# taz.de -- Erste Phase der Gaza-Waffenruhe endet: Keine Fortschritte bei Gesprächen über Fortsetzung
       
       > Für die Hamas ist unklar, ob weitere Verhandlungen über eine zweite Phase
       > stattfinden. Derweil hat die US-Regierung eine Lieferung von Waffen im
       > Wert von mehr als drei Milliarden Dollar an Israel genehmigt.
       
 (IMG) Bild: Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty (r.) und der palästinensische Premierminister Mohammad Mustafa (l.) nach ihrer Beratung über den Wiederaufbau des Gazastreifens am 1. März in Kairo
       
       Kairo/washington/tel aviv/ramallah ap/dpa/afp | Die jüngste Gesprächsrunde
       über eine Fortsetzung der Waffenruhe im Gazastreifen ist nach Angaben der
       militant-islamistischen Hamas ohne Erfolg geblieben. Es sei unklar, ob der
       Gesprächsfaden am Samstag wieder aufgenommen werde, sagte Bassem Naim, ein
       Mitglied des Hamas-Politbüros, der Nachrichtenagentur AP. Vor der Abreise
       des israelischen Verhandlungsteams am Freitag habe es „keine Fortschritte“
       gegeben.
       
       [1][Die erste Phase der Waffenruhe läuft am heutigen Samstag aus]. In ihr
       waren 33 Geiseln, die Extremisten unter Führung der Hamas beim
       Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt hatten, gegen fast
       2.000 palästinensische Häftlinge ausgetauscht worden. Die
       Waffenruhe-Vereinbarung sieht vor, dass die Kämpfe nicht wieder aufgenommen
       werden dürfen, solange noch Verhandlungen über eine zweite Phase laufen,
       die bislang vorsah, dass die übrigen Geiseln nach Hause zurückkehren können
       und der Krieg im Gazastreifen beendet wird.
       
       Vertreter Israels, Katars, Ägyptens und der USA sind an den Gesprächen über
       die zweite Phase in Kairo beteiligt. Die Hamas nimmt nicht persönlich teil,
       wird aber von ägyptischen und katarischen Unterhändlern vertreten. Ob die
       israelische Delegation am Samstag nach Kairo zurückkehrt, war unklar.
       Hamas-Funktionär Naim sagte, er habe „keine Ahnung“, wann die Verhandlungen
       wieder anlaufen könnten.
       
       ## Beratungen über Wiederaufbau des Gazastreifens
       
       Wenige Tage vor einem Sondergipfel der Arabischen Liga haben sich Politiker
       in Kairo über den Wiederaufbau des Gazastreifens beraten. Ägyptens
       Regierung habe einen entsprechenden Plan ausgearbeitet, erklärte
       Ministerpräsident Mustafa Madbuli laut Staatsmedien nach einem Treffen mit
       seinem palästinensischen Kollegen Mohammed Mustafa. Kairo betont, dass die
       Bewohner in Gaza bleiben müssen. Der Gipfel beginnt am 4. März.
       
       Über die Zukunft des Gazastreifens wird international gestritten.
       US-Präsident Donald Trump brachte die Idee ins Spiel, die Kontrolle über
       das Gebiet zu übernehmen und die palästinensische Bevölkerung umzusiedeln,
       um Gaza in eine „Riviera des Nahen Ostens“ zu verwandeln. Der Vorschlag
       stößt auf heftige Kritik. Israel will die im Gazastreifen herrschende
       islamistische Hamas zerschlagen, während palästinensische Vertreter auf
       einen Wiederaufbau unter eigener Verwaltung drängen. Eine Lösung ist
       bislang nicht in Sicht.
       
       ## US-Außenminister gibt grünes Licht für Waffenverkauf
       
       Die USA haben am Freitag grünes Licht für den Verkauf von Waffen und
       Ausrüstung im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar (2,9 Milliarden
       Euro) an Israel gegeben. US-Außenminister Marco Rubio habe den Verkauf am
       Freitag genehmigt, erklärte die US-Behörde für Verteidigungskooperation
       (DSCA) am Freitag. Dazu gehörten demnach Bombenteile und Sprengköpfe im
       Wert von 2,04 Milliarden Dollar sowie Bombenteile und Lenkausrüstung für
       weitere 675,7 Millionen Dollar und Bulldozer und dazugehörige Ausrüstung im
       Wert von 295 Millionen Dollar.
       
       Rubio habe „festgestellt und ausführlich begründet, dass ein Notfall
       vorliegt“, erklärte die DSCA. Dieser erfordere „den sofortigen Verkauf der
       genannten Verteidigungsgegenstände und -dienstleistungen an die israelische
       Regierung im Interesse der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten“.
       Damit entfalle die übliche Vorgabe, dass solche Verkäufe vom Kongress
       genehmigt werden müssen, hieß es weiter.
       
       Zur Begründung hieß es, die USA seien der Sicherheit Israels verpflichtet.
       Es sei für die nationalen Interessen der USA „von entscheidender Bedeutung,
       Israel bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer starken und
       einsatzbereiten Selbstverteidigungsfähigkeit zu unterstützen“.
       
       Anfang Februar hatte Washington den Verkauf von Bomben, Raketen und
       Ausrüstung im Wert von mehr als 7,4 Milliarden Dollar an Israel genehmigt.
       
       ## EU besorgt über Militäreinsatz im Westjordanland
       
       Unterdessen hat sich die Europäische Union sehr besorgt [2][über die Folgen
       des israelischen Militäreinsatzes gegen militante Palästinenser im
       nördlichen Westjordanland] geäußert. Die seit 40 Tagen andauernde Offensive
       vor allem in Flüchtlingsvierteln habe zahlreiche Tote, die Vertreibung von
       rund 40.000 Palästinensern aus ihren Häusern sowie die Zerstörung
       essenzieller Infrastruktur zur Folge habt, hieß es in einer
       EU-Stellungnahme.
       
       Die EU rief Israel dazu auf, sich an das internationale Recht zu halten,
       indem es bei Militäreinsätzen den Schutz von Zivilisten gewährleiste und
       die sichere Rückkehr von Vertriebenen in ihre Häuser ermögliche. Israel
       müsse außerdem energisch gegen Siedlergewalt gegen Palästinenser im
       Westjordanland und Ost-Jerusalem vorgehen.
       
       Die EU äußerte zudem Besorgnis über eine wachsende Anzahl von
       Kontrollpunkten der Armee im Westjordanland, die dort die Bewegungsfreiheit
       einschränkten und die wirtschaftliche und humanitäre Lage verschlechterten.
       
       Mit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan rufe man alle Seiten dazu
       auf, „Zurückhaltung zu zeigen, um friedliche Feiern zu ermöglichen“. Die
       Europäische Union sei der Sicherheit Israels verpflichtet und verurteile
       alle Terroranschläge auf Israel oder seine Bürger.
       
       Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und
       Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen
       Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser
       beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als
       Hauptstadt.
       
       1 Mar 2025
       
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