# taz.de -- Katar-Klub vor dem Gewinn des Triple: Pariser Fußballromantik der anderen Art
       
       > Trainer Luis Enrique etabliert bei Paris Saint-Germain den Teamgedanken.
       > Nach dem Abgang der Superstars steht der Verein vor dem größten Erfolg.
       
 (IMG) Bild: Modernstes Training: Trainer Luis Enrique dirigiert, Teampsychologe Joaquín Valdes hat die Reaktionen der Profis im Blick
       
       Als im November der letzte Stein auf dem neuen Vereinscampus gelegt war,
       hielt [1][Nasser al-Khelaifi] so etwas wie eine Regierungserklärung der
       neuen Zeit. Der katarische Präsident von Paris Saint-Germain definierte
       seinen Klub der unbegrenzten Transferfonds quasi mit einem Schlag zum
       Ausbildungsklub um. Frankreichs beste Fußballer kämen zu einem großen Teil
       aus der Region Paris, dort stehe mit dem neuen PSG-Campus in Poissy nun
       auch das beste Ausbildungszentrum, und das solle die Zukunft sein: „Wir
       wollen eine Mannschaft, die aus Paris kommt.“
       
       Think global, buy local? Fürs Erste müssen sich Liebhaber der Opulenz noch
       keine Sorgen über eine neue Austeritätspolitik machen. Wenn der Klub, der
       einst mit den Einkäufen von Neymar (222 Millionen Euro Ablöse) und
       [2][Kylian Mbappé (180 Mio.)] alle Transferweltrekorde sprengte, nun im
       nationalen Cupfinale gegen Reims und dem Champions-League-Endspiel gegen
       Inter Mailand um das erste Tripel der Klubgeschichte spielt, wurde dafür
       kein Gürtel enger geschnallt. Kein Profi der zu erwartenden Anfangself
       wurde selbst ausgebildet, gekostet hat die glorreiche XI insgesamt rund 480
       Millionen Euro an Ablösen. Und das, obwohl der vielleicht Wichtigste,
       Torwart [3][Gianluigi Donnarumma,] gebührenfrei kam.
       
       Und dennoch: Wenn jetzt allseits von einem neuen PSG gesprochen wird, dann
       sind das keine leeren Beschwichtigungsfloskeln für die Finanzaufsichten.
       Denn geändert hat sich das Profil der Spieler, für die das Geld zu Markte
       getragen wird. Paris beschäftigt einen unverschämt jungen Kader,
       Durchschnittsalter 23,7 (zum Vergleich, Inter: 29,5).
       
       Es sind Spieler wie die Portugiesen Vitinha und João Neves im Mittelfeld
       oder die Flügelstürmer Khvicha Kvaratskhelia, Désiré Doué und Bradley
       Barcola. „Profis von hohem Kaliber, die aber mit einer kollektiven
       Mentalität spielen“, wie Trainer Luis Enrique sagt. Alle, sogar der
       notorische Luftikus Ousmane Dembélé, ordnen sich dem Teamgedanken unter.
       Dem PSG verleiht das einen Hauch des Aufregenden. Vor der Folie der
       jüngeren Klubgeschichte kann man es eine Kulturrevolution nennen.
       
       [4][Seit Katars Einstieg beim Lieblingsklub des damaligen Staatspräsidenten
       Nicolas Sarkozy] war die Linie klar gewesen: Glamour und mehr Glamour. Eine
       Erneuerung des PSG-Wappens stand allegorisch dafür, das schillernde Paris
       wurde groß hervorgehoben, das vermeintlich provinzielle Saint-Germain
       rückte klein nach unten.
       
       Noch symbolkräftiger waren die Transfers: Beckham, Ibrahimović, Di María,
       Cavani. 2017 schließlich: Neymar und Mbappé. 2021 sogar: Lionel Messi. All
       das pushte wie gewünscht die Marke, der Klubwert beträgt heute rund 4
       Milliarden Euro und übersteigt damit noch die üppigen Investitionen. Doch
       sportlich blieb der ganz große Knall aus. Nur einmal, 2020, schaffte es die
       Pariser Edelcombo ins Champions-League-Finale, sie verlor in einem leeren
       Pandemie-Stadion gegen den FC Bayern.
       
       ## Nur Messi einmal unterlegen
       
       Der Star, den der PSG wirklich brauchte, heißt Luis Enrique Martínez und
       ist Trainer. Vielleicht der Einzige seiner Gilde, der keine Angst vor gar
       nichts hat und gegen niemanden klein beigibt. Der als spanischer
       Nationalcoach sogar Kader ohne Profis von Real Madrid nominierte.
       
       Nur gegen Messi verlor Luis Enrique als Coach des FC Barcelona mal einen
       Machtkampf, trotzdem gewann man zusammen die Champions League. Im Sommer
       2023 hatte Messi den PSG bei Luis Enriques Jobübernahme gerade verlassen:
       gut so für alle Beteiligten. Als Neymar kurz danach nach Saudi-Arabien
       ging, packte ihm Luis Enrique gern den Koffer. Als Mbappé eine
       Vertragsverlängerung verweigerte und seinen Wechsel zu Real Madrid
       einfädelte, gab es überall Riesenaufregung. Für Luis Enrique war es ideal
       gelaufen.
       
       „Ohne Mbappé werden wir besser sein“, erklärte er schon letzte Saison und
       zu Beginn dieser Spielzeit noch mal. Eine steile These, im Herbst wäre
       Paris beinahe aus der Champions League geflogen, weil niemand die vielen
       Torchancen verwandelte. Doch das Revirement, Dembélé auf die Position der
       falschen Neun zu ziehen, löste die Blockade, seither purzelten die Tore
       auch international.
       
       Khelaifi hatte den Wandel 2022 angekündigt, als er ein „Ende von
       Bling-Bling“ in Aussicht stellte und die Kaderhoheit dem findigen
       Portugiesen Luis Campos übertrug. Luis Enrique exekutierte ihn auf dem
       Platz. Die Teamidee hat über das Starprinzip triumphiert: Ginge es nicht um
       den PSG, man könnte es glatt romantisch finden.
       
       24 May 2025
       
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