# taz.de -- Fahrradleihsystem Nextbike: Der Stadtrand wird abgehängt
       
       > Ab Juli will der Berliner Senat die Förderung für das Fahrradleihsystem
       > Nextbike einstellen. Berlins Außenbezirke sind davon besonders betroffen.
       
 (IMG) Bild: Gehweg als neue Nextbike Station?
       
       Berlin taz | Der Bus fällt aus, Sie haben kein eigenes Fahrrad zur Hand
       oder wollen nach der Bahnfahrt die letzten Meter nach Hause radeln? Für
       Berliner:innen, die schnell mal auf ein Leihrad aufspringen wollen, wird
       das Angebot schlechter. Ab Juli wird es in der Hauptstadt kein öffentlich
       gefördertes Leihradsystem mehr geben. Grund dafür ist der auslaufende
       Vertrag zwischen dem Berliner Senat und dem Anbieter Nextbike.
       
       Das Leihradsystem Nextbike mit Sitz in Leipzig gibt es weltweit in über 300
       Städten. In Berlin besteht es seit 2017: [1][Es ist das einzige
       Leihradangebot, das vom Land gefördert wird] – damit können diese Räder
       auch außerhalb des S-Bahnrings ausgeliehen und abgegeben werden. Nach
       eigenen Angaben zählte Nextbike Berlin im ersten Quartal diesen Jahres über
       1,25 Millionen Fahrten.
       
       Doch der Vertrag des Landes mit der Nextbike GmbH läuft im Juni aus – und
       „vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage“ will die
       Verkehrsverwaltung den Wettbewerb um das öffentliche Fahrradverleihsystem
       nicht erneut ausschreiben. Nextbike sei nun verpflichtet, baulich
       errichtete Stationen rückzubauen.
       
       Ganz konkret handelt es sich um 265 Fahrrad-Stationen, verkündete das
       Unternehmen. Gleichzeitig erfolge eine Verkleinerung des Bediengebietes,
       vor allem in Außenbezirken wie Steglitz, Neukölln, Tempelhof,
       Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Reinickendorf. Nur Hotspots in den
       Außenbezirken blieben noch erhalten. „Wir werden den Betrieb nahtlos
       fortsetzen“, sagt Mareike Rauchhaus, Pressesprecherin von Nextbike. Die
       Stationen würden, wo es geht, durch virtuelle ersetzt.
       
       Die Entscheidung des Senats versteht sie nicht: „Die deutsche Hauptstadt
       wird also in Kürze kein öffentliches städtisches Bike-Sharing mehr haben.
       Das ist ein absolut negatives Alleinstellungsmerkmal in Europa“, so
       Rauchhaus. Zudem werde das Angebot zukünftig etwas teurer. Derzeit kosten
       die ersten 15 Minuten ein Euro, künftig 1,50 Euro.
       
       ## Politischer Gegenwind
       
       Scharfe [2][Kritik am Aus für ein öffentliches Fahrradleihsystem kommt von
       den Grünen.] „Während die CDU erbittert um jeden Pkw-Parkplatz kämpft,
       hängt sie leichtfertig Tausende Menschen ab“, sagt die verkehrspolitische
       Sprecherin, Oda Hassepaß. Besonders in den Außenbezirken würden die Wege
       zur nächsten Haltestelle erschwert. „Ohne Förderung kann Nextbike nur noch
       in der Innenstadt betrieben werden.“ Zudem drohe ohne die Leihstationen
       Chaos auf den Gehwegen.
       
       Auch Marlene Alber, politische Referentin beim Fahrradverband ADFC,
       bezeichnet die Entscheidung des Senats als fatal: „Die Mobilitätszahlen von
       2018 bis 2023 zeigen, dass sich Bikesharing in dieser Zeit verdreifacht hat
       – das Angebot wirkt.“ [3][Bike-Sharing leiste einen wichtigen Beitrag zur
       Verkehrswende,] da es den ÖPNV entlaste und Strecken wie die letzte Meile
       abdecke. „Treffen wird der Rückbau nun vor allem die Menschen in den
       Außenbezirken, die ohnehin schon schlechter angebunden sind“, beklagt sie.
       
       Der regelmäßige Nextbike-Leiher Malte Völker ist ebenfalls enttäuscht:
       „Studierende und Pendler verlieren ein wichtiges Stück Alltagsmobilität.
       Das ist ein weiterer Rückschritt für die Verkehrswende.“
       
       28 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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