# taz.de -- Kampf um Reformen in Argentinien: Schlappe für Präsident Milei
       
       > Der Kongress überstimmt Mileis Veto gegen mehr Zuwendungen für
       > Behindertenhilfseinrichtungen; sein Veto gegen höhere Mindestrenten
       > bleibt aber bestehen.
       
 (IMG) Bild: Die Forderungen von Rentner*innen nach einer Erhöhung ihrer Pensionen, hier am 30. Juli in Buenos Aires, blieben ungehört
       
       Buenos Aires taz | Erstmals haben Argentiniens Abgeordnete ein Veto des
       libertären Präsidenten Javier Milei überstimmt. Am Mittwoch hob das
       Parlament Mileis Veto gegen ein Notstandsgesetz für Menschen mit
       Behinderungen mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit auf. Mileis Veto
       gegen ein Gesetz zur Erhöhung der Renten hat jedoch Bestand.
       
       Beide Gesetzesvorhaben waren im Juni mit großer Mehrheit vom Kongress
       verabschiedet worden. Anfang August legte der Präsident sein Veto gegen sie
       ein. Mileis Partei La Libertad Avanza verfügt nur über eine geringe Zahl
       von Sitzen in beiden Kammern des Kongresses. Doch war es ihm bisher stets
       gelungen bei wichtigen Abstimmungen die [1][notwendigen Stimmen aus den
       Reihen der rechten und gemäßigten Opposition] zu bekommen. Das gelang ihm
       diesmal nur bei der Abstimmung über sein Veto gegen die Rentenerhöhung.
       
       Noch während der Sitzung verhandelte seine Regierung mit Abgeordneten und
       sicherte sich schließlich beim Renten-Veto das erforderliche Stimmendrittel
       der anwesenden Abgeordneten. Dennoch hat das Notstandsgesetz zur
       Behinderung jetzt die höhere der beiden parlamentarischen Hürden genommen.
       Mit dem Gesetz werden die staatlichen Zuwendungen für
       Behindertenhilfeeinrichtungen sowie die beitragsunabhängige Mindestrente
       für Behinderte leicht angehoben.
       
       ## Im Senat dürfte es Präsident Milei leichter haben
       
       Nun muss auch der Senat das Veto des Präsidenten mit einer
       Zweidrittelmehrheit überstimmen. Seine Zustimmung gilt jedoch als
       wesentlich wahrscheinlicher als zuvor die der Abgeordneten. Mileis Fixpunkt
       ist die schwarze Null im Haushalt. Der Präsident lehnt alles rigoros ab,
       was seiner Meinung nach das Haushaltsgleichgewicht stören könnte.
       
       Durch die vom Kongress beschlossene Rentenerhöhung wäre die staatliche
       Mindestrente um knapp 40 Euro auf rund 280 Euro pro Monat gestiegen.
       Berechnungen zufolge hätte dies eine äußerst geringe Belastung für den
       Staatshaushalt bedeutet.
       
       „Erst kürzlich hat der Präsident dem Agrarsektor eine Senkung der
       Exportsteuern auf landwirtschaftliche Erzeugnisse gewährt, statt die
       Leistungen für Behinderte und die Renten zu verbessern“, sagte Mercedes de
       Mendieta, Abgeordnete des linken Bündnisses FIT, in der Debatte. [2][Mileis
       Formel ‚No hay plata – Es ist kein Geld da‘] stimme nicht.
       
       ## Erfolgreicher Protest von Familien mit behinderten Kindern
       
       Bevor die Plenarsitzung gegen 12 Uhr Mittag begann, hatten sich mehrere
       tausend Menschen vor dem Kongressgebäude versammelt, darunter viele
       Familien mit behinderten Kindern. Ein von weitem sichtbarer übergroßer
       Rollstuhl symbolisierte den Protest. Auf vielen Pappschildern stand ‚No a
       los Vetos – Nein zu den Vetos‘.
       
       „Wenn die bestehenden Gesetze, die seit Jahrzehnten in Kraft sind,
       tatsächlich umgesetzt würden, bräuchten wir das Notstandsgesetz nicht“,
       sagte María Eugenia di Tullio von der Behindertenorganisation „Hacer
       Lazos“. Zahlreiche Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen stünden vor
       der Schließung, warnte sie. Als das Ergebnis der Abstimmung bekannt wurde,
       gab es Jubel und Erleichterung. „Wir sind einen Schritt vorangekommen“,
       atmeten viele auf.
       
       21 Aug 2025
       
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 (DIR) Jürgen Vogt
       
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