# taz.de -- Soziale Netzwerke: Baerbock, Bagel und Big Apple
       
       > Die Außenministerin a.D. inszeniert ihre ersten Tage in New York wie eine
       > Folge „Sex and the City“. Eine Bitte um mehr Komplexität im Internet.
       
 (IMG) Bild: Annalena Baerbock bei ihrer Wahl zur Präsidentin der UN-Vollversammlung am 2.Juni in New York
       
       Berlin taz | Soziale Medien sind heute fester Bestandteil der
       Kommunikationsstrategie vieler Menschen, deren beruflicher Erfolg von ihrer
       öffentlichen Wahrnehmung abhängt. Politiker*innen profitieren von
       Content, der den Menschen hinter dem Amt erlebbar macht und bestenfalls
       auch das Vertrauen erzeugt, das für die Vermittlung politischer Inhalte
       gebraucht wird.
       
       Annalena Baerbock, die zweite deutsche Kanzlerkandidatin und erste
       Außenministerin a. D., ist seit 2018 auf Instagram aktiv. Mehr als 700.000
       Menschen folgen ihrem verifizierten Account, der private Einblicke
       („Fußball ist sooo geil. Mega Glückwunsch DFB Frauenteam“) mit Momenten aus
       ihrem politischen Alltag mischt. Neuerdings berichtet sie auch über ihre
       Rolle als Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) in
       New York.
       
       In einem Video winkt Baerbock auf hohen Absätzen ein Yellow Cab heran –
       eine Anspielung auf die Serie „Sex and the City“. Im Taxi schreibt sie in
       ein Notizbuch mit der Aufschrift „Better together“, dem Motto der 80.
       UN-Sitzungsperiode, das für die Bedeutung des Multilateralismus steht. Doch
       in den Kommentaren geht es nicht um Multilateralismus.
       
       Das liegt an der Logik von Social Media: Zugänglich sollen die Inhalte
       sein. Zuspitzen, Emotionen auslösen und zum Mitreden einladen. So kommt es
       dann, dass Politiker*innen klingen wie Influencer*innen. Der eine
       schwärmt von Fast Food, die andere ermutigt dazu, an die eigene Vision zu
       glauben.
       
       ## Bald auch im Angebot: Der neue Baerbock-Tiktok-Account
       
       Die „Sex and the City“-Referenz funktioniert, weil viele New York durch die
       Serie kennen. Jede*r kann etwas dazu kommentieren, und sei es nur, dass
       die Referenz verstanden wurde. Aber einen Nachteil hat das eben auch: Statt
       über Baerbocks politische Arbeit wird über den Content diskutiert. Ist sie
       jetzt Travelinfluencerin? Und was trägt sie schon wieder? Hohe Schuhe?
       
       Auch [1][der Spiegel] gibt eine Social-Media-Kritik ab und schlägt vor,
       Baerbock solle typische New Yorker Speisen wie Bagels einbauen, daran hätte
       Foodinfluencer Markus Söder gewiss gedacht. Prompt zeigt Baerbock [2][im
       nächsten Video], wie sie ihren Tag in einem Bagelladen beginnt. Mit
       Creamcheesegebäck und Kaffee geht es zu den UN. Letzteres bleibt allerdings
       außerhalb des Videos. Die Kommentare? Der Kaffee ist in einem Einwegbecher!
       Wer mit Baerbock sympathisiert, muss nun ihre Ehre verteidigen, statt etwas
       über die Arbeit der UN zu erfahren. 
       
       Für ein internationales Publikum hat Baerbock [3][nun einen neuen, noch
       unverifizierten Tiktok-Account]. Auf Englisch verspricht sie dort Einblicke
       in die „Backstage of World Politics“. Vielleicht dienten die ersten Videos
       ihrer UN-Ära nur der Einstimmung auf komplexere Inhalte. Als
       Außenministerin postete sie bereits regelmäßig auf Tiktok, oft mehrmals
       täglich. Tiefere Inhalte wurden aber auch da nicht in selbst erstellten
       Videos vermittelt, sondern, wenn überhaupt, durch Ausschnitte aus
       Gesprächen mit Traditionsmedien geteasert.
       
       Inhaltlich bleibt ein Tiktok-Video oder Instagram-Reel, auch aufgrund der
       jeweiligen Zwänge der sozialen Plattformen, oft auf Schlagzeilenebene: Wer
       traf wen wo wofür? Auch die im Taxi ins Notizbuch geschriebenen Worte
       bleiben uns verborgen. Der Blick hinter die Kulissen ist ein Blick auf
       Bürostühle und Räume, in denen gerade etwas geschah. Diese
       taz-Social-Media-Kritik ist demnach kein Ruf nach mehr Authentizität durch
       Backwaren, sondern eine Bitte um Komplexität – auch gegen die Logik der
       Plattformen.
       
       9 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/netzwelt/annalena-baerbock-zeigt-sich-in-new-york-fast-wie-sex-and-the-city-a-4d10932b-e6f2-49fd-8e86-4a8a0f7a92f8
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/reel/DOVoOYRAIYP/?igsh=dm13czRleGQxMHlp
 (DIR) [3] https://www.tiktok.com/@a.baerbock
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Donata Künßberg
       
       ## TAGS
       
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