# taz.de -- Aufrüstung: Wir sind wieder wehrtüchtig – aber wofür eigentlich?
       
       > Deutschland rüstet massiv auf. Kaum noch jemand hinterfragt, ob es all
       > diese Waffen wirklich braucht – beziehungsweise, zu welchem Zweck.
       
 (IMG) Bild: Boris Pistorius, Bundesminister der Verteidigung (SPD), während einer Militärübung am 3.4.2025
       
       Deutschland hat seine Militärausgaben im vergangenen Jahr um stolze 28
       Prozent gesteigert – das hat das Stockholm International Peace Research
       Institute (Sipri) [1][jüngst errechnet]. Erstmals liegt die Bundesrepublik
       damit nach den USA, China und Russland weltweit an vierter Stelle – und vor
       allen anderen Ländern Westeuropas, wie das schwedische
       Friedensforschungsinstitut bilanziert. Die Steigerung verdankt sich dem
       Sonderbudget, das die Ampel-Koalition dafür eingerichtet hat. Nach der
       [2][Lockerung der Schuldenbremse] steht ein weiterer Schub bevor.
       
       Die Rüstungsindustrie boomt, während andere Wirtschaftszweige wie die
       Automobilbranche oder die Bau- und Immobilienwirtschaft in der Krise
       stecken und Stellen abbauen. Diese Entwicklung wird Deutschland verändern.
       Und die kommende Regierung will staatliche Gelder vorrangig in Drohnen,
       Panzer und anderes Kriegsgerät stecken, statt in den Bau von
       Sozialwohnungen, in Windräder oder in die Entwicklung von
       Umwelttechnologien zu investieren. Dafür haben Union, SPD und Grüne das
       Grundgesetz geändert.
       
       Dass die Sozialdemokratie das unterstützt, wundert nicht: Immerhin schafft
       die Rüstungsindustrie Arbeitsplätze, die anderswo wegbrechen. Aber dass die
       einstmals so friedensbewegten Grünen damit so gar kein Problem mehr haben,
       erstaunt dann doch. Nicht nur, weil immer mehr Waffen nicht immer mehr
       Frieden schaffen. Sondern auch, weil Waffenproduktion und Kriege nun mal
       ein Klimakiller sind – allem Gerede von einer „grünen Nato“ und einer
       „klimaneutralen Bundeswehr“ zum Trotz.
       
       Die Aufrüstung wird einen Mentalitätswandel beschleunigen, der ohnehin
       allenthalben angemahnt wird, Stichwort „Kriegstüchtigkeit“. Schon vor ein
       paar Jahren schlugen sich ehemals friedensbewegte Promis, die einst den
       Wehrdienst verweigerten, reumütig auf die Brust und bekannten, sie würden
       dies heute bestimmt nicht mehr tun. Neuerdings [3][erklären uns
       Leitartikler] stolz, sie würden ihre Kinder gerne in die Bundeswehr
       schicken, um sie zur Verteidigung des Vaterlands fit zu machen.
       
       ## Vorwürfe an Pazifisten in fragwürdigem Sound
       
       Auf der anderen Seite schlagen dem Bestseller-Autor Ole Nymoen [4][Wut und
       Empörung entgegen], bloß weil der „niemals für sein Land kämpfen würde“,
       wie er in seinem viel beachteten Buch schreibt. Der Vorwurf des
       „Lumpenpazifismus“, der gegen ihn erhoben wird, klingt dabei wie ein Echo
       der alten Anschuldigung von der „Wehrkraftzersetzung“.
       
       Kaum jemand hinterfragt noch, ob es [5][diese massive Aufrüstung wirklich
       braucht]. Schon jetzt ist die Nato Russland militärisch haushoch überlegen.
       Putin wird nicht morgen vor der Tür stehen. Aber Deutschland will innerhalb
       der Nato eine größere Rolle spielen als bisher und in der Lage sein, seine
       Interessen notfalls auch militärisch durchsetzen zu können. Dazu braucht es
       die innere Zeitenwende. Von einer „Entmilitarisierung“, von der nach dem
       Zweiten Weltkrieg noch die Rede war, ist das Deutschland von heute so weit
       entfernt wie noch nie. Wir sind wieder wehrtüchtig. Gut ist das nicht.
       
       3 May 2025
       
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 (DIR) Daniel Bax
       
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