# taz.de -- Alois Rainer beim Bauerntag in Berlin: Agrarminister schleimt sich beim Bauernverband ein
       
       > Landwirtschaftsminister Rainer übernimmt wichtige Positionen der
       > einflussreichen Agrarlobby. Den Preis könnten Umwelt und Arbeiter zahlen.
       
 (IMG) Bild: Alois Rainer mit Joachim Rukwied (l), dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbands
       
       Berlin taz | Es herrscht wieder die traditionelle Harmonie zwischen
       Bundesagrarministerium und [1][Bauernverband]: Beim Bauerntag vor einem
       Jahr in Cottbus hatte der damalige Ressortchef Cem Özdemir (Grüne)
       kritische Zwischenrufe und wenig Applaus bekommen. Bei der
       Bauernverbandsversammlung am Donnerstag in Berlin beklatschen die
       Delegierten den neuen Minister, Alois Rainer, fleißig, und der
       CSU-Politiker erntete mehrere Lacher.
       
       Er sei „zu Gast bei Freunden“, „wir reden nicht nur, wir handeln auch im
       Sinne der Branche“, warb Rainer in [2][seiner Rede] und übernahm sämtliche
       zentralen Forderungen des Bauernverbands. Ein Delegierter hielt ein Plakat
       mit dem Slogan „Praxistaugliche Düngeregeln“ hoch. Rainer las das vor und
       ergänzte: „Ja, finde ich gut.“ Was der Bauernverband als „praxistauglich“
       bezeichnet, ist für Umweltschützer aber zu „lax“ im Kampf gegen die immer
       noch grassierende Überdüngung, die Klima, Artenvielfalt und Grundwasser
       schadet.
       
       Tatsächlich pries Rainer, dass er die Stoffstrombilanz abschafft. Mit ihr
       lässt sich laut Wissenschaftlern zuverlässiger als mit der bisherigen
       Düngebilanz berechnen, wie viel Stickstoff und Phosphor ein Hof in die
       Umwelt abgibt. Zu hohe Mengen könnten auf Grundlage der Ergebnisse
       sanktioniert werden.
       
       Die vollständige Erstattung der Energiesteuer auf Diesel für Trecker und
       andere Landmaschinen will Rainer ab 2026 wieder einführen. Das kostet den
       Staat [3][430 Millionen Euro] pro Jahr und reduziert Anreize,
       klimaschädlichen Kraftstoff einzusparen. Der CSU-Politiker versprach dem
       Bauernverband auch Steuererleichterungen für Sprit aus nachwachsenden
       Rohstoffen. Denn rein elektrisch könnten die Maschinen in der
       Landwirtschaft nicht betrieben werden, so Rainer.
       
       Aber um den fossilen Diesel in der Branche komplett zu ersetzen, müsste
       Experten zufolge auf [4][9 Prozent der Agrarfläche] Deutschlands Raps für
       Biosprit wachsen. Auf diesen Äckern könnten dann keine Lebensmittel mehr
       angebaut werden.
       
       Wie vom Bauernverband gewünscht, sucht der Minister nach Schlupflöchern,
       damit die Landwirtschaft als wohl einzige Branche ihren Saisonarbeitern
       nicht mehr den Mindestlohn zahlen muss. Sonst würden viele Betriebe aus dem
       Anbau von Sonderkulturen – also zum Beispiel Obst, Wein oder Gemüse –
       aussteigen, warnte Rainer. [5][Gewerkschafter kritisieren] das, weil viele
       Saisonarbeiter „an der Armutsgrenze“ lebten. Der Selbstversorgungsgrad
       Deutschlands bei Obst und Gemüse sei in den vergangenen 10 Jahren trotz
       mehrerer Mindestlohnerhöhungen auch kaum gesunken.
       
       Rainer sprach sich auch gegen die von der EU geplante Richtlinie zur
       Überwachung der Bodengesundheit aus. Bei der Anwendung der EU-Verordnung
       gegen Entwaldung solle Deutschland als Staat ohne Entwaldungsrisiko
       eingestuft werden. Der Minister verwahrte sich außerdem dagegen, die
       Tierhaltung in Deutschland zu reduzieren.
       
       Sie ist für den Großteil der Treibhausgasemissionen des Sektors
       verantwortlich. Aber der Umwelt würde es nichts nützen, sagte Rainer, wenn
       das Fleisch dann importiert würde. Er gab aber auch keine Hinweise darauf,
       dass er für eine Senkung des Fleischverzehrs hierzulande wäre. Im
       Gegenteil: Er betonte, dass „Fleisch und Fisch“ zu einer ausgewogenen
       Ernährung gehörten. Zudem will der Minister, dass Pestizide schneller
       zugelassen und Wölfe bejagt werden.
       
       ## Keine Vertragspflicht
       
       Rainer lehnt aber ab, Molkereien vorzuschreiben, dass sie einen Vertrag mit
       den Bauern abschließen, der den Milchpreis festlegt. Derzeit erfahren viele
       Landwirte erst Wochen nach der Lieferung, wie viel sie dafür bekommen. So
       können sie nicht über den Preis verhandeln. Auch der Bauernverband ist
       gegen eine Vertragspflicht, während der kleinere Bundesverband Deutscher
       Milchviehhalter oder die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
       dafür sind.
       
       Rainers Zugeständnisse dürften viele Bauerntagsdelegierte gefreut haben.
       Wie wenig sie von der Ökoperspektive auf ihre Branche halten, zeigten sie,
       als Bundesumweltminister Carsten Schneider seine Rede beginnen sollte. Erst
       nachdem Bauernverbandschef Joachim Rukwied sie schon in recht harschem Ton
       ermahnt hatte, stellten sie ihre Gespräche ein.
       
       Der SPD-Politiker wies die Agrarier dann darauf hin, dass die
       Landwirtschaft zwar ihre gesetzlichen Klimaziele erfüllt habe – aber nicht
       bei der Landnutzung, an der die Bauern maßgeblich beteiligt sind. Die
       [6][von Rukwied kritisierte Verordnung zur Wiederherstellung der Natur] sei
       „eine Chance“, so Schneider. Er setze vor allem auf Freiwilligkeit, zum
       Beispiel bei der Wiedervernässung von Mooren, damit sie weniger
       Treibhausgas emittieren. Dafür werde er Förderprogramme in Kraft setzen.
       
       26 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bauernverband/!t5015797
 (DIR) [2] https://youtu.be/lZjy9s_2U9k
 (DIR) [3] https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/053-agrardieselr%C3%BCckverg%C3%BCtung.html
 (DIR) [4] /Alternative-Antriebe-fuer-Traktoren/!5990694
 (DIR) [5] /Mindestlohn-fuer-Erntehelfer/!6092881
 (DIR) [6] /Bauernverband-fordert-Mehr-Pestizide-weniger-Umweltregeln/!6093109
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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