# taz.de -- Kinotipp der Woche: Unbeirrt im Film
       
       > Best of Forum: Mit vier Filmen aus Ost- und Südosteuropa gastiert das
       > Arsenal mit einer Nachlese aus dem Berlinale Forum-Programm im Kino
       > Krokodil.
       
 (IMG) Bild: Musizieren ohne Glückspulli? Szene aus „The Swan Song of Fedor Ozerov“ (Regie: Yuri Semashko, LT/DE 2025)
       
       Die Welt ist aus den Fugen. Der Dritte Weltkrieg droht und Fedor Ozerov
       würde gern eines der sinnvolleren Dinge tun, die man angesichts der
       Apokalyse machen kann: einen Song schreiben. Doch plötzlich ist der
       Pullover, in dem er seine Songs bislang geschrieben hat, verschwunden.
       Wenig später taucht er auf einem Profilfoto einer Datingapp wieder auf.
       Voll trockenem Humor, Absurdität und mit Fokus auf die wichtigen Dinge
       zeigt der belarussische Regisseur Yuri Semashko in „The Swan Song of Fedor
       Ozerov“ die Beharrlichkeit einer Generation junger Menschen aus Osteuropa,
       die gelernt hat, sich auch vom drohenden Weltuntergangs nicht beirren zu
       lassen.
       
       Semashkos Langfilmdebüt wurde mit minimalem Budget im Exil in Polen
       gedreht, lief vor einigen Wochen im Programm des Forums auf der
       diesjährigen Berlinale und hat den Preis der Tagesspiegel-Leserjury
       gewonnen. Nun ist er Teil des traditionellen Nachspiels einer Auswahl von
       Forumsfilmen.
       
       Doch weil das [1][Kino Arsenal], Mutterschiff des Forums, aktuell noch im
       Wedding gebaut wird, erfährt die Tradition eine Modifikation: die vier
       Filme des Nachspiels am Samstag und Sonntag sind bei Freunden des Festivals
       untergekommen, dem [2][Kino Krokodil]. Der Fokus der Auswahl liegt auf
       Filmen aus Ost- und Südosteuropa.
       
       Den Auftakt der Reihe macht der neuste Film der Regielegende Želimir
       Žilnik. Im Mittelpunkt von „Restitucija, ili, San i java stare garde“
       („Eighty Plus“) steht ein ehemaliger Musiker der Jazzband „Montenegro Five“
       gegründet im Exil der 1960er Jahre. Heute über 80 spielt Stevan Arsin sein
       fiktionales Alter Ego Milan Kovačević im Kampf um die Rückerstattung des
       Hauses der Familie in Serbien. Kovačević und seine Ü80-Freunde stellen
       souverän die Geldgier und die Deals der jüngeren Generation bloß.
       
       Tamara Stepanyan lässt in „Mes fantômes arméniens“ armenische
       Filmgeschichte Revue passieren. Als Tochter eines Schauspielers, der ab den
       1970er Jahren Berühmtheit erlangt, ist das Kino im Leben Stepanyans seit
       der Kindheit dauerpräsent und die frühe Begegnung mit Film prägt später
       auch den Weg der Regisseurin.
       
       Am Sonntagnachmittag läuft noch einmal Vitaly Manskys großes Porträt seiner
       Heimatstadt L’viv im Zeichen der russischen Eskalation des Kriegs gegen die
       Ukraine seit Februar 2022. Zu sehen ist in „Time to the Target“ eine Stadt
       auf der Suche nach einem Leben inmitten des Kriegs und nach einem Umgang
       mit dem Sterben. Während der Friedhof mit den Ehrengräbern wächst, wandeln
       sich die Rituale und Formen des Trauerns.
       
       Das Nachspiel von vier osteuropäischen Filmen aus dem Programm des
       diesjährigen Forums lädt dazu ein, Filme nachzuholen, die man während der
       Berlinale verpasst hat, und auf dem Festival Entdecktes mit Freund_innen zu
       teilen.
       
       Hinweis: Unser Autor Fabian Tietke ist Teil der diesjährigen
       Auswahlkommission des Forums.
       
       2 Apr 2025
       
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 (DIR) Fabian Tietke
       
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