# taz.de -- Pressefreiheit in Österreich: FPÖ ohne jeden Standard
       
       > Die Wiener FPÖ schießt gegen den „Standard“. Die Zeitung hatte die
       > rechtsradikalen Umtriebe eines Kandidaten bei der Landtagswahl
       > offengelegt.
       
 (IMG) Bild: Wahlauftakt der FPÖ in Wien: Bundesparteiobmann Herbert Kickl (r.), Landesparteiobmann und Spitzenkandidat Dominik Nepp, 28.5. 25
       
       Die Wiener Landtagswahl ist [1][mit erwartetem Ergebnis] zu Ende gegangen:
       Die Koalition zwischen SPÖ und Neos wird fortgesetzt. Die rechtsradikale
       FPÖ, bundesweit im Aufwind, gewann zwar deutlich dazu, blieb aber hinter
       früheren Erfolgen deutlich zurück. Vielleicht ist das der Grund, warum sie
       nun gar so dünnhäutig auf kritische Berichterstattung reagiert. Die Wiener
       Tageszeitung Standard hatte kurz vor der Wahl über die bekannt gewordene
       NS-Wiederbetätigung eines FPÖ-Kandidaten berichtet.
       
       Die Wiener Landespartei schoss jetzt gegen die Zeitung: „Man nutzt ja jeden
       Fehler aus um gegen die FPÖ zu punkten“, schreibt der Wiener FPÖ-Chef
       Dominik Nepp in einem Posting. „Die letzten Wochen eines Lebens noch
       zusätzlich mutwillig zu ruinieren und sich dabei moralisch überlegen zu
       fühlen – das schaffen wirklich nur Vertreter der selbsternannten linken
       Anstandselite.“ Die Standard-Journalistin, die die Vorwürfe aufgedeckt hat,
       nannte er darin beim Namen und kritisierte sie vehement. Hintergrund des
       Postings: der FPÖ-Kandidat ist laut Parteiangaben am 6. Mai nach schwerer
       Krankheit verstorben.
       
       Die Rede ist vom FPÖ-Bezirkspolitiker Robert Podany, der letzten Dezember
       wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde. Podany war bis 2020 Bezirksrat
       in Donaustadt, einem der größten Wiener Bezirke, schaffte den Einzug dann
       aber nicht mehr. Nun war er wieder angetreten, obwohl er im Dezember
       rechtskräftig verurteilt worden war.
       
       Wie der Standard berichtete, hatten Ermittler [2][bei einer
       Hausdurchsuchung] mehrere NS-Devotionalien gefunden: unter anderem eine
       Weinflasche mit Aufschrift „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, eine Tasse
       mit dem Nazi-Kürzel „88“ sowie eine Jacke der einschlägigen Marke Thor
       Steinar. Entsprechende Vorwürfe wurden bereits 2020 bekannt.
       
       ## 89 Delikte
       
       Zudem gab es Chatverbindungen zu dem Neonazi Gottfried Küssel und den
       Identitären. Wie die Plattform „Stoppt die Rechten“ berichtet, schrieb
       Podany menschenverachtende Witze über den Holocaust, die hier nicht
       wiedergegeben werden sollen. Hakenkreuze und Hitlerfotos verschickte er
       ebenso wie Zustimmungsbekundungen zu rechtsextremen Überfällen, etwa auf
       das Ernst-Kirchweger-Haus in Wien. Angeklagt waren, auch im Zuge von
       Handyauswertungen, [3][nicht weniger als 89 Delikte]. Im Dezember
       schließlich wurde Podany in Wien rechtskräftig zu 17 Monaten bedingter Haft
       verurteilt.
       
       Mit einer solchen Strafe hätte er, gemäß Wiener Wahlordnung, nicht bei der
       Landtagswahl vor wenigen Wochen kandidieren dürfen. Podany war dennoch
       gelistet und blieb wählbar. Die FPÖ Wien will von den Vorwürfen und der
       Verurteilung nichts gewusst haben: „Die FPÖ war über diesen Umstand nicht
       informiert. Leider wurden wir von der zuständigen Magistratsabteilung auch
       nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt“, heißt es. Dass niemand von Podanys
       Geisteshaltung gewusst haben will, halten politische Mitstreiter für
       ausgeschlossen.
       
       Zuletzt war Podany laut FPÖ-Angaben kein Parteimitglied mehr. Beim Prozess
       Anfang Dezember hat er sich Berichten zufolge geständig und reuig gezeigt –
       wiewohl „Stoppt die Rechten“ an der Einsicht zweifeln, da kurz danach die
       Urteilsschrift in einem Neonazi-Kanal aufgetaucht war, mutmaßlich von ihm
       veröffentlicht. Auf den Stimmzetteln für die Wien-Wahl blieb Podany trotz
       des Urteils gelistet, für einen Einzug in die Bezirksvertretung hat das
       Ergebnis jedoch nicht gereicht.
       
