# taz.de -- Verhafteter schwedischer Journalist: In Erdoğans Türkei sind Fakten eine Beleidigung
       
       > Die Verhaftungswelle in der Türkei richtet sich auch gegen
       > Journalist:innen. Joakim Medin weiß nun immerhin, was ihm vorgeworfen
       > wird.
       
 (IMG) Bild: Protestaktion von türkischen Journalist:innen für festgenommene Kolleg:innen am 27. März in Izmir
       
       In der Türkei, Platz 157 auf der Rangliste der Pressefreiheit, sitzt ein
       Journalist im Knast, dessen Land den dritten Platz derselben Liste belegt:
       Schweden. Was [1][Joakim Medin] vorgeworfen wurde, erfuhr er bei seiner
       Festnahme zunächst nicht. Dann erklärte die türkische Regierung, es gehe um
       Präsidentenbeleidigung und Mitgliedschaft in einer terroristischen
       Vereinigung.
       
       „Das ist natürlich falsch“, sagt Andreas Gustavsson, Chefredakteur von
       [2][Dagens ETC] – dem Medium, das Medin zum Berichten nach Istanbul
       schickte. Seit Beginn der Proteste gegen die Inhaftierung des
       Erdoğan-Konkurrenten İmamoğlu sind bislang an die 1.900 Menschen
       festgenommen worden – unter ihnen auch Journalisten.
       
       Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass einer ihrer Fotojournalisten
       verhaftet worden sei. Des Weiteren sollen sechs Journalisten und Fotografen
       in Haft sein, wie MLSA mitteilte, eine NGO, die die Meinungs-, Presse- und
       Versammlungsfreiheit im Land beobachtet. Dann wurde der BBC-Korrespondent
       Mark Lowen des Landes verwiesen. Nach fünf Jahren in der Türkei wurde ihm
       vor einigen Tagen ein Bescheid vorgelegt, dass er wegen „Gefährdung der
       öffentlichen Ordnung“ abgeschoben werde.
       
       Die Türkei-Direktorin von Human Rights Watch, Emma Sinclair-Webb, sagte der
       BBC, sie sei schockiert über die Abschiebung. „Dies ist eine Botschaft an
       den Rest der internationalen Medien, dass die Türkei nicht dulden wird,
       dass über Dinge berichtet wird, die die Welt nicht sehen soll“, sagte sie.
       Und sie behielt recht.
       
       ## Zum Kopfschütteln
       
       Seit der Niederschlagung des Putschversuchs 2016 geht die türkische
       Regierung hart gegen Journalisten vor. Einige müssen langjährige
       Haftstrafen absitzen, andere warten jahrelang auf Urteile. Ausländische
       Korrespondenten warten laut Reporter ohne Grenzen monatelang auf die
       Verlängerung von Akkreditierungen. Nach den Wahlen 2023, die Erdoğan
       gewann, wurden Dutzende kurdische Journalisten verhaftet.
       
       Nun schreckt das Erdoğan-Regime nicht mal mehr davor zurück, ausländische
       Journalisten festzusetzen, basierend auf Behauptungen, die zum
       Kopfschütteln sind. Denn die Verhaftung Medins steht im Zusammenhang mit
       einer Erdoğan-Puppe, die im Januar 2023 vom Rathaus in Stockholm von einer
       PKK-Aktivisten-Gruppe aufgehängt wurde. Angeblich soll Medin daran
       beteiligt gewesen sein, stichfeste Beweise legte die Türkei jedoch nicht
       vor.
       
       Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard sagte, dass der Fall „für
       die Regierung höchste Priorität“ habe. Die Redaktion von Dagens ETC hofft,
       dass Stenergard beim Nato-Außenministertreffen in Brüssel am Donnerstag mit
       ihrem türkischen Amtskollegen über die Festnahme Medins sprechen wird.
       
       [3][Rojavakommittéerna], die Gruppe, die den kurdischen Protest organisiert
       hatte, bestreitet, dass Medin beteiligt war: „Wir möchten klarstellen, dass
       Joakim Medin kein Mitglied der Roja-Komitees ist und auch nie war“,
       schrieben sie an die schwedische Zeitung Aftonbladet. Das einzige, was ihm
       „nachzuweisen“ ist? In seinem neuesten, im Jahr 2023 erschienenen Buch
       interviewte er eine Person, die bei der Aktion dabei war. Auf der Website
       von Dagens ETC schreibt Chefredakteur Gustavsson: „Joakim ist Journalist.
       Er berichtet und analysiert. Er ist natürlich kein Mitglied der PKK oder
       einer anderen Gruppe. Er näht keine Erdoğan-Puppen. Er beleidigt niemanden.
       [4][Journalismus ist kein Verbrechen]. Fakten sind keine Beleidigung.“
       
       31 Mar 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaudia Lagozinski
       
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