehrt werden.
       
       In Ludwigshafen soll besagte Straße, so Gott will, [3][im Jahr 2032] fertig
       sein. Sie befindet sich noch in der Planung. [4][In Berlin] wird es
       schneller gehen, da die entsprechende Straße bereits vorhanden ist: Die
       jetzige Hofjägerallee, eine sechsspurige Hauptverkehrsschneise, die durch
       den Tiergarten zum Großen Stern mit der Siegessäule führt.
       
       „Eine große Straße für einen großen Mann“, kündigte Kai Wegner (CDU) die
       Ehrung an. Der Berliner Bürgermeister hat Humor, hätte man in diesem
       Zusammenhang doch bei „groß“ eher an eine übertragene Bedeutung wie
       „rechtschaffen“, „fortschrittlich“ oder „verdienstvoll“ gedacht. Und nicht
       an einen klobigen Riesen, der einst alles zertrampelte, was sich ihm in den
       Weg stellte, den „Elefant aus Oggersheim“, einem Stadtteil von
       Ludwigshafen.
       
       Eine bessere Wahl als die Hofjägerallee wäre jedoch, sowohl von der Größe
       als auch ihrer brutalistischen Ästhetik her, der neueröffnete Appendix
       [5][der Berliner Stadtautobahn BAB 100]: breit, laut, und auch der
       notorische Stau am Ende gemahnt an den von Kohl mitzuverantwortenden
       jahrzehntelangen Reformstau. Überdies spielt der sinnlose Autobahnabschnitt
       elegant auf immense Geldflüsse an, von denen keiner mehr weiß, von wem an
       wen, warum und wofür – eine feine Reminiszenz an Kohls Parteispendenaffäre.
       
       Apropos Geld: Da die neue Helmut-Kohl-Allee in Ludwigshafen erst gebaut und
       dazu eine alte Hochstraße abgerissen werden muss (Gesamtkosten eine knappe
       halbe Milliarde Euro), würde sich der Exkanzler von seiner Heimatstadt
       sicher mehr gewürdigt fühlen. Schließlich müssen in Berlin nur ein paar
       schäbige Straßenschilder umgepinselt werden. Aber mit der Hauptstadt soll
       der zu Ehrende ohnehin nie besonders warm geworden sein.
       
       Immerhin hat man den Straßennamen keiner bestimmten Persönlichkeit
       weggenommen, sondern nur den wechselnden Hofjägern des preußischen Königs,
       die dort ihr Häuschen hatten. Fast schon überraschend, angesichts eines
       Zeitgeists, der allzu gern antifaschistische Spuren aus dem Stadtbild
       tilgen würde. Denn da ließen sich jetzt doch prima zwei Fliegen mit einer
       Klappe schlagen: politisch korrekte Umbenennungen canceln und dann durch
       Helmut Kohl ersetzen.
       
       27 Sep 2025
       
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