# taz.de -- Ungewollte Wörter: Trump, die DDR und die Sprachpolizei
       
       > Donald Trump verbannt eine lange Liste an Wörtern aus dem Sprachgebrauch
       > von US-Behörden. Auch in der DDR war das ein oder andere Wort
       > überflüssig.
       
 (IMG) Bild: Frauen wurden in der DDR gebraucht, unter anderem für die Produktion wie hier bei Pentacon 1979
       
       Was regen sich denn alle so auf, dass [1][US-Präsident Donald Trump
       bestimmte Wörter nicht mehr lesen] will? Climate crisis zum Beispiel, also
       Klimakrise. Oder commercial sex worker, man könnte auch einfach sagen:
       Prostituierte. Oder immigrants. Man braucht diese Wörter nicht, das Leben
       schnurrt auch ohne sie vor sich hin. So wie in der DDR. Klimakrise? Ach
       wo. So was gab es in der DDR nicht – wozu also ein Wort erfinden für etwas,
       das gar nicht existiert?
       
       Oder Prostituierte. Das klingt voll obszön – und wäre den Genossen nie über
       die Lippen gekommen. Es ist zwar nicht auszuschließen, [2][dass der eine
       oder andere Genosse das eine oder andere Mal aushäusigen Sex hatte] – aber
       Sex für Geld? So etwas konnte nur dem bösen Klassenfeind einfallen. Im
       Sozialismus lief das anders: Die Staatsführung schickte „Hostessen“ auf die
       Leipziger Messen, sie stellten unter Beweis, was die Geschäftsleute aus dem
       nichtsozialistischen Ausland ahnten, aber nie zu hoffen wagten: Die DDR ist
       arm, aber sexy.
       
       In der DDR gab es auch keine Immigranten, es gab [3][nur Vertragsarbeiter,
       und die kamen aus Vietnam, Angola, Kuba, Mosambik, Algerien]. Das waren
       zwar Männer und Frauen – aber muss man da gleich gendern? Übrigens ein
       weiteres Wort auf Trumps Verbotsliste. In der DDR bestanden Frauen, die auf
       Lehramt studierten – und das waren mehr als Männer – darauf, zu sagen: Ich
       bin Lehrer.
       
       Zwar mussten in der DDR alle Russisch lernen, aber war es deshalb
       angemessen, „unsere sowjetischen Freunde“ einfach Russen zu nennen? Auch
       „Zone“ war kein schönes Wort für die Deutsche Demokratische Republik, so
       was gehörte sich einfach nicht. Und den Genossen Kurt Hager als
       „Chefideologen“ zu bezeichnen, grenzte schon an Verunglimpfung. Bei einem
       Wort aber wird es kompliziert: [4][Frauen. Das wurde viel verwendet in der
       DDR – ohne Frauen wäre damals nichts gegangen.]
       
       Trump indes lässt Frauen aus dem ihm genehmen Vokabular streichen. Das
       klingt nicht so nett, aber nett sein geht eben nicht immer: In dem Sauladen
       muss doch mal jemand aufräumen, nur die Harten kommen in den Garten. Aber
       hat Trump bedacht, dass er und seine virilen Bros dadurch schwul werden?
       Wenn Frauen nicht existieren, mit wem sind seine Jungs dann verheiratet?
       Wohl doch nur mit einem anderen Mann. Oder mit einer Person, die
       non-binary, transgender, LGBTQ oder einfach queer ist? Das hat nicht mal
       Erich Honecker geschafft.
       
       23 Mar 2025
       
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