# taz.de -- Luis Enrique: Warum er nach dem Fußball-Triumph an seine Tochter dachte
       
       > Der Weltklassetrainer von Paris Saint-Germain gewinnt schon das zweite
       > Mal in seinem Leben die Champions-League. Sein Arbeitgeber das erste Mal.
       
 (IMG) Bild: PSG-Trainer Luis Enrique jubelt
       
       Luis Enrique überkam Rührung. Und das wohl nicht nur wegen der
       fußballerischen Leistung des von ihm trainierten Vereins Paris
       Saint-Germain (PSG). Dieser hat am Samstagabend in München das Finale der
       Champions League gewonnen. Danach entrollten Fans ein besonderes Banner: Es
       zeigt Luis Enrique und seine Tochter Xana, wie sie eine Stange mit riesiger
       PSG-Fahne in den Mittelkreis des Felds stecken.
       
       Xana war 2019 im Alter von neun Jahren an Knochenkrebs gestorben. Dass die
       Fans sie auf diese Weise würdigten, beeindruckte den Trainer. Die Szene vom
       Banner hatte so vor fast genau zehn Jahren stattgefunden, als Enrique mit
       dem FC Barcelona die Champions League gewonnen hatte. Bei der
       Vater-Tochter-Aktion war Xana fünf Jahre alt.
       
       Am Samstagabend in München trug Enrique ein schwarzes T-Shirt, um seiner
       Tochter zu gedenken. Starke Symbolik zu einem Anlass, der dem erfahrenen
       Trainer und früheren Weltklassespieler einiges abverlangt haben dürfte.
       
       Luis Enrique wurd 1970 in Gijón geboren, und bei dem Klub Sporting Gijón
       begann auch seine Fußball-Karriere. Aktiv kickte er später bei den besten
       Adressen des spanischen Fußballs, Real Madrid und FC Barcelona – dessen
       Fans ihm nach dem Übertritt von Rivale Madrid anfangs skeptisch
       gegenüberstanden, doch bald liebten sie ihn.
       
       ## Vom Spieler zum Trainer
       
       Bei dem katalanischen Verein wurde er auch Trainer, zunächst des B-Teams,
       das er gleich zum Aufstieg führte. Bei anderen Profiklubs war er nicht so
       erfolgreich, aber als er 2014 zum [1][FC Barcelona] zurückkehrte, gewann er
       sofort das Triple: spanische Meisterschaft, spanischer Pokal und Champions
       League. Bei Barcelona entwickelte er sich zum Weltklassetrainer. Als er
       2017 zurücktrat, hatte er insgesamt neun Titel gewonnen.
       
       Enrique übernahm die spanische Nationalmannschaft, doch als seine Tochter
       erkrankte, stellte er das Amt zur Verfügung. Einige Monate nach ihrem Tod
       nahm er die Arbeit als Trainer wieder auf, wieder für die spanische
       Auswahl. An die großen Triumphe und Titel der Nationalelf konnte Luis
       Enrique nicht anknüpfen. Bei der Europameisterschaft 2021 führte er sie
       immerhin ins Halbfinale, doch als sie bei der WM 2022 in Katar im
       Achtelfinale gegen Marokko ausschied, nach Elfmeterschießen, trat er sofort
       zurück.
       
       2023 kehrte er in den Spitzenfußball zurück: als Trainer des Starensembles
       PSG. Dort hatten sich schon etliche Weltklassekicker als auch viele
       Weltklassetrainer versucht. Namen wie Luis Fernández, Thomas Tuchel oder
       Carlo Ancelotti hatten hier schon auf der Gehaltsliste gestanden.
       
       ## Unglaubliche Summen
       
       Dem vom katarischen Staatsfonds finanzierten Verein hing der Ruf einer
       Geldverbrennungsmaschine an. Unglaubliche Summen investierte das Emirat,
       Weltstars wurden völlig unabhängig davon verpflichtet, ob sie ins taktische
       Konzept passten, und Trainer wurden in der Regel recht schnell entlassen.
       
       Es gab keinen Grund anzunehmen, dass Enrique da mehr Erfolg haben sollte
       als seine Vorgänger. Aber tatsächlich bewegte sich PSG immer mehr in
       Richtung eines [2][trainierbaren Fußballvereins]. Wie groß Enriques
       Verdienst daran ist, lässt sich schwer sagen, aber dass es am
       fußballerischen Sachverstand der Geldgeber liege, will man auch nicht
       behaupten.
       
       Am Samstagabend jedenfalls gelang Luis Enrique und [3][dem Team von PSG]
       gegen Inter Mailand endlich der Erfolg: ein Sieg der Champions League, dem
       wohl wichtigsten Wettbewerb des Profifußballs. Für Enrique war es der
       zweite Champions-League-Titel, für seinen Arbeitgeber der erste. Und für
       die PSG-Fans ein guter Moment, um an Enriques Tochter zu erinnern.
       
       2 Jun 2025
       
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