# taz.de -- Bürgermeisterwahl in Brandenburg: Frischer Wind für Potsdam
> In Potsdam gewinnt die parteilose Noosha Aubel die erste Runde der
> OB-Wahl. Die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten ist ein Duell zweier
> Linksliberaler.
(IMG) Bild: Noosha Aubel (parteilos) kann nun in der Stichwahl in zwei Wochen Geschichte schreiben
Potsdam taz | Vor zwei Jahren war Noosha Aubel aus der Potsdamer
Stadtpolitik geflüchtet, am Sonntag ist sie fulminant zurückgekehrt. Mit 34
Prozent hat die 49-Jährige die erste Runde der Oberbürgermeisterwahl in der
Landeshauptstadt deutlich gewonnen und zieht damit als Favoritin in die
Stichwahl ein. In dem kurzen, sachlichen Wahlkampf hatte sie mit dem Slogan
„Überparteilich. Für Alle“ für sich geworben.
Tatsächlich steht hinter der Verwaltungsfachfrau ein Bündnis verschiedener,
mehr oder weniger linker Parteien aus der Stadtverordnetenversammlung,
bestehend aus Bündnis90/Grüne, die Andere, Volt und BSW. Sie unterstützten
die Kandidatur der früheren Beigeordneten für Bildung, Kultur, Jugend und
Sport, um den „Verkrustungen der Potsdamer Politik“ etwas Neues
entgegenzusetzen, sagt Rebecca Lea Freudl, Vorsitzende der Grünen in
Potsdam.
In der Verwaltung der Landeshauptstadt hatte Aubel von 2017 bis 2023
gearbeitet und war nach Querelen mit dem inzwischen abgewählten
Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) in ähnlicher Funktion nach Flensburg
gewechselt. So ganz weg war sie allerdings nicht, ist sie doch mit dem
langjährigen Potsdamer Linkenpolitiker Sascha Krämer (inzwischen parteilos)
liiert, der auch ihren professionellen Wahlkampf managte.
Ein Sieg Aubels würde für Potsdam etwas mehr demokratische Normalität
bedeuten, das bekanntlich vom Wechsel lebt. Davon gab es in der Spitze der
Landeshauptstadt in den vergangenen 35 Jahren nicht viel. Seit 1990 stellte
die SPD das Stadtoberhaupt, Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung
berichten von einem SPD-Filz, der sich dort breit gemacht habe.
## SPD-Kandidaten kannte niemand
Nach der Abwahl Schuberts durch einen knapp verlorenen Bürgerentscheid im
Frühling gelang es der SPD nicht, aus den eigenen Reihen einen Kandidaten
für den Posten zu begeistern. Politische Schwergewichte in Brandenburg wie
Wissenschaftsministerin Manja Schüle oder Wirtschaftsminister Daniel Keller
sagten ab. So schickten die Sozialdemokraten schließlich den 41-jährigen
Severin Fischer aus Berlin ins Rennen, enger Wegbegleiter Franziska
Giffeys.
Als Fischer im Juni in den Wahlkampf startete, kannte ihn in Potsdam
niemand und er kannte die Stadt nicht. Am Sonntag schaffte er es trotzdem
mit einer zarten Mehrheit von 340 Stimmen vor dem CDU-Kandidaten auf den
zweiten Platz, und damit in die Stichwahl. „War ein harter Ritt“, sagt
Fischer, „aber so, wie ich mir die knapp 17 Prozent erarbeitet habe, werde
ich in den nächsten Wochen aufholen.“
Durch Haustürwahlkampf und persönlichen Dialog wolle er die Wähler
erreichen, die am Sonntag für andere Kandidaten gestimmt hätten. Der
Wahlkampf werde sich jetzt verändern, denn „Gott sei Dank ist die AfD nicht
mehr dabei“. Jetzt könne man die Unterschiede zwischen den demokratischen
Bewerber:innen deutlicher machen.
Auf das persönliche Gespräch will auch Noosha Aubel setzen. „Ich möchte
darin mit meiner Agenda und meiner Person überzeugen“, sagt sie. Das gelte
auch für die Wahlbezirke im Potsdamer Süden, die der AfD-Kandidat Chaled
Said gewonnen habe. Anders als auf Landesebene, wo eine Umfrage des
Umfrageinstituts Insa die in Brandenburg gesichert rechtsextreme Partei auf
34 Prozent sieht, konnte Said am Sonntag nicht überzeugen.
## AfD nur Fünfte
Er landete mit 13 Prozent der Wählerstimmen auf dem 5. Platz der sieben
Kandidaten. Die überwältigende Mehrheit der 79.000 Wähler:innen – die
Wahlbeteiligung lag bei 55 Prozent – wählten demokratisch. Eine
Herausforderung dürfte es nun sein, erneut genügend Potsdamer:innen zu
mobilisieren, das dritte Mal in diesem Jahr wählen zu gehen.
Es komme nun darauf an, „die Hauptbotschaft zu verdeutlichen“, sagt die
Grünen-Vorsitzende Freudl, nämlich „Klarheit in der Sache, aber Offenheit
in der Zusammenarbeit“. Die Themen in der durch große soziale Unterschiede
geprägten Stadt Potsdam seien „Chancengleichheit und bezahlbarer Wohnraum“,
aber auch der ökologische Stadtumbau, etwa mehr Radwege oder ÖPNV. Der
Erfolg Aubels habe gezeigt, dass „die Menschen die Bereitschaft schätzen,
neue Bündnisse einzugehen, in Verbindung mit einer starken Persönlichkeit“,
so Freudl. Der Gedanke, mit Menschen aus der Zivilgesellschaft zusammen zu
arbeiten, sei Bündnis 90/Grünen sowieso nah.
Ob diese Haltung auch in der Stadtverordnetenversammlung ankommt, wird sich
zeigen. Die Potsdamer Linken-Vorsitzende Iris Burdinski warnte schon einmal
davor, „zu viel“ in das Wahlergebnis hineinzuinterpretieren, schließlich
habe Aubel nicht viel mehr erreicht, als das sie stützende Parteienbündnis
bei der vergangenen Kommunalwahl. Ob die Linke eine Wahlempfehlung für
Aubel oder Fischer abgeben werde, entscheide sie nach Gesprächen mit den
beiden. Auch Clemens Viehrig, drittplatzierter CDU-Kandidat, hält fest, am
Ende „muss man für seinen Weg auch Mehrheiten haben“. Er sei sehr gespannt,
wie Aubel sich die im Falle eines Wahlsiegs am 12. Oktober organisieren
wolle.
Auf die Frage, mit welcher Taktik sie denn jetzt sowohl Wähler:innen auf
der Rechten wie auch der Linken für sich gewinnen wolle, antwortet Noosha
Aubel: „Ich geh einfach weiter geradeaus.“
22 Sep 2025
## AUTOREN
(DIR) Heike Holdinghausen
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