# taz.de -- TV-Doku „Jeder schreibt für sich allein“: Geister der Vergangenheit
       
       > Kann man Autor:in und Werk voneinander trennen? Das fragt eine Arte
       > Dokumentation zu Schriftsteller:innen im Nationalsozialismus.
       
 (IMG) Bild: Gottfried Benn in seiner Berliner Wohnung, Aufnahme aus dem Jahr 1955: Kann man Autor und Werk trennen?
       
       Der Titel [1][„Jeder schreibt für sich allein“] mag an stille
       Autor:innen erinnern, deren Werke nie das Licht der Welt erblickten.
       Doch die Arte-Dokumentation, basierend auf dem [2][Buch von Anatol
       Regnier], beschäftigt sich mit bedeutenden deutschen
       Schriftsteller:innen und ihrem Schaffen während des
       Nationalsozialismus.
       
       Dominik Graf porträtiert in seinem Film etwa [3][Heinrich Mann], der aus
       dem Ausland seine deutschen Kolleg:innen kritisiert, oder Gottfried
       Benn, der NS-Denkweisen im deutschen Radio predigt. Erich Kästner, Hans
       Fallada und Ina Seidel sind weitere Autor:innen, die in der Dokumentation
       wegen ihrer Passivität und Gefühlskälte kritisiert werden.
       
       Passagen aus ihren Texten werden mit melancholischer Stimme eingesprochen,
       dazu Naturimpressionen. Fast alle genannten Autor:innen akzeptierten das
       NS-Regime [4][ohne öffentliche Kritik].
       
       Die immerhin dreistündige Dokumentation fragt, ob man Autor und Werk
       trennen kann. Historiker:innen berichten über ihre eigenen
       Wahrnehmungen der Schriftsteller:innen. Sie erläutern, wie sich ihre
       kindliche Bewunderung für die Künstler wandelte, als sie vom Verhalten der
       Autor:innen während des NS-Regimes erfuhren.
       
       ## Und dann Dr. Benn
       
       Besonders bei [5][Benn] stellen die Historiker:innen einen Zwiespalt
       dar. Wie konnte jemand, dessen Gedichte voll von „Doppelbödigkeit und
       Gefühlstiefe“ waren, gleichzeitig Nazisprache verwenden und
       Menschenverachtung bekunden?
       
       Der Film ist durch die langen Textpassagen aus den Werken der Autoren nicht
       unermüdend. Auch eine Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Werk
       und Autor bleibt er letztlich schuldig.
       
       Wichtig ist die dennoch, denn: Die Dokumentation „Jeder schreibt für sich
       allein“ ist ein bedeutendes Stück Aufklärungsarbeit, die uns dazu bewegen
       kann, aus dem widerspruchslosen Folgen rechter Denkweisen auszubrechen.
       
       28 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.arte.tv/de/videos/100268-000-A/jeder-schreibt-fuer-sich-allein/
 (DIR) [2] https://www.penguin.de/buecher/anatol-regnier-jeder-schreibt-fuer-sich-allein/taschenbuch/9783442771837
 (DIR) [3] https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Heinrich-Mann-Autor-Rebell-und-Vorreiter,heinrichmann102.html
 (DIR) [4] https://www.hi.uni-stuttgart.de/gnt/exil/InnereEmigration.html
 (DIR) [5] https://www.deutschlandfunk.de/antidemokrat-gottfried-benn-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Schöpfer
       
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