       Über all das berichtete der Standard – und muss sich nun die Vorwürfe von
       Nepp anhören. Die FPÖ versucht offenbar gar nicht mehr, auf Distanz zu
       offen zur Schau gestelltem Rechtsextremismus zu gehen. Das belegen auch die
       rund 150 von „Stoppt die Rechten“ dokumentierten [4][rechtsextremen
       „Einzelfälle“] allein in den letzten vier Jahren – die taz hat vielfach
       berichtet.
       
       Der Wiener FPÖ-Chef Nepp hatte erst im Januar den Standard [5][als
       „Scheißblatt“ titulier]t und ihm eine Kürzung der Medienförderung
       angedroht. Auch damals hatte die Zeitung über rassistische Aussagen von
       FPÖ-Mandataren berichtet, die vom Sender France Télévisions mit versteckter
       Kamera aufgenommen worden waren.
       
       Der Standard lässt sich von der Kritik nicht unterkriegen: „Wir weisen die
       Angriffe der FPÖ Wien auf eine Standard-Journalistin, die nichts weiter als
       ihren Job gemacht hat, entschieden zurück“, heißt es [6][in einer
       Stellungnahme der Chefredaktion]. Dass ein wegen NS-Wiederbetätigung
       verurteilter FPÖ-Kandidat bei der Wahl angetreten ist, sei „im öffentlichen
       Interesse selbstverständlich berichtenswert“.
       
       8 May 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Landtagswahl-in-Wien/!6084990
 (DIR) [2] https://www.derstandard.at/story/3000000265491/fpoe-kandidat-in-wien-donaustadt-wurde-im-dezember-wegen-ns-wiederbetaetigung-verurteilt
 (DIR) [3] https://www.stopptdierechten.at/2025/01/06/der-braun-blaue-ex-bezirksrat-aus-wien/
 (DIR) [4] https://www.stopptdierechten.at/fpoe-einzelfaelle/
 (DIR) [5] /Bedrohte-Pressefreiheit-in-Oesterreich/!6058813
 (DIR) [6] https://www.derstandard.at/story/3000000268620/stellungnahme-zu-angriff-des-wiener-fpoe-chefs
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Bayer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Österreich
 (DIR) FPÖ
 (DIR) Pressefreiheit in Europa
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Neos
 (DIR) Österreich
 (DIR) Österreich
 (DIR) FPÖ
 (DIR) FPÖ
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wiener Boulevard-Zeitung in der Krise: Wiener Medien-Soap ist vorbei
       
       Nach 36 Jahren ist Schluss: Die Funke-Gruppe verkauft ihre Anteile an der
       „Kronen“-Zeitung – und überlässt die Bühne nun ganz der
       Herausgeber-Familie.
       
 (DIR) Pressefreiheit in Estland: Großes kleines Land
       
       Im Pressefreiheits-Ranking von Reporter ohne Grenzen belegt Estland Platz
       Zwei. Was lässt sich von dem kleinen baltischen Land lernen?
       
 (DIR) Österreich und die Rechten: Eine Frage der Tonalität
       
       Wie gräbt man der verrückten Rechten am besten das Wasser ab? Die
       österreichische Dreierkoalition versucht es mit einem neuen Weg.
       
 (DIR) Haushaltspolitik: Österreich auf Sparkurs
       
       SPÖ-Finanzminister Marterbauer hat die Österreicher auf „harte Jahre“
       eingeschworen. Der Klimabonus fällt, die Verteidigungsausgaben steigen.
       
 (DIR) Wiener linke Zeitschrift „Malmoe“: Klug und keck
       
       Vor 25 Jahren wurde „Malmoe“ als Antwort auf die erste schwarz-blaue
       Regierung in Österreich gegründet. Nun wurde die Zeitschrift eingestellt.
       Schade!
       
 (DIR) Pressefreiheit in Österreich: Propaganda im Sinne der Partei
       
       Die rechtsextreme FPÖ plant einen radikalen Umbau der österreichischen
       Medienlandschaft. Besonders der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht im
       Fokus.
       
 (DIR) Bedrohte Pressefreiheit in Österreich: FPÖ setzt neuen Bosheitsstandard
       
       Nach einer kritischen Recherche drohte der Wiener FPÖ-Chef der Tageszeitung
       „Der Standard“. Die anderen Parteien lassen das der FPÖ durchgehen.