# taz.de -- Proteste im Gazastreifen: „Hamas raus“, rufen sie
       
       > Im Gazastreifen demonstrieren Hunderte für ein Ende des Krieges. Es sei
       > wichtig, dass die Menschen zusammenstünden, schreibt ein taz-Kontakt.
       
 (IMG) Bild: Sie sind mutig: In Nordgaza demonstrieren die Menschen am zweiten Tag in Folge vor ausgebombten Gebäuden
       
       Berlin taz | „Hamas barra“, ruft die Menge im Chor – „Hamas raus“. Dutzende
       junge Männer, vielleicht auch Hunderte, laufen die schmale Straße entlang,
       klatschen im Takt der skandierten Worte. Einer hält einen Holzstock, an dem
       ein weißes Stück Stoff befestigt ist, hoch über die Köpfe. Das Video, das
       eine Quelle aus dem Gazastreifen an die taz sendet, stammt aus Gaza-Stadt,
       aus dem Viertel Al-Shuja’iyya. Es wurde am Mittwoch aufgenommen. Die
       Demonstrierenden sind darauf zumeist nur von hinten zu sehen. Sie sind
       männlich, wirken zumeist jung.
       
       Die Proteste, schreibt der Kontakt im Gazastreifen, seien ein Ausdruck der
       Frustration, die in dem Gebiet herrsche: „Seit Langem ertragen wir hier
       [1][unerträgliche Bedingungen]“ – und nachdem sich die Situation nach dem
       erneuten Ausbruch des Krieges wieder verschärft hatte, falle es den
       Menschen immer schwerer, so weiterzuleben. „Sie fordern ein Ende der
       Hamas-Herrschaft“, schreibt der Kontakt.
       
       Bereits am Dienstag kam es zu ersten Protesten: Im nördlichen Beit Lahia,
       einem der Orte, die vom Krieg besonders gezeichnet sind, demonstrierten
       nach Angaben der Nachrichtenagentur AP zunächst nur ein paar Menschen
       zusammen. Die Menge sei dann auf über 2.000 Beteiligte angeschwollen. Auch
       Plakate hielten manche hoch, darauf Sätze wie „Wir weigern uns zu sterben“.
       Ein Demonstrant erklärte AP: Die Hamas [2][sei die einzige Partei in dem
       Konflikt, auf die man Einfluss nehmen könne]. „Proteste werden die
       Besatzung (Israel, Anm. d. Red.) nicht stoppen, aber sie können die Hamas
       beeinflussen.“
       
       Dass die Demonstrationen neben der Hamas vor allem auch Israel gelten,
       erklärt ebenso die Quelle der taz in Gaza: „Viele machen die Hamas für die
       Situation verantwortlich.“ Andere glaubten wiederum, dass die derzeitigen
       Geschehnisse im Gazastreifen letztlich außerhalb deren Kontrolle lägen.
       Zwar trage die Hamas eine Verantwortung für den Krieg in Gaza – „doch die
       aktuelle Welle des Tötens und der Zerstörung richtet sich gegen die gesamte
       Bevölkerung – nicht nur gegen die Hamas“. Und: „Wir sind eine vereinte
       Nation, unabhängig von politischer Zugehörigkeit.“ Auch laut AP sagt ein
       Teilnehmer der Demonstrationen: Bei dem Protest gehe es nicht um Politik,
       sondern um das Leben der Menschen.
       
       ## „Gaza vom Krieg befreien“
       
       Der Protest in Beit Bahia hält derweil an. Ein anderer Kontakt der taz
       sendet am Mittwochnachmittag Bilder: Es scheinen sich noch mehr Menschen
       als am Dienstag versammelt zu haben. Vor einer Kulisse beschädigter Gebäude
       stehen sie eng gedrängt zusammen. Auch schriftlich gibt es Protest: In den
       sozialen Netzwerken kursiert etwa ein Dokument, zugeschrieben wird es
       lokalen Stammesführern in Südgaza. Geteilt hatte es unter anderem ein
       Korrespondent des israelischen TV-Senders i24News. Es ruft zum Widerstand
       auf, zum „Marsch des Zorn“. Der Gazastreifen werde von der Hamas als Geisel
       gehalten, so das Dokument. Dessen Echtheit lässt sich nicht unabhängig
       bestätigen.
       
       Oppositionelle Gazaner im Ausland, [3][etwa der mittlerweile in Deutschland
       lebende Hamza Howidy], reagieren erfreut auf die Proteste. Er schreibt auf
       X: „Jetzt, wo ich sehe, wie die Menschen auf die Straße gehen und alles
       riskieren, um Freiheit zu fordern, spüre ich eine unbestreitbare
       Anziehungskraft – ich möchte an ihrer Seite stehen. Um Gaza vom Krieg zu
       befreien. Um Gaza von denen zu befreien, die seine Zukunft gekapert haben.
       Um das, was zerstört wurde, wieder aufzubauen.“
       
       Und er übt Kritik an der Berichterstattung zu den Protesten: „Plötzlich
       berichtet Al Jazeera nicht mehr über Gaza.“ Der katarische Sender stand
       wiederholt in der Kritik, Narrative der Hamas wiederzugeben. Die als
       Hamas-nah geltende Nachrichtenagentur Gaza Now stellt die Proteste auf
       ihrem Telegram-Kanal derweil ganz anders dar: Israel bedrohe die Bewohner
       Nordgazas mit dem Tod, sollten sie nicht an den Demonstrationen teilnehmen.
       
       Ein Kontakt der taz schreibt: „Die Demonstranten rufen die Menschen dazu
       auf, zusammenzustehen“. Nur so könne der Krieg beendet werden.
       
       26 Mar 2025
       
